Dosierte CO2-Düngung

Motor Ein niederländisches Tomaten-Gewächshaus nutzt neben KWK die Abgase neuer Jenbacher-Motoren für höhere Ernteerträge.

07. November 2008

Das niederländische Unterglasgartenbauunternehmen Royal Pride ist der erste Kunde und Nutzer der neuen 24-Zylinder-Gasmotoren ›J624 GS‹ von Jenbacher-GE Energy. Das Unternehmen aus Middenmeer in Nordholland gehört zu den vier größten Betreibern kommerzieller Gewächshäuser in den Niederlanden. Die zwei neuen 4-MW-Aggregate, die kürzlich in Betrieb genommen wurden, sind von Jenbacher speziell für den Einsatz in Blockheizkraftwerken (BHKW) zur gleichzeitigen Nutzung von Strom und Abwärme entwickelt worden. Der erzielte Nutzungsgrad liegt bei rund 95 %.

Für den Tomatenzüchter Royal Pride sind die beiden neuen 24-Zylinder- Gasmotoren nicht die ersten Aggregate von Jenbacher, die 50 km nördlich von Amsterdam Gewächshäuser mit Wärme, Strom und CO2 versorgen. Die Weiterentwicklung auf nun 24 Zylinder wird von den Jenbacher-Experten aus mehreren Gründen als »Quantensprung in der Gasmotorentechnologie« bezeichnet. Es werden nicht nur Strom und Wärme umweltfreundlich erzeugt, sondern es wird auch das CO2 der Motorabgase als zusätzlicher Dünger für höhere Ernteerträge genutzt.

Kunstlicht fördert Aufnahme

Üblicherweise enthält die normale Umgebungsluft etwa 350 ppm CO2. Die für die Pflanzenproduktion optimalen CO2-Werte liegen jedoch normalerweise bei über 700 ppm. Daher lag es nahe, auch in Middenmeer das CO2 aus den Abgasen effektiv als Pflanzendünger zu nutzen. Ein weiterer Grund ist, dass bei künstlicher Beleuchtung, wie etwa in Gewächshäusern, die Pflanzen vermehrt CO2 aufnehmen. Die Lösung von Jenbacher zur Bereitstellung von zusätzlichem CO2 sieht folgendermaßen aus: Eine Steuereinheit überwacht während des Betriebes ständig die NOx-Emissionen aus einem Katalysator und das CO2-Niveau im Gewächshaus.

Bei Bedarf wird automatisch ein entsprechendes Signal an eine Absperrklappe gesendet, die anschließend eine genaue Dosis an einen installierten Harnstofftank zur Abspaltung von CO2 bereitstellt. Das CO2 wird dann direkt ins Gewächshaus geleitet.

Niederlande als KWK-Vorreiter

In diesem Zusammenhang weist der für die Gasmotorensparte bei GE Energy verantwortliche Marketingleiter Michael Wagner auf das verwendete Motorenmanagementsystem seines Unternehmens hin: »Ein zuverlässiger, vollautomatischer Anlagenbetrieb erfordert selbstverständlich ein optimiertes Regelungs-, Überwachungs- und Informationssystem «.

Es ist nicht mehr zu übersehen, dass die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) inzwischen ein wichtiges Werkzeug zu mehr Energieeffizienz in der Landwirtschaft ist. Besonders die Niederlande nimmt bei der Anwendung der KWK eine Vorreiterrolle in Europa ein.

Darüber freut sich auch Frank van Kleef, Direktor von Royal Pride Holland: »Der neue Motor hilft uns, unsere Wettbewerbsposition weiter zu verbessern, weil die Einführung dieser neuen Technologie den von der niederländischen Landwirtschaft vorangetriebenen Ausbau von Produktion und Qualität ihrer Produkte nachhaltig unterstützt«.

Die beiden neuen Motorenmodelle ergänzen neun bereits installierte Einheiten des 3 MW starken ›JMS 620‹. Sie bilden damit die energietechnische Basis für die bereits begonnenen Ausbauarbeiten der Gewächshaus-Anlage von 45 auf insgesamt 102 ha.

Hans-Ulrich Tschätsch

Erschienen in Ausgabe: 11/2008