Biogas für Contracting

Technik

Biomethan - Die Getec AG hat ein Anlagenkonzept zur Aufbereitung und Einspeisung entwickelt und ist dafür ausgezeichnet worden.

29. April 2010

Anfang des Jahres erhielt ein Ingenieurteam des Contracting-Unternehmens Getec den 2. Platz beim Ingenieurpreis 2010 in Sachsen-Anhalt. Und zwar für sein Projekt der Bioraffinerie Niederndodeleben.

Das durch die Getec entwickelte und ausgeführte Anlagenkonzept hat die dezentrale Verwertung nachwachsender Rohstoffe und Koppelprodukte von Unternehmen aus der näheren Umgebung, einhergehend mit der Produktion von Biogas, zur Aufgabe. Das so erzeugte, gereinigte und konditionierte Biogas steht somit dem Gasmarkt zur Verfügung und kann in Contracting-Projekten zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt werden.

Die Bioraffinerie besteht aus den Hauptkomponenten Vergärungsanlage, Gasaufbereitung und Einspeisestation. In der Bioraffinerie wird Biomethan produziert und in das Erdgasnetz eingespeist. Sie entstand in Zusammenarbeit zwischen der Getec, der Bioraffinerie Magdeburg sowie der Agro Bördegrün.

Jährlich werden in der Vergärungsanlage etwa 20.000t Maissilage und 25.000t Zuckerrübenschnitzel vergoren. Für die Produktion des Biogases wird das Verfahren der Nassfermentation genutzt.

Um den Energie-Anteil des Rohbiogases entsprechend zu erhöhen, ist eine Reinigung des Gases notwendig. Dafür wird das Prinzip der Druckwasserwäsche verwendet (siehe Kasten unten). Eine nachgeschaltete Abgasreinigungsanlage reduziert die Methanemissionen in die Atmosphäre.

Anschließend gelangt das nun aufbereitete Gas zur Konditionierung in die Gas-Druckregel- und Messanlage (GDRM). In dieser wird das aufbereitete Biogas analysiert sowie der genaue Brennwert festgestellt. Infolge dieser Analysen stellt die Anlage unter anderem durch die genaue Zudosierung von Propan den im öffentlichen Gasnetz vorherrschenden Brennwert ein.

Der eingehende Gasdruck in die GDRM-Anlage beträgt maximal 7bar. Zwei redundant installierte Kompressoren passen den Gasdruck auf den im Erdgasnetz vorherrschenden Druck an. Weiterhin kontrolliert ein Durchflusscomputer in der Anlage kontinuierlich den Gasfluss und die Zusammensetzung des hergestellten Gases.

Drei Jahre Entwicklungszeit

Die Bioraffinerie produziert jährlich etwa 8Mio.m³ Biogas, was 44,9Mio.kWh pro Jahr entspricht. Bei einer effizienten Nutzung des Gases, etwa in einem Blockheizkraftwerk, ließen sich damit rund 13.400MWh elektrische Energie erzeugen.Zusätzlich würde eine Wärmemenge produziert, mit der rein rechnerisch etwa 600 Einfamilienhäuser beheizt werden könnten. Durch die Einspeisung von Biomethan in das Erdgastransportnetz kann das Gas dezentral in Contracting-Vorhaben der Getec verwertet werden.

Durch den ständig zur Verfügung stehenden Energieträger Biomethan ist es denkbar, Schwankungen in der Bereitstellung durch andere Erneuerbare-Energien-Technologien, wie Windkraft und Photovoltaik, auszugleichen.

Bereits vor drei Jahren wurde mit der Entwicklung dieses damals neuartigen Projektes der Gaseinspeisung begonnen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen und Grundlagen wurden erst im Laufe der Entwicklungszeit gesetzlich, beispielsweise in Form der Gasnetzzugangsverordnung, verankert. <

Gaswäsche

Das Prinzip der Druckwasserwäsche nutzt dabei aus, dass die Löslichkeit der Gase in Wasser bei erhöhtem Druck zunimmt. Die Verbindungen Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff lösen sich dabei bedeutend besser in Wasser als Methan. So wird der Methananteil von rund 52% auf 97 bis 99% erhöht.

Erschienen in Ausgabe: 04/2010