Anreize mit begrenztem Radius

EEG Während die Photovoltaik-Hersteller die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes überwiegend positiv bewerten, äußert die Windenergie- und Biomassebranche auch Kritik.

14. August 2008

Die Solarbranche hatte wohl Schlimmeres befürchtet, denn aus den Reaktionen auf die Einspeisenovelle klingt vorwiegend Erleichterung. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft sichere »die Bundesregierung damit den weiteren Ausbau der Solarenergie in Deutschland«, jedoch setze sie die »Photovoltaikbranche unter harten Innovationsdruck«. Die Förderung von Solarstromanlagen soll in 2009 und 2010 bis zu einer typischen Größenklasse bis 100 kW um jährlich 8 % gesenkt werden. 2010 soll eine Absenkung der Solarstromvergütung für Neuanlagen um 9 % erfolgen. Der Vorstandsvorsitzende der Schott AG, Professor Udo Ungeheuer hat sogar den Eindruck gewonnen, dass sich »inzwischen eine Koalition der Vernünftigen zur Energiefrage« gebildet hat. Dass in der politischen Diskussion der Ausbau der Solarenergie nicht gestoppt wurde, sondern die Degression der Fördersätze nun auf »anspruchsvolle, aber gerade noch vertretbare« 8 bis 10 Prozent erhöht worden ist, zeigt dem Schott-Chef, dass »die Solarwirtschaft breite Unterstützung in Industrie, Bevölkerung und über die politischen Parteien hinweg erfährt«.

Die Windbranche ist zwar grundsätzlich zufrieden mit dem Erreichten, spart aber auch nicht an Kritik. »Das ist eine Trendwende für die Windenergie in Deutschland «, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie. Die EEG-Novelle setze neue Investitions- und Innovationsanreize, die wieder für einen wachsenden Inlandsmarkt sorgen werden. »Damit kommen wir unserem Ziel näher, bis 2020 rund 45.000 MW Windleistung an Land und 10.000 MW Leistung in Nord- und Ostsee zu installieren«, so Albers.

Kritisch bewertet der Verband das späte Inkrafttreten zum 1. Januar 2009. Dies riskiere »für den Rest des Jahres einen enormen Investitionsaufschub und verschenkt Kilowattstunden grünen Stroms«. Auf die Hersteller und Zulieferer von Windenergieanlagen kämen erhebliche logistische Herausforderungen zu.

Freude über höhere Boni

Beim Hersteller Nordex sieht man durch die Verspätung keine direkten Auswirkungen. Im Vorfeld sei bereits zu erwarten gewesen, dass 2009 als Termin des Inkrafttretens wahrscheinlich sei. Insgesamt bewertet man bei Nordex die neuen EEG-Regelungen positiv. Insbesondere für den sich in Deutschland bisher erst langsam entwickelnden Offshore-Markt sieht man jetzt das Potenzial für neuen Schwung. ›Onshore‹ bleibe abzuwarten, ob dies »mit Blick auf die Qualität der noch nicht bebauten Standorte einen Schub für den Markt gibt«. Schwächen sieht Nordex beim Systemdienstleistungsbonus. Die Unterscheidung zwischen Neu- und Altanlagen gehe nur in Ansätzen in die richtige Richtung. Auch sei das Repowering, die bei der Altanlagennachrüstung vorzuziehende Option, in der Novelle nur bedingt reflektiert.

Beim Fachverband Biogas ist man »im Großen und Ganzen« mit der EEG-Novelle »sehr zufrieden«. Mit der Anhebung der Grundvergütung, des NawaRo- und des KWK-Bonus um jeweils einen Cent habe der Gesetzgeber bestehende Mechanismen angepasst. Zusätzlich seien mit den Boni für den Einsatz von Gülle, Landschaftspflegegras sowie für besondere Maßnahmen zur Verbesserung der Abgasqualität von Blockheizkraftwerken »neue Anreize zur optimierten Biogasnutzung geschaffen worden«.

»Vor allem kleine landwirtschaftliche Biogasanlagen werden von dem neuen EEG profitieren«, prognostiziert der Präsident des Fachverbandes Josef Pellmeyer. Dies kritisiert Bodo Drescher, Geschäftsführer der MT Energie. Dadurch werde es einen »kurzfristigen Push des Marktes geben, ohne langfristig die Strukturen in Deutschland voranzubringen «. Insbesondere die Aufbereitung auf Biomethan sei im EEG stiefmütterlich behandelt worden, obwohl sie über die hohe Flächeneffizienz die Zukunftschance der Branche gewesen wäre. »Hier wurde relativ kurzfristig gedacht und auf althergebrachte Verwertungspfade gesetzt«, bemängelt Drescher.

Positiver wird die Novelle bei EnviTec Biogas gesehen. Sie sei »ein klares Bekenntnis zu Biogas und seinem ausgezeichneten Leistungspotenzial unter den erneuerbaren Energien«. Technologievorstand Kunibert Ruhe rechnet damit, dass der »deutsche Markt wieder anzieht und Biogasanlagen durch die neuen Fördersätze wieder an Attraktivität gewinnen«. Durch den geplanten Güllebonus könnte Biogas insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe mit Viehhaltung sehr interessant sein. Bei großen Anlagen rechnet er nur dann mit einer echten Entspannung, wenn das Gesamtkonzept stimmig sei und das Wertschöpfungspotenzial im Bereich Kraft-Wärme-Kopplung effizient genutzt werde. (mn)

EEG-Novelle

Grundvergütung (ohne BonI wie KWK, NawaRo, . . .)

Wind onshore: 9,2 ct/kWh

Wind offshore: 13 ct/kWh

Biomasse (je nach Leistung): bis 150 kW 7,79-11,67 ct/kWh

Photovoltaik (je nach Leistung): Dach 33-43,01 ct/kWh

Freifläche 31,94 ct/kWh

Geothermie

(je nach Leistung): 10,5-16 ct/kWh

Deponie-, Klär-, und Grubengas

(je nach Leistung): 4,16-9 ct/kWh

Erschienen in Ausgabe: 7-8/2008