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Webshops - Das Angebot von Energiesparprodukten auf der eigenen Webseite kann EVU viele Möglichkeiten bieten. Wichtig ist aber die Integration in die Kommunikationsstrategie

01. Oktober 2012

>Im Wettbewerb um den Verbraucher stehen Energieversorger vor der Herausforderung, sich vom reinen Energielieferanten zum Service-Anbieter zu entwickeln. Neben Energieberatung und Contracting-Angeboten sowie Kooperationen mit dem örtlichen Handwerk kann auch ein eigener Webshop mit Energiesparprodukten eine Rolle dabei spielen.

»Potenziellen Kunden auch online ein wechselndes Angebot zu bieten, sich mit diesen über Opt-ins in einen Dialog zu begeben und sich in neuen Geschäftsfeldern wie Energieeffizienz zu betätigen, wird für EVU immer wichtiger«, sagt Sebastian Kotzwander, Geschäftführer von Grünspar. »Nicht zuletzt profitiert auch das Image von einer solchen Maßnahme – speziell wenn auch regionale Händler ihre Produkte auf der Online-Plattform anbieten dürfen.« Das Unternehmen betreibt als Software-as-a-Service mehr als 40 White-Label-Shops für Energieversorger.

Strategische Integration

»Auf Basis eines voll funktionsfähigen Onlineshops lassen sich unterschiedlichste Arten von Kampagnen realisieren, ohne dass das EVU sich um die Komplexität des Betreibens kümmern muss. Neben zahlreichen Möglichkeiten zur Kundenbindung und -gewinnung können an vielen Stellen Kosten gesenkt und durch Produktverkäufe zusätzliche Margen generiert werden«, nennt Kotzwander Vorteile.

Wichtig sei allerdings, das Shop-Angebot in die Kommunikationsstrategie zu integrieren, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Unter anderem stelle das Bundling aus Stromtarifen plus Energiesparprodukt eine wesentliche Stellschraube bei der Kundengewinnung dar. Ein weiterer Punkt, den er anspricht: Im Rahmen einer Gutscheinaktion werden häufig derart positive Emotionen geschaffen, dass der Endkunde sein Einverständnis gibt, auch längerfristig vom EVU über interessante Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten zu werden.«

Seit 2009 arbeitet das Unternehmen mit den ersten Energieversorgern zusammen, um für diese eigene Onlineshops in deren Design bereitzustellen und zu betreiben. Auch Anpassungen der Benutzeroberfläche sind möglich. Die gesamte Logistik, das heißt Einkauf, Lagerung, Versand und Abrechnung der Produkte und die Kundenberatung, übernimmt das Unternehmen.

Letztlich seien die Herausforderungen für das EVU überschaubar, da sowohl der Aufbau als auch der Betrieb der Plattform übernommen werden und diese im Anschluss als Instrument vom EVU genutzt werden könne, so Kotzwander. »Möchte das EVU eine Kampagne nach der anderen fahren und den Shop vollwertig in die Kommunikationsstrategie integrieren, so werden von uns die entsprechenden Bausteine dazu geliefert. Möchte das EVU jedoch zunächst nur einen Shop haben und sich langsam an das Thema herantasten, so ist das auch in Ordnung.«

Einspartipps und Themenwelten

Der Energieversorger kann dabei das gesamte Produktportfolio von gruenspar.de übernehmen und bekommt eine Umsatzprovision für die Produktverkäufe, sodass der Onlineshop als kostenneutrales Marketing und Vertriebstool dienen kann. So kauft ein Kunde durchschnittlich für 75€ im Shop ein, rechnet Kotzwander vor. Bei der kleinsten Staffel der Umsatzbeteiligung, die ein EVU an jeder Bestellung erhalte, sind das 7,50€ je Kunde im Shop.

»Wenn man bedenkt, dass eine Großzahl der EVU Endkunden im sechsstelligen Bereich besitzt, so wird schnell deutlich, welche Einnahmepotenziale ein solcher Shop aufweist.« Die wesentliche Rolle spiele dabei, wie der Versorger auf das Shop-Angebot hinweist und ob er etwa aus dem eigenen Kunden-Bereich auf das ›Produkt des Monats‹ verlinkt oder eine Gutschein-Kampagne lanciert.

Optimierungsbedarf sieht Kotzwander noch bei der Geschwindigkeit der Umsetzung eines Shops, die inklusive Erstellung und Abnahme des Designs derzeit häufig noch sechs Wochen in Anspruch nimmt. Auch die Usability und Performance des Shops sind ein ständiges Thema: »Wir haben aktuell schon eine zweistellige Anzahl an Ausbaumodulen mit fertigem Konzept, kommen aber aufgrund der starken Nachfrage kaum dazu, diese weiterzuentwickeln.«

Über 700 Produkte zum Thema Energiesparen hat Grünspar im Angebot. Neben Energiesparlampen werden weitere Produktkategorien wie weiße Ware ausgebaut. Zudem finden sich nützliche Informationen wie Energiespartipps und Themenwelten zu Wasser und Strom. »Auch Tools für das spielerische Heranführen an das Energiesparen ergänzen das Angebot des Shops und werden fortwährend ausgebaut.«

Gerade bei neuen Technologien wie Smart Metering und Smart Home seien Energiespartipps sinnvoll, um das volle Einsparpotenzial auszuschöpfen, ergänzt Thomas Goette, CEO von Greenpocket, ein Anbieter von Smart-Home-Softwarelösungen.

Die beiden Unternehmen sind vor Kurzem eine Kooperation eingegangen und wollen in einem ersten Schritt eine All-in-One-Lösung anbieten, die E-Commerce und Smart Home miteinander verbindet.

Alles aus einer Hand

Wichtig sei dabei eine personalisierte Kundenansprache, führt Goette aus: »Der Kunde will hier schnell und einfach aufgezeigt bekommen, welche Erweiterungskomponenten für ihn interessant sein könnten, und diese dann mit wenigen Klicks erwerben können.«

Kern der Lösung ist ein Onlineshop von Grünspar, den der Energieversorger modular in das Smart-Home-Portal von GreenPocket integrieren kann. Für Goette, liegen die Vorteile einer solchen Lösung auf der Hand: »Über den Onlineshop kann der Kunde sein Smart Home durch eine große Auswahl an Hardware-Komponenten, wie etwa Aktoren und Sensoren, gezielt ergänzen.«

Ein gutes Komplettangebot spreche zudem für den Energieversorger. »Kunden schrecken eher davor zurück, wenn sie ein Do-it-yourself-Produkt bei verschiedenen Anbietern anfordern müssen. Mit Hilfe eines Onlineshops kann der Energieversorger, wie im Falle des Smart Home, über neue Produktpakete informieren und diese gezielt vertreiben.« Der Verbraucher fühle sich gut beraten und bekomme von der benötigen Software, über die Hardware bis hin zum passenden Tarif alles aus einer Hand.

Erschienen in Ausgabe: 08/2012