Allgäu speichert im Quartier

In Kempten ist im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes Elsa ein Quartierspeicher aus gebrauchten Elektrofahrzeugbatterien in Betrieb genommen worden. Parallel dazu setzt das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) in dem Wohngebiet das erste Mieterstromprojekt im Allgäu um.

20. September 2017

Elsa steht für Energy Local Storage Advanced System und somit für dezentrale Energiespeichersysteme für kleine und mittlere Batteriespeicher. Das Projekt befasst sich mit Nutzungsmöglichkeiten von stationären Batteriespeichern in Wohnarealen, Bürogebäuden und Industriekomplexen, wie das AÜW weiter mitteilt.

Im Allgäu werden dabei Einsatzbereiche und Möglichkeiten von Quartierspeichern analysiert, getestet und bewertet sowie Geschäftsmodelle für Energieversorger ausgearbeitet.

Übergeordnete Regelung für Batteriesysteme

Den Batteriespeicher aus gebrauchten Elektrofahrzeugbatterien haben die Projektpartner AÜW, Sozialbau und Egrid im Frühjahr in Kempten ›Auf dem Bühl‹ in Betrieb genommen. Installiert wurde er in einer Trafostation von AÜW, die wiederum mehrere Wohnblöcke  mit Strom versorgt.

Die gebrauchten Batterien stammen im Falle von Kempten aus dem Fahrzeug Kangoo Z.E von Renault. Die einzelnen Batteriesysteme haben eine lokale Regelung, werden aber außerdem durch ein übergeordnetes Regelsystem gemeinsam gesteuert.

In Kempten sind sechs Module installiert. Das Gesamtsystem hat eine Mindestkapazität von 96 kWh. Die Entladeleistung der Batterie beträgt 72 kW und die Ladeleistung 18 kW.

Mieterstromprojekt ohne Förderung

„Zusätzlich haben wir, gemeinsam mit der Sozialbau Kempten, auf drei Wohnhäusern im Areal eine PV Anlage installiert“, so  Christian Ziegler, Projektleiter bei AÜW, am ersten Tag der offenen Tür im September.

„Die dort erzeugte Energie nutzen in erster Linie die Bewohner der Häuser, auf denen die Anlage installiert wurde. Der überschüssige Strom, der nicht direkt verbraucht wird und normalerweise in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird, nutzen wir zum Aufladen des Batteriespeichers im Areal, um diesen bedarfsgerecht zu nutzen.“

Die Projektpartner gaben Anwohnern, Vertretern der Kommunalpolitik und Interessierten am Tag der offenen Tür Einblicke in das Projekt Elsa.  Michael Lucke, Geschäftsführer von AÜW, machte deutlich, dass der Eigenverbrauch lokal erzeugter, regenerativer Energie durch die Kombination des Quartierspeichers mit den PV Anlagen auf den Dächern der Wohnhäuser und einer intelligenten Steuerung in diesem Stadtteil deutlich erhöht werden konnte.

„Als AÜW mit der Idee der ersten Mieterstromanlage im Allgäu auf uns zukam, mussten wir nicht lange überlegen und unterstützen die Umsetzung der PV-Anlage. Auf Grund der Erkenntnisse der ersten Monate, prüfen wir derzeit aktiv weitere Objekte, bei denen künftig Mieterstromanlagen realisiert werden können“, so Martin Langenmaier, Prokurist Sozialbau Kempten.

Drei PV Anlagen mit einer Gesamtleistung von 37,1 kWp hat der Energieversorger auf den Häusern errichtet, ohne Fördermittel der EU. Teilnehmen können alle Mieter der drei Häuser, die Kunden von AÜW sind.

13 von 21 Mietern nehmen laut dem Versorger am Modell teil sowie der Allgemeinstrom für Flur, Keller, Heizung et cetera. Die Sozialbau nimmt selber teil und bezieht den Allgemeinstrom über das Modell.

Bilanziell gesehen werden die Mieterstromkunden zu über 100 Prozent aus der PV Anlage versorgt, alle 21 Bewohner des Hauses zu rund 90 Prozent, bezogen auf den Betrachtungszeitraum 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017.

Fakten zu Elsa

Gestartet ist das europäische Forschungsprojekt  im April 2015 mit einer Laufzeit von drei Jahren. Das Gesamtbudget liegt bei rund 13 Millionen Euro, so AÜW.

Der Allgäuer Energieversorger und Egrid bauen in einem Konsortium von zehn Firmen aus fünf europäischen Staaten ein verteiltes Batteriespeichersystem auf - an sechs Standorten, zwei davon in Deutschland. Bis dato wurde untersucht, welche unterschiedlichen Regularien es für den Betrieb von Batteriespeichern in den einzelnen Ländern gibt.

Simulationen und reale Tests an allen sechs Standorten sollen zeigen, dass eine Kombination von verschiedenen Nutzungen möglich ist. Durch diese Mischnutzung soll ein möglichst hoher Ertrag erzielt werden, um aufzuzeigen, wie schnell das Batteriesystem in die Wirtschaftlichkeit gebracht werden kann.

In Elsa soll zudem gezeigt werden, dass gebrauchte Elektrofahrzeugbatterien für den Aufbau von stationären Energiespeichern verwendet werden können, ohne dass das Modul geöffnet wird. Somit soll möglichst wenig Aufwand mit den gebrauchten Modulen entstehen, was sich wiederum kostengünstig für das Gesamtsystem auswirkt, teilt der Energieversorger mit.