BNetzA bestätigt Reservekraftwerksbedarf

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat den Netzreservebedarf für die kommenden beiden Winterhalbjahre und für die Langfristperspektive 2019/2020 bestätigt. Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) hatten der BNetzA am 31. März ihre Systemanalyse und den daraus resultierenden Reservekraftwerksbedarf zur Bestätigung vorgelegt.

05. Mai 2015

Für alle Betrachtungszeiträume kommt die BNetzA eigenen Angaben zufolge in Übereinstimmung mit den ÜNB zu dem Ergebnis, dass sich der maximale Bedarf an Reserveleistung in den Situationen mit starker Windenergieeinspeisung und gleichzeitig hoher Nachfrage nach Strom einstellt. In der sogenannten Dunkelflaute mit niedriger oder gar keiner Einspeisung von Windenergie- und Photovoltaikanlagen bedarf es auch bei hoher Nachfrage keiner Reservekraftwerke.

In den Wintern 2015/2016 und 2016/2017 kann sich der Reservebedarf nochmals um 1.100 MW erhöhen in Abhängigkeit davon, welche Reservekraftwerke in den heute beginnenden Interessenbekundungsverfahren der ÜNB verpflichtet werden können, teilt die BNetzA mit. Durch Veränderungen in der Erzeugungsstruktur und unzureichenden Netzausbau hätten sich die Netzüberlastungen verändert. Zu den bekannten Nord-Süd-Engpässen sind Engpässe in Richtung Süd-Osten hinzugekommen. Diese könnten durch günstig gelegene Reservekraftwerke, beispielsweise in Polen, aufwandsärmer als durch Kraftwerke im Süden entlastet werden.

Für das Jahr 2015/2016 haben die ÜNB bereits in den Vorjahren Netzreserveleistung durch inländische Reservekraftwerke und Verträge mit ausländischen Kraftwerksbetreibern gesichert, so die BNetzA weiter. Bei geeigneten Angeboten im Interessenbekundungsverfahren läge der noch zu beschaffende Bedarf bei 489 MW. Im ungünstigsten Fall müsste eine Leistung von 1.388 MW beschafft werden, um den maximalen Reservebedarf von 7.800 MW zu decken.

Auch für das Jahr 2016/2017 ist Erzeugungsleistung gesichert, die von deutschen Reservekraftwerken bereitgestellt wird. Im Fall der ausreichenden Verfügbarkeit günstig gelegener Reservekraftwerke wären von den ÜNB noch 3.198 MW zu beschaffen. Im ungünstigsten Fall läge der noch offene Reservebedarf bei 4.212 MW. Dabei wurde bei der Ermittlung des Reservebedarfs für das Jahr 2016/2017 bereits davon ausgegangen, dass die sogenannte Thüringer Strombrücke wie geplant in Betrieb ist.

Für das Jahr 2019/2020 beträgt der Reservebedarf 1.600 MW. Der Rückgang des Reserveleistungsbedarfs liegt an einer auf europäischer Ebene diskutierten Einführung von Engpassmanagementverfahren zwischen dem deutschen und österreichischen Übertragungsnetz. Eine mögliche Limitierung der Stromexporte von Deutschland nach Österreich auf maximal 5,7 GW reduziert als Nebenfolge den Bedarf an Netzreserve auf 1,6 GW. Ohne die Einführung eines Engpassmanagements läge der Reservebedarf bei 6,1 GW. Sollte erkennbar werden, dass kein Engpass zwischen Deutschland und Österreich bis 2019/2020 eingeführt wird, könne die erforderliche zusätzliche Reserveleistung nachkontrahiert werden.

Von einer Trendwende hinsichtlich der Höhe der vorzuhaltenden Reserveleistung ab dem Jahr 2019/20 kann man laut BNetzA jedoch nicht sprechen: Erstens könne aktuell nicht garantieren werden, dass bis dahin ein Engpassmanagement eingeführt ist. Die Entscheidung hierüber müsse gemeinsam mit allen angrenzenden Mitgliedstaaten getroffen werden. Zweitens könne sich der Reservebedarf insbesondere dadurch wieder erhöhen, dass es zu weiteren Verzögerungen beim Netzausbau kommt.

Das Vorhalten von Kraftwerksleistung dient der Behebung von kritischen Situationen im Übertragungsnetz, die auf Grund des unzureichenden Netzausbaus entstehen. In Zeiten hoher Stromnachfrage und gleichzeitig hoher erneuerbarer Erzeugung muss das überlastete Netz durch Abschaltung preiswerter konventioneller Kraftwerke sowie von erneuerbarer Erzeugung und das gleichzeitige Hochfahren teurerer, aber netztechnisch günstiger gelegenen Anlagen stabilisiert werden. Dieser sogenannte Redispatch wird zum Teil mittels am Markt agierender Kraftwerke und in Ergänzung durch in- und ausländische Reservekraftwerke erbracht.

Kraftwerksbetreiber sind aufgerufen, bis zum 15. Mai gegenüber den ÜNB im Interessenbekundungsverfahren ihr Interesse an der Aufnahme ihrer Anlage in die Netzreserve anzumelden, teilt die BNetzA mit. Auf Grund der sich ändernden Rechtslage sei es auch für potenziell interessierte Betreiber von in Deutschland gelegenen Kraftwerken möglich und ratsam, sich an dem Interessenbekundungsverfahren zu beteiligen.