Eigenerzeugung steigt auf 63 %

BASF baut neues GuD-Kraftwerk am Standort Ludwigshafen

Der Preisanstieg des Rohöls trifft auch die BASF, unter anderem bei ihrem wichtigsten Chemierohstoff, dem Naphtha. Am Standort Ludwigshafen soll ein neues GuD-Kraftwerk die Energieversorgung effizienter machen. Die Eigenerzeugung bei Strom steigt damit von 15 auf 63 %.

28. November 2004

Parallel zum Öl hat sich Naphtha im gleichen Zeitraum um rund 30 % verteuert. „Wir dämpfen die Abhängigkeit vom Rohölpreis auf zwei Wegen: Zum einen betreiben wir ein gezieltes Hedging von Naphtha-Mengen, um uns gegen Preisschwankungen abzusichern, zum anderen hilft der interne Hydrocarbon-Hedge durch die eigenen Öl- und Gasaktivitäten“, betonte BASFVorstand Dr. Stefan Marcinowski kürzlich während einer Pressekonferenz. Um Energie zu sparen, setzt BASF auf das Verbundkonzept, das Produktion und Energiebedarf auf intelligente Weise miteinander verknüpft. 2003 hat das Unternehmen den weltweiten Dampfbedarf von 52,8 Mio. t bereits zu 48 % aus Prozeßabwärme gedeckt. Für die Strom- und Dampferzeugung wurden 23,1 Mio. MWh an fossilen Energieträgern und Ersatzbrennstoffen benötigt. Das entspricht knapp 2 Mio. t Rohöl. Ohne Verbund hätte der Konzern gruppenweit rund 3,4 Mio. t Erdöläquivalente benötigt. Energie hat auch eine enorme Bedeutung für den Standort Ludwigshafen: 250 Produktionseinheiten auf dem 7,11 km2 großen Gelände müssen Tag und Nacht versorgt werden. Mit dem im letzten Jahr eingesetzten Strom von zuletzt 6,2 Mio. MWh könnten zwei Millionen Haushalte versorgt werden. Vom neuen GuD-Kraftwerk verspricht sich BASF eine noch effizientere Energieversorgung. Man entschied sich für eine Gasturbine aus der Herstellerserie von Siemens, die in ihrer Leistung reduziert wurde und so um knapp 40 % längere Produktionszyklen zwischen den Wartungsintervallen ermögliche. Nach Überzeugung der BASF-Experten ist das wirtschaftlicher als der Einsatz von „Neuentwicklungen mit Wirkungsgradverbesserungen um wenige Zehntelpunkte, die die Bewährungsprobe noch bestehen müssen“. Mit dem neuen Kraftwerk wird bei nahezu gleicher Dampfversorgung eine höhere Stromproduktion möglich. Die Eigenerzeugung beim Strom steigt damit am Standort sprunghaft von 15 auf 63 %. Die Anlage ist für 650 t Prozeßdampf pro Stunde und für 450 MW elektrische Leistung ausgelegt. Hauptunterschied zum konventionellen Kraftwerk sind die wesentlich höheren Temperaturen, mit bis zu 1.180 °C. Dazu ist die Brennkammer mit keramischem Werkstoff ausgekleidet und ähnelt den Hitzeschildkacheln der NASA-Space-Shuttles. Auch die Turbinenschaufeln sind ein High-Tech-Produkt. Sie sind mit einer keramischen Beschichtung versehen und verfügen über eine Filmkühlung, die die Oberflächentemperatur auf rund 800 °C begrenzt. Die Hohlschaufeln besitzen ausgeklügelte Bohrungen, durch die Kühlluft austritt und sich als schützender Film auf die Oberfläche legt.

Erschienen in Ausgabe: 12/2004