Effektive Kombination

KOHLE Das Kraftwerk Weisweiler ist mit zwei Vorschaltgasturbinen nachgerüstet worden. Der Wirkungsgrad steigt dadurch um rund 5 %.

08. August 2007

150 Mio. € hat RWE Power in den Bau zweier Vorschaltgasturbinen am Kraftwerksstandort Weisweiler investiert, die über eine Leistung von je 190 MW verfügen. Dadurch wird die Einsatzmöglichkeit des Kraftwerksstandorts erweitert und die Energieeffizienz der Anlage gesteigert.

Die Besonderheit: Durch die Verbindung der modernen Gasturbinen mit dem Braunkohlenkraftwerk erhöht sich die Gesamtleistung des Kraftwerks um 540 MW. Um die Effizienz im Kraftwerksbereich nachhaltig zu steigern, muss an vielen Stellschrauben gedreht werden. »Mit der Kombination von Braunkohlenblöcken und Gasturbinen haben wir einen ganz neuen Weg eingeschlagen, der sich im Testbetrieb der Anlage als sehr erfolgreich erwiesen hat. Eine Steigerung des Wirkungsgrades um fünf Prozentpunkte, wie er jetzt hier erreicht wird, ist in der Stromerzeugung ein riesiger Schritt nach vorne«, hob RWE Power Vorstand Dr. Johannes Lambertz bei der Einweihung die Bedeutung der Anlage hervor.

Mit den neuen Vorschaltgasturbinen verbessere man nachhaltig die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks und sichere so auch langfristig Arbeitsplätze. Die Anlage in Weisweiler ist jetzt in der Lage, nicht nur im Grundlastbereich Strom zu erzeugen, sondern auch in Mittel- und Spitzenlastzeiten - also immer dann, wenn schnell zusätzlicher Strom im Netz benötigt wird. Die Nachfrage nach Regelenergie gewinnt zunehmend an Bedeutung. Hier leisten die in wenigen Minuten betriebsbereiten Vorschaltgasturbinen einen wesentlichen Beitrag.

Diese sind ein Baustein des Kraftwerksinvestitionsprogramms von RWE Power. Allein in Deutschland will das Unternehmen nach eigenen Angaben bis 2012 rund 6,5 Mrd. € in neue Kraftwerke investieren. Ziel ist eine möglichst klimaverträgliche Stromerzeugung auf Kohlebasis. »Dabei wollen wir sowohl schnell als auch perspektivisch Erfolg haben«, ist sich Lambertz sicher. Mit der BoA-Technologie, die einen Wirkungsgrad von 43 % erzielt, habe man bereits heute in der Braunkohleverstromung einen Quantensprung erreicht.

Wirkungsgrade bis zu 50%

Die nächste Kraftwerksgeneration soll durch Weiterentwicklungen wie Kohletrocknung und höchste Dampfparameter Wirkungsgrade bis zu 50 % erreichen. Diese sollen ab Mitte des nächsten Jahrzehnts zur Verfügung stehen. Hierzu ist das Unternehmen in vielfältigen Forschungs- und Entwicklungsprogrammen aktiv. Zudem arbeiten die Essener am nahezu CO2-freien Kraftwerk, das 2020 Serienreife erlangt haben soll. Für 2014 ist die Inbetriebnahme der weltweit ersten Demonstrationsanlage geplant.

Derzeit werden hierzu wichtige Weichenstellungen getroffen, unter anderem auch die Entscheidungen, ob Braun- oder Steinkohle eingesetzt, welcher Vergaser verwendet und an welchem Standort die 450-MW-Demo-Anlage gebaut wird. »Von den Erkenntnissen, die mit dieser Anlage zu erzielen sind, werden auch die jetzt geplanten Neuanlagen profitieren, die für eine spätere Abtrennung und Speicherung von CO2 ausgelegt sind«, teilt RWE dazu mit.

Erschienen in Ausgabe: 08/2007