Bei Expansionsplänen die Energie im Blick

Technik

Contracting - 12.000 Tonnen Dampf mehr bei gleichem Erdgasverbrauch: Die HeideblumeMolkerei hat ihr Energiekonzept optimiert und baut gerade eine Energiezentrale besonderer Art.

01. August 2011

Rund 90Mrd.kWh Energie und damit 15% des deutschen Stromverbrauchs wurden 2010 für die technische Erzeugung von Kälte benötigt, so das Bundesumweltministerium (BMU). »Die Kälte- und Klimabranche kann einen wichtigen Beitrag für unsere Klima- und Energieeinsparziele leisten und gleichzeitig deutlich Energiekosten einsparen«, sagt Katherina Reiche, parlamentarische Staatssekretärin im BMU.

Ein Beispiel dafür steht im beschaulichen Elsdorf: 1.920 Einwohner zählt der Ort zwischen Bremen und Hamburg. Gleichzeitig ist er auch Standort der Heideblume Molkerei Elsdorf-Rotenburg. Was 1909 als kleine Molkereigenossenschaft begann, ist heute eine AG mit rund 130Mio.€ Umsatz im Jahr 2010. Das Unternehmen bedient führende Discounter und Handelshäuser und verkauft seine Produkte europaweit.

Die Herstellung von Milchprodukten ist aufgrund des hohen Wärme- und Kältebedarfs sehr energieintensiv, eine stete Optimierung daher sinnvoll. Schon 2005 entschied sich die Molkerei für ein Contracting, um sich unter anderem mehr auf das eigentliche Kerngeschäft zu konzentrieren sowie um ohne eigenen Aufwand die Effizienz im Bereich der Ver- und Entsorgung zu steigern. Seitdem stellt Hochtief Energy ManagementDampf,Eiswasser,Raumkälte, Druckluft und Trinkwasser für die Produktion bereit. Ferner übernimmt das Unternehmen den Betrieb der hauseigenen Kläranlage sowie des Mittelspannungsnetzes. Daneben sollen nach zehn Jahren Laufzeit mindestens 10% der jährlichen Kosten für Ver- und Entsorgung eingespart werden.

»Wir haben den Energieverbrauch der Molkerei in zahlreichen Schritten optimiert«, so Helge Fredriksdotter, Betriebsleiter von Hochtief Energy Management. Er nennt als ein Beispiel von vielen die Dampfkesselanlage. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er den Nutzungsgrad der Kessel von durchschnittlich 65 auf mehr als 90% erhöht.

Außerdem haben sie ein Betriebsdatenmesssystem installiert, um die für die Produktion benötigten Nutzenergien und Medien zu erfassen und abzurechnen. Das wiederum ermögliche die zielgenaue Optimierung einzelner Produktionsphasen, da die innerbetrieblichen Energieverbraucher mit ihren jeweiligen Verbrauchswerten exakt eingegrenzt und zugeordnet werden könnten, so der Contractor.

Bis heute hat das Team mit der Summe aller umgesetzten Energieeffizienzmaßnahmen eine CO2-Reduzierung um 60% erreicht, mit entsprechenden Endenergieeinsparungen. Diese belaufen sich auf rund 13.000 MWh/a. »Wobei die tatsächlichen Mengen an Endenergieverbräuchen zwischen 2006 und heute in etwa gleich geblieben sind«, erläutert Walter Guevara Mendez, Regionalleiter bei Hochtief Energy Management. Ein Grund: »Es wird heute wesentlich mehr an Medien erzeugt, da die Produktion gewachsen ist.« So befinde sich der Erdgasverbrauch in 2006 und 2010 auf etwa gleichem Niveau, aber 2010 habe das Unternehmen rund 12.000t Dampf mehr an die Molkerei geliefert als 2006.

Ein wichtiges Folgeprojekt startete Ende 2010. Der Contractor baut für die Heideblume Molkerei eine komplette Energiezentrale und reagiert damit auf die Expansionspläne des Kunden. Denn die Molkerei erweitert den Standort Elsdorf um ein neues Logistikzentrum mit einem Hochregalkühllager.

Mit dem Konzept plant die Molkerei ihre Investitionskosten in der Kälte- und Stromversorgung des Logistikzentrums sowie auch die Energiebezugskosten zu senken. Damit wird die Mediengrundversorgung abgedeckt und eine Notstromversorgung gewährleistet. Kernstücke der Energiezentrale sind ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und eine Absorptionskälteanlage sowie eine Druckluftanlage für die Werksversorgung. Refinanziert wird das Projekt durch die erzielten effektiven Einsparungen.

Die Besonderheit: In der neuen Zentrale wird durch intelligente Koppelung der Systeme eine besonders hohe Energieeffizienz erreicht. Die Abwärme des erdgasbetriebenen BHKW wird direkt in die Absorptionskälteanlage geführt, um eine Kälteleistung von 320kW als Grundlastleistung für das neu errichtete Hochregallager zu erzeugen. Allein durch diese Maßnahme wird eine jährliche CO2-Reduktion – im Vergleich zu einer Schraubenverdichteranlage – von knapp 60% erreicht.

Die dauerhafte Nutzung der im BHKW erzeugten Wärme in einer Absorptionskälteanlage zur Deckung des Kältebedarfs des neuen Hochregalkühllagers stellt zum einen den Dauerbetrieb des Kraftwerks sicher und senkt laut Mendez den Strombedarf, der bei Kälteerzeugung mit Schraubenverdichtern entstanden wäre, deutlich.

Effizienz mit Label

Zusätzlich wird mit der Wärme des Kühlwassers aus dem Gemischkühler des BHKW das Breitganglager für Verpackungsmaterialien im neuen Logistikzentrum beheizt. Das Kühlwasser des Gemischkühlers wird normalerweise abgeführt und nicht genutzt. Die Strahlungswärme des BHKW nutzen die Contractoren, um wiederum die Energiezentrale zu beheizen. Mit der Wärmeauskoppelung aus den Druckluftverdichtern wird das Speisewasser für die Dampfkesselanlage erwärmt.

Die Effizienz und Ressourcenschonung wurde Anfang des Jahres entsprechend gewürdigt: Neben dem 3. Deutschen Kältepreis des BMU erhielt das Projekt das Label »Good Practice Energieeffizienz 2011« der Deutschen Energieagentur (dena). Einen Nebeneffekt der erzielten Einsparungen sieht Mendez auch: »Der Imagegewinn vor dem Hintergrund der CO2-Debatte und den realisierten Einsparungen im Bereich der Ver- und Entsorgung ist gerade für einen Nahrungsmittelhersteller sehr wertvoll.«

Erschienen in Ausgabe: 06/2011