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...Politisches Umdenken nach Fukushima – Vorrang für KWK?

»KWK ist der Joker als Puffertechnik für schwankende Stromeinspeisung.«

06. April 2011

Politisches Umdenken nach Fukushima ist nötig. Das hat uns die Atomkatastrophe in Japan aktuell leider schmerzlich vor Augen geführt. Doch nicht nur die Risiken der Atomtechnologie sind der Grund für unsere Forderung nach dem Ausstieg aus der Kernenergie. In der Tat haben wir bereits 2010 vor einer Verzerrung und Diskriminierung des Wettbewerbs in der Erzeugung durch die Laufzeitverlängerung gewarnt, und alle Experten auf kartellrechtlichem Gebiet haben unsere Auffassung durch eigene Argumentationen gestützt.

Die Laufzeitverlängerung ist entbehrlich, wenn erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Kopplung wie geplant ausgebaut werden. Das sah das ursprüngliche Ausstiegsszenario vor.

Daran wollen wir festhalten. Dabei gilt der KWK vorrangige Aufmerksamkeit. Sie ist nicht das einzige, wohl aber das pragmatischste und preisgünstigste Instrument für den schnelleren Weg zu einer modernen Energieversorgung. KWK ist bei entsprechender Auslegung der Joker als Puffertechnik für schwankende Stromeinspeisung. Wärmenetze und -speicher garantieren bei flexibler Fahrweise der KWK-Anlage die nötige Flexibilität – und zwar zu Speicherkosten, die um Dimensionen unter anderen Technologien liegen.

Das alles erfordert keine Geheimwissenschaft. Nötig für eine beschleunigte Modernisierung der Energieversorgung sind vernünftige und maßvolle Rahmenbedingungen: Das KWK-Gesetz muss bis 2025 verlängert und ausgeweitet werden, damit das Ziel von mindestens 25 Prozent KWK-Strom erreicht werden kann. Die Wärmenetzausbauförderung muss entbürokratisiert werden. Eine zusätzliche Förderung von Wärmespeichern erhöht die Flexibilität von KWK in Zeiten schwankender Windstromeinspeisung. Wie das geht, machen die Dänen uns vor.

Und ganz wichtig: Der Einspeisevorrang, der dem KWK-Strom bereits heute aus guten Gründen in gleicher Weise gesetzlich zugestanden wird wie den Erneuerbaren, muss durchgesetzt werden. Das Abschalten von KWK-Anlagen in Zeiten hoher Windstromeinspeisung durch den Transportnetzbetreiber darf künftig nicht mehr entschädigungslos geschehen, wenn gleichzeitig unflexible Braunkohle- und Kernkraftwerke am Netz bleiben. Vorrang – und zwar auf Dauer – gilt der KWK.

Erschienen in Ausgabe: 03/2011