Dynamik im Stromhandel nimmt zu

STUDIE - Der Stromhandel nimmt langsam Fahrt auf. Welche Managementsysteme sich etablieren, und wie die Betroffenen die Zukunft sehen, hat eine aktuelle Studie analysiert.

29. September 2005

Trotz diverser noch bestehender Handelshemmnisse, die sich einerseits auf technische Umstände und andererseits auf die traditionellen Strukturen der Energiewirtschaft zurückführen lassen, spiegeln steigende Handelsvolumina an den Börsen und im OTC-Handel eine zunehmende Akzeptanz des Stromhandels wider. So heißt es in der Studie ‚Stromhandel 2005’ des Trend- und Marktforschungsinstituts trend:research, bei der über 130 Experten befragt wurden.

Die aufkommende Dynamik des Marktes hängt neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die durch die anstehenden Neuwahlen einen zusätzlichen Reiz erhalten, auch von einem fortgeschrittenen Risikoverständnis der Marktteilnehmer ab, die bereits größtenteils Abstand vom Vollversorgungsvertrag genommen haben und in die strukturierte Beschaffung wechseln.

Im deutschen Stromgroßhandel sind in den letzten Jahren Zunahmen der Handelsvolumina zu verzeichnen. So lag das gesamte Handelsvolumen im Jahr 2004 bei etwa 3.000 TWh, dem Sechsfachen des Stromverbrauchs in Deutschland. Zwar wurde der Großteil im OTC(Over-the-counter)-Markt umgesetzt, doch nimmt die Bedeutung der Börse beständig zu. Insgesamt wurden an der Leipziger Strombörse EEX (European Energy Exchange) etwa 400 TWh gehandelt, hat trend:research ermittelt.

Am Spotmarkt belief sich das Handelsvolumen auf knapp 60 TWh und erreichte etwa 12 % des physischen Stromverbrauchs in Deutschland. Dieser Anteil gilt als ein wichtiger Indikator für die Liquidität im Stromhandel.

Marktliquidität fehlt

Trotz der fortgeschrittenen Marktöffnung und der Liberalisierung des Strommarktes sei der Stromhandel nicht gänzlich frei von Handelshemmnissen, heißt es in der Studie weiter. Die befragten Unternehmen bewerteten diese sehr unterschiedlich. Als größte Hindernisse des Stromhandels werden eine fehlende Marktliquidität (31 % der Nennungen) und eine unzureichende Markttransparenz (30 %) identifiziert.

Darüber hinaus werden die Durchleitungsregelung und der Netzzugang (21 %), die Übertragungskapazitäten im grenzüberschreitenden Handel (18 %) und die Regelenergiekosten (16 %) als problematisch angesehen. Generell überwiegt jedoch laut Studie die Aussage, dass die untersuchten Einflussfaktoren für die Mehrzahl der Unternehmen keine Handelshemmnisse darstellen.

Von den befragten Energieversorgungs- und Industrieunternehmen, Stromhändlern sowie Brokern geben 30 % an, ein Handelssystem für den Energie- und Stromhandel einzusetzen. Die große Anzahl an Unternehmen, die kein solches System verwenden (68 %), ergibt sich der Studie zufolge aus den Industrieunternehmen, die ihren Strom in der Regel mittels Vollversorgungsverträge beschaffen. Hier planen nur 20 % künftig ein Handelssystem einzuführen.

„Zeichen der Zeit erkannt“

Die Ergebnisse der Studie zeigen weiterhin, dass 79 % der befragten Unternehmen mit ihrem Handelssystem zufrieden sind. Nur ein geringer Teil der Befragten (3 %) bewertet das eingesetzte Handelssystem mit mangelhaft.

„Um sich nachhaltig im aktuellen Wettbewerbsmarkt behaupten zu können, stellt nicht nur das unternehmenseigene Risikomanagement, sondern auch das Portfoliomanagement eine wesentliche Voraussetzung dar“, betonen die Autoren. Diese Zeichen der Zeit seien von nicht wenigen Unternehmen erkannt und teilweise umgesetzt worden.

67 % der befragten Unternehmen betreiben laut Studie ein internes Portfoliomanagement, weitere 27 % sowohl intern als auch extern und lediglich sechs Prozent vergeben diesen Funktionsbereich an externe Dienstleister. Als Gründe für eine interne Durchführung wurden unter anderen vorhandene unternehmensinterne Kompetenzen und Kapazitäten sowie Kosteneinsparungen genannt.

Erschienen in Ausgabe: 09/2005