Druckluft statt Kompressor

Pharmabetrieb setzt bezieht absolut ölfreie Druckluft im Contracting

Thomas Fritsche ist zufrieden: Pünktlich zum Produktionsbeginn im Januar diesen Jahres ging die neue Druckluftanlage in Betrieb. „Wir brauchen jetzt nur noch die zentralen Kugelabsperrhähne zu betätigen und erhalten die für unseren Prozessablauf erforderliche Druckluft bereitgestellt.“ Contracting macht& pos;s möglich.

06. Januar 2004

Wir kaufen unsere Druckluft in einer genau definierten Qualität zu einem vertraglich vereinbarten Festpreis“, so Thomas Fritsche, Leiter Fertigungstechnik bei der Helvoet Pharma Deutschland GmbH in Karlsbad-Ittersbach bei Karlsruhe. „Und mit Versorgungsgarantie“, fügt Fritsche hinzu. Die Garantie gibt die EnBW Energy Solutions GmbH, die nun für die Drucklufterzeugung verantwortlich ist.

Was er mit wenigen Worten beschrieben hat, nennt sich Contracting. Bei diesem branchenunabhängigen Versorgungskonzept stehen die Kompressoren und Aufbereitungsanlagen zwar immer noch auf dem Betriebsgelände des Verbrauchers. Der investiert aber weder in die Anlagen, noch kümmert er sich um Wartung und Service. Er rechnet die abgenommene Druckluft nur noch mit seinem Contracting-Partner nach verbrauchten Kubikmetern ab.

Bei Helvoet Pharma Deutschland kommt die Druckluft auch direkt mit den Produkten in Berührung, zum Beispiel bei der Zuführung der Teile in die Montagemaschinen. Die Kunden aus der Pharmaindustrie erwarten deshalb, dass die Produkte nicht mit ölhaltiger Druckluft in Berührung kommen. Zudem könnte Öl in der Druckluft zu massiven Schwierigkeiten bei der Weiterverarbeitung führen.

„Früher erzeugten wir die Druckluft mit fünf Schraubenkompressoren mit Öleinspritzkühlung, benötigen jedoch absolut ölfreie Druckluft. Deshalb mussten wir sie sehr aufwendig aufbereiten und das ölhaltige Kondensat in einem Öl-Wasser-Trenner vorschriftsmäßig in Öl und Wasser zerlegen. Zudem hatten wir an jeder Maschine Submikrofilter mit einem Abscheidegrad von 99,9999 % installiert“, erklärt Fritsche den ursprünglichen Zustand. „Das war natürlich kein Idealzustand. Wir mussten immer mit den Risiken von Öldurchbrüchen und unzureichender Wartung leben.“

Ein neues Konzept für eine absolut ölfreie Erzeugung wurde im Jahr 2000 erforderlich. Für Helvoet Pharma Deutschland ergaben sich zwei Möglichkeiten: Entweder investierte das Unternehmen selbst in eine neue Druckluft-Station oder realisierte eine Contracting-Lösung. Über die Fachpresse waren Contracting-Konzepte als gängige Alternativen bekannt. Als ein Beratungsbüro nach einem Vergleich möglicher Lösungsansätze ebenfalls diesen Weg empfahl, wurde über eine Ausschreibung als Contracting-Partner die EnBW Energy Solutions GmbH in Stuttgart ermittelt. Fritsche: „Wir schlossen einen Vertrag über zehn Jahre ab. Anstatt unser Geld in eine neue Druckluftstation mit allen Folgekosten zu investieren, bezahlen wir jetzt nur noch die tatsächlich abgenommene Druckluftmenge in absolut ölfreier Qualität. Außerdem entfällt bei uns jeglicher administrativer Aufwand für Anfragen, Angebotsvergleiche und Kaufentscheidungen. Mit anderen Worten: unsere Drucklufterzeugung können wir jetzt schlichtweg vergessen.“

Nachdem der Vertrag mit der Helvoet Pharma Deutschland GmbH geschlossen war, schrieb EnBW Energy Solutions die Anlagen der neuen Druckluftstation aus. Gefordert waren:

- absolut ölfreie Erzeugung mit wassergekühlten Kompressoren

- Spitzenleistung der Station 29,5 Nm³/min

- Drucktaupunkt der Kältetrocknung maximal +3 °C

- Fernüberwachung der Gesamtstation

Projektleiter Peter Bux von der EnBW Energy Solutions: „Die absolut ölfrei verdichtenden Kolbenkompressoren aus der R-Baureihe von CompAir überzeugten durch den mit Abstand besten Wirkungsgrad aller angebotenen Verdichter. Bei einer angenommenen Auslastung der geplanten Station von 75 % brauchten diese Verdichter etwa 15 % weniger elektrische Energie als die angebotenen ölfrei verdichtende Schraubenkompressoren vergleichbarer Leistung anderer Hersteller. Deshalb haben wir uns für das Projekt Helvoet Pharma Deutschland GmbH für zwei CompAir-Verdichter R 180 TS entschieden.“

Verdichter dieser Serie lassen sich durch ihre abschaltbare Halblast-Vollast-Steuerung energieschonend an einen schwankenden Druckluftbedarf anpassen. Die kreuzkopfgeführten Anlagen der R-Baureihe in V-Bauweise (Liefermengen 7,5 bis 18,7 m³/min, Höchstdrücke 4 bis 12 bar) verfügen über absolut ölfreie Verdichtungsräume. Die Anlagen verdichten zweistufig mit intensiver Zwischenkühlung, einer Drehzahl von nur 1.000 U/min und der niedrigen Kolbengeschwindigkeit von 3 m/s.

„Unsere Vorgaben wurden präzise eingehalten“

Bei drei kleineren Verdichtern wäre das Versorgungsrisiko bei Ausfall eines Verdichters zwar geringer gewesen als bei den bestellten zwei größeren. Für zwei Verdichter sprachen aber niedrigere Investitionen und günstige Folgekosten. Außerdem stehen für Notfälle noch immer drei Schraubenverdichter mit Öleinspritzkühlung aus der alten Station und anschließender Aufbreitung zur Verfügung. Damit ist die von EnBW Energy Solutions geforderte Menge von 29,5 m³/min immer garantiert.

Die neue Station bei Helvoet Pharma Deutschland GmbH wird über eine autarke, übergeordnete speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) gefahren, in die auch die verbliebenen Schraubenverdichter aus der alten Station eingebunden sind. Die Steuerung sammelt über Profi-Bus alle Daten und stellt die wichtigsten Parameter in der neuen Station auf einem Bildschirm dar, so dass hier immer ein Überblick über die aktuelle Situation möglich ist. Eingetretene Störungen werden sehr detailliert dargestellt. Eine zusätzliche Warnlampe weist auf eine vorliegende Störung hin. Außerdem werden alle Daten der SPS-Steuerung über ein Modem an das Integrierte Contracting-Management (ICM) von EnBW im Kraftwerk Gaißburg nahe Stuttgart weitergeleitet, wo rund um die Uhr gearbeitet wird.

„Um die Bereitstellung der Druckluft brauche ich mich jetzt nicht mehr zu kümmern“, resümiert Thomas Fritsche. „Seit Inbetriebnahme der neuen EnBW-Anlage brauchten wir auch noch nicht auf unsere alten Redundanzanlagen zurückzugreifen.“ Diesem positiven Urteil schließt sich auch Projektleiter Bux von EnBW Energy Solutions an: „Wir haben bei diesem Projekt erstmals Verdichter von CompAir eingesetzt. Unsere Vorgaben wurden präzise eingehalten.“

Erschienen in Ausgabe: 12/2003