Beim Kunden Transparenz schaffen

Management

EVU - Steigende Strompreise und sinkende Margen erfordern von Energieversorgern, ihre Geschäftsmodelle neu zu denken. Gefragt sind Angebote, die dem Kunden die Energieversorgung einfach, transparent und planungssicher gestalten. Zum Beispiel über eine Modernisierungsrate Effizienzmaßnahmen vorzufinanzieren.

04. März 2013

»Gerade mittelständische Unternehmen leiden zunehmend unter den drastischen Preissteigerungen«, so Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbunds ZGV zum Thema Strompreise. Er vertritt die Interessen von rund 230.000 mittelständischen Unternehmen in 320 Verbundgruppen. »Um die Stromkosten im Zaum zu halten, sollten Unternehmen nicht nur ihre Beschaffungsverträge optimieren, sondern auch verstärkt Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen tätigen. Ohne diese Maßnahmen kommen auf die mittelständischen Unternehmen enorme Kostensteigerungen zu.«

Doch auch die Energieversorger müssen sich neu aufstellen. »Mittlerweile wird der Anteil der Erlöse für Erzeugung, Transport und Vertrieb des Stroms im Vergleich zu den staatlichen Abgaben immer geringer«, so Mike Frank, Geschäftsführer meistro Energie. »Der Einfluss der Energieversorger auf den Strompreis sinkt – vergleichbar mit dem von Tankstellen auf die Spritpreise.« Deswegen investiere sein Unternehmen verstärkt in neue Geschäftsmodelle zur Energieeffizienz. »Mit innovativen Energieeinsparprodukten ermöglichen wir es unseren Kunden, von den Dynamiken der Energiewende zu profitieren.«

Mehr als der Energielieferant

Die Zukunft gehört demnach nicht den Energieanbietern, die Wettbewerb ausschließlich über den Preis definieren. Transparenz könne ein viel entscheidenderer Faktor sein. Mittlerweile häufen sich die Beschwerden über Energieanbieter, die über versteckte Kosten, hohe Abschlagszahlungen oder nicht ausgezahlte Prämien einen Schatten auf die gesamte Branche werfen.

Deshalb fordert der Bundesverband Neuer Energieanbieter (bne), dass die Schlichtungsstelle die Namen jener Unternehmen öffentlich macht, die für den Großteil der Streitigkeiten verantwortlich sind. »Es kann doch nicht sein, dass das Gebaren einer Handvoll unseriöser Firmen derart den Ruf des Wettbewerbs ramponiert – und damit das Angebot von mittlerweile über 800 zuverlässigen Energieversorgern diskreditiert«, betont Robert Busch, Geschäftsführer des bne.

Gerade für kleine Energiedienstleister kann die Energiewende vielfältige Chancen bieten. Gefragt sind Angebote, die dem Kunden die Energieversorgung einfach, transparent und vor allem planungssicher gestalten. Zukünftig wird es für die Energieversorger nicht mehr nur darum gehen, dem Kunden Energie zu liefern, sondern das eigene Produktportfolio zu erweitern.

Energieleitfaden entwickelt

»Insbesondere im Bereich Energieeffizienz sehen wir große Potenziale«, so Frank weiter. »Durch unsere Marktforschung, den partnerschaftlichen Umgang mit Kunden und durch unser Netzwerk wissen wir, dass die Unternehmer umsetzungsorientierte Lösungskonzepte zur Energieeinsparung wünschen.« Deshalb biete das Unternehmen in Kürze zum Thema Lichteffizienz ein Effizienz-Modell für seine Kunden im Einzel- und Großhandel an, wodurch diese ihren Stromverbrauch und damit auch ihre Energiekosten nachhaltig senken können. »Weitere maßgeschneiderte und auf Energieeffizienz ausgerichtete Konzepte sind aktuell in der Pilotphase und werden folgen.«

Mit dieser strategischen Weiterentwicklung des Geschäftsmodells vom reinen Energielieferanten hin zum Energiedienstleister mit Produkten, die der Energiewende zugutekommen und den Unternehmen einen echten Mehrwert hinsichtlich der Einsparung von Energiekosten ermöglichen, können sich Unternehmen wie die meistro Energie im Wettbewerb behaupten.

Branchenspezifische Energieeffizienzanalysen, ein nachvollziehbares Energie-Monitoring und die transparente Rechnungslegung sind Instrumente, die es dem Kunden ermöglichen, die Kosten im Überblick zu behalten und Hebel für Effizienzpotenziale zu identifizieren. Zusätzlich kann gewährleistet werden, dass die versprochenen Einsparpotenziale auch überwacht und im Rahmen der Energierechnung abgerechnet werden, ohne dass der Kunde komplexe Finanzierungsgeschäfte zusätzlich abwickeln oder sein Eigenkapital belasten muss. Als Hilfestellung für Apotheken zur Reduzierung ihrer Energiekosten hat meistro etwa gemeinsam mit der Apothekergenossenschaft Noweda den ›Energieleitfaden‹ für Apotheken entwickelt. Das Unternehmen führte hierfür eine Energieeffizienzanalyse bei verschiedenen Apotheken unterschiedlicher Größe durch.

»Viele unserer Mitglieder haben sich hilfesuchend an uns gewandt, weil die Energiekosten einen immer größeren Teil der monatlichen Fixkosten ausmachen«, erläutert Noweda-Vorstandsvorsitzender Wilfried Hollmann die Gründe. »In Zeiten steigender Energiepreise haben wir gehandelt und gemeinsam mit unserem langjährigen Energieversorgungspartner meistro weitere Maßnahmen neben der Optimierung von Energieeinkauf geplant.«

Faktor Beleuchtung

Bei der Untersuchung wurden sämtliche Energiefresser und deren Nutzdauer identifiziert sowie der gesamte Energieverbrauch analysiert. Über den Zeitraum von drei Tagen überprüften Experten außerdem den Stromfluss und die Energieverteilung, um daraus Einsparmöglichkeiten und Empfehlungen abzuleiten.

Laut der Analyse birgt die Beleuchtung das größte Einsparpotenzial. Die meisten Apotheken sind demnach unflexibel beleuchtet, teilweise überbeleuchtet und verwenden konventionelle Leuchtmittel. Abhilfe schaffen können hier höherwertige, effiziente Leuchtmittel zum Beispiel mit LED-Technologie. Die Anschaffungskosten seien zwar vergleichsweise hoch, die Ersparnisse sieht man jedoch schnell, so meistro. Zudem lohne es sich, darauf zu achten, dass Schaufenster und Auslagen nur partiell beleuchtet werden.

10% Einsparung ohne Invest

Ein weiterer Faktor sind laut Analyse hohe Heizkosten, oft verursacht durch ineffizientes Heizen. Diese Kosten können auch ohne oder mit nur geringen Investitionen vermieden werden. Häufig sei eine Raumtemperatur von 21°C an Geschäftstagen ausreichend, nach Geschäftsschluss sollte die Temperatur heruntergefahren werden.

Meist jedoch erfolgt die Heizungssteuerung manuell und ohne festgelegte Regeln. Programmierbare Heizungsregler zu installieren sei eine Lösung. Als Hauptverursacher hoher Kosten erweise sich hier oftmals das mangelnde Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter. Hier lohne es sich, den Mitarbeitern die Problematik zu erläutern und sie für das Thema Energieeinsparung zu sensibilisieren.

Mit dem entwickelten Energieleitfaden erhalten die Noweda-Mitglieder Tipps für eine energieeffizientere Gestaltung des Betriebs. Durch einfache Effizienzmaßnahmen und ganz ohne Investitionen konnten die Apotheken unter Berücksichtigung des speziell entwickelten Leitfadens im Schnitt knapp 10% ihrer Kosten einsparen. Für Apotheker, die bereit waren durch Investitionen wie neue Beleuchtungssysteme die Energieeffizienz im Unternehmen weiter zu steigern, ergaben sich sogar Kostenersparnisse von bis zu rund 20%.

Darüber hinaus wird der Energiedienstleister weitere Effizienz-Modelle auf den Weg bringen. Kunden können ihre Investitionen in Lichteffizienzmaßnahmen zukünftig während einer Laufzeit von 36 bis 60 Monaten in Form einer Modernisierungsrate direkt über die Stromrechnung abrechnen und damit die Hürde hoher Investitionskosten zu Beginn umgehen. Diese neue Position wird in der Regel durch die Verbrauchseinsparung im Abrechnungszeitraum jedoch mehr als aufgefangen, so das Unternehmen. Dadurch falle die Stromrechnung trotz Modernisierungsrate niedriger aus als bisher und der Kunde könne vom ersten Tag an Kosten sparen. In einer derzeit laufenden Pilotphase würden aufseiten der Verbraucher insbesondere Handel und Logistik wichtige Erfahrungen zu diesem Modell gesammelt.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013