Ansteckende Dynamik

Erdgas Ende 2008 kommt das weltweit erste Erdgasauto mit Turbomotor auf den Markt. Mit Hochdruck wird an Strukturtanks mit bis zu 35 % mehr Tankvolumen gearbeitet.

08. April 2008

Wirtschaftlich und umweltschonend – damit punkten Erdgasfahrzeuge seit es sie gibt. Die Fahrdynamik ließ jedoch bei manchem Modell zu Wünschen übrig. Ähnlich wie die Entwicklung des TDI-Motors, der den einst behäbigen Dieselantrieb in Schwung brachte, vollzieht sich nun mit den Erdgas-Turbomotoren ein Quantensprung. Der neue VW Passat TSI Eco- Fuel, der Ende des Jahres in den Handel kommt, hat ein sehr hohes Drehmoment von 220 Newtonmetern, das über einen weiten Drehzahlbereich von 1.850 bis 4.500 U/Min zur Verfügung steht. Durch das Downsizing und die doppelte Aufladung des starken 110 kW/150 PSTSI- CNG-Motors wird der Kraftstoffverbrauch des Erdgas- Passat bei etwa 5 kg Erdgas auf 100 km liegen. Das ermöglicht einen CO2-Ausstoß von weniger als 140 g je km. Mit den durchzugsstarken und kraftstoffsparenden Motoren könnten künftig auch die Erdgasvarianten des VW Touran und des VW Caddy ausgestattet werden. Opel entwickelt einen Turbomotor, der den Zafira 1.6 CNG in Schwung bringen soll.

Fiat und Audi liegen Konzepte für Erdgas-Turbomotoren vor. Mercedes- Benz bietet ab Juni mit dem bivalenten B 170 NGT ein Erdgasmodell in der B-Klasse an. Bei den Nutzfahrzeugen mit Erdgasantrieb gibt es ebenfalls Zuwachs. So kommt in diesem Frühjahr der Fiat Doblò Cargo Maxi Natural Power auf den Markt. Ein wichtiges Forschungsgebiet sind die Tanksysteme der Fahrzeuggenerationen. Eine langfristige Perspektive bieten die sogenannten Stahl-Strukurtanks, die bei gleichem Platzbedarf etwa 35 % mehr nutzbares Tankvolumen haben als zylindrische Flaschen. Die Grundlagen zum Einsatz von Strukturtanks in Erdgasfahrzeugen entwickeln derzeit gemeinsam Opel, E.on Ruhrgas und die Paderborner Benteler AG. »Neben dem höheren Speichervolumen bieten diese Tanks den Vorteil, dass nur halb so viele Tankventile nötig sind«, so Klaus Hablik, Leiter Marketing und Projektmanagement der Opel Special Vehicles GmbH. Ungelöst sei jedoch das hohe Tankgewicht. Wann eine prozesssichere Fertigungstechnik bestehen wird, steht noch nicht fest. Grund dafür sei die noch ausstehende Typprüfregulierung.

Mit Alternativen zu den bisherigen Fahrzeugtanks beschäftigt sich auch das Institut für Fahrzeugkonzepte in Stuttgart (FK). In einem vom Land Baden- Württemberg geförderten Projekt erproben die Wissenschaftler die Tauglichkeit von Tanks aus kurzfaserverstärktem Thermoplast mit integrierter Endlosverstärkung anhand eines wabenförmigen Neun-Zellen-Gasspeichers. Institutsleiter Professor Horst E. Friedrich nennt die Konzeptvorteile. »Es ergibt sich ein geringerer Platzbedarf bei gleichem Gasvolumen, im Vergleich zu konventionellen zylindrischen Tanks, da sich die wabenförmigen Tanks besser an den Bauraum anpassen. Auch werden geringere Herstellungskosten im Vergleich zu CFK-Tanks prognostiziert.« Jedoch dämpft der FK-Leiter die Erwartungen auf eine rasche Markteinführung: »Mit Vorserienentwicklungen ist frühestens in vier Jahren zu rechnen.«

Der Chemiekonzern BASF entwickelt derzeit ein nanotechnisches Produkt zur effizienteren Erdgasspeicherung in Fahrzeugtanks. 2007 testete der Extremfahrer Rainer Zietlow den Stoff namens ›Basostor‹ auf der zehnwöchigen EcoFuel Asia Tour von Berlin nach Bangkok. Das Ergebnis war eine um 20 % erhöhte Reichweite seines VW Caddy EcoFuel. Wie das Material die knapp 32.000 km lange Tour verkraftet hat, steht nach BASF-Angaben aber noch nicht fest.

Die Dynamik im Fahrzeugbereich soll auch den Tankstellenausbau beflügeln. Mehr Tankkomfort heißt daher die Devise von E.on Ruhrgas, die an den Autobahnen durch ihre Tochter E.on Gas Mobil bis zu 150 neue Erdgaszapfsäulen errichten will. Um das Ziel von bundesweit 1.000 Erdgastankstellen zu erreichen, investieren Gasversorger in den nächsten Jahren rund 50 Mio. €.

Erschienen in Ausgabe: 04/2008