"Betreutes Wohnen für Server"

Steag Datacenter stellt Infrastruktur für Rechenzentren bereit

Rechenzentren benötigen Energie en masse: Der Bedarf an Klimakälte und Strom erreicht leicht Größenordnungen von einem kW/m2. Diese Energie bereitzustellen, ist eine Aufgabe für Spezialisten - wie für die Steag Energie-Contracting. Zur Dienstleistung gehören aber auch Security, Brandschutz oder Klimatisierung.

28. Mai 2004

Hohe Verfügbarkeit bedeutet in der Rechnerwelt nicht nur, stabile Hard- und Software einzusetzen. Eine qualitativ hochwertige und konstante Belieferung mit Elektrizität ist dabei ebenso wichtig wie das Einhalten von Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Die sichere Energieversorgung ist die Kernaufgabe der Steag Energie-Contracting GmbH (SEC). Dabei besteht die Dienstleistung nicht, wie der Name zunächst vermuten ließe, im Betrieb der Server.

Vielmehr verstehen sich die Spezialisten als Lieferant der passenden Infrastruktur. „Wir stellen die Fläche, die Security, den Brandschutz und natürlich die Energie und die erforderliche Klimatisierung bereit, damit die Server unserer Kunden gut aufgehoben sind“, fasst Frank Doberas, Geschäftsfeldleiter Datacenter der Steag Energie-Contracting GmbH in München, die Dienstleistung zusammen.

Doberas hat noch eine knackigere Formulierung parat. Er nennt den Service „betreutes Wohnen für Server“. Der Grund: Die Mieter im Steag-Datacenter müssen sich nur um ihre IT-Kernprozesse kümmern. Alles was mit der Basis-Infrastruktur zu tun hat, ist Aufgabe der Steag, die dafür an den Standorten München und Berlin hochqualifizierte Mitarbeiter beschäftigt.

Sie sorgen unter anderem für die Sicherheit. Die Strukturen und Ausrüstungen der Datacenter verhindern den unbefugten Zutritt durch die Einrichtung von gekapselten Sicherheitszonen mit kontaktsensiblen Zäunen, Schleusensystemen, Zutrittskontrollen, Bewegungsmeldern und Videoüberwachung - dieses ist obligatorisch. Wer mehr Schutz möchte, kann die angemieteten Bereiche auch mit biometrischen Zutrittskontrollen ausstatten.

Auch an die Gefahr durch Feuer ist gedacht. Neben der Löschanlage, die betroffene Räume mit inertem Argon- Gas fluten kann, ist eine Rauchfrühesterkennung installiert. Sie macht schon im Vorfeld eines möglichen Brandes auf ungewöhnliche Partikelkonzentrationen aufmerksam.

Zu den kritischsten Faktoren beim Betrieb eines Rechenzentrums gehört aber zweifellos die Energieversorgung. Drum sind die Anlagen „n+1 redundant“ ausgelegt und in einem von den Kundenanlagen abgeteilten Bereich untergebracht. Doberas: „Jedes Kabel, jedes Aggregat, das wir benötigen, ist mindestens einmal häufiger als im Normalbetrieb vorhanden.“

In München etwa bezieht das Steag Datacenter den Strom aus zwei unabhängigen Schaltwerken von den Stadtwerken. Fünf Leitungen führen von diesen Knoten zum Rechenzentrum. Im Haus teilt sich die Stromversorgung in mehrere Hauptkreise auf: Zwei für normale und vier für kritische Anwendungen. Letztere sind über mehrere gigantische Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) gepuffert, die für mindestens 15 min den Betrieb der kritischen Verbraucher gewährleisten. Überdimensioniert ist auch die Klimatechnik, die selbst bei voller Ausnutzung der Räume eine Temperatur von 22 °C (±2 °C) und eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 % (±10 %) gewährleistet. Mit 1 kW/m wird im Normalfall kalkuliert, aber auch höhere Flächenleistungen sind möglich.

In zweifacher Ausführung ist auch die Anbindung der Server an das Netz der Carrier möglich. So ist eine sichere Verbindung zwischen Kunde, seinem Serversystem, den privaten und öffentlichen Netzwerken und dem World Wide Web möglich. „Alle wesentlichen Adern unserer Infrastruktur liegen in einem Doppelboden mit 60 Zentimeter Tiefe“, erläutert Doberas.

Durch ihn werden auch die gekühlte Luft, Stromkabel und Datenleitungen zu den Verbrauchern in die Serverräume geführt. Eine Infrastrukturlösung mit doppeltem Boden also im wahrsten Sinne des Wortes.

Erschienen in Ausgabe: 05/2004