"Anzahl der Ausfälle steigt"

Internationale PwC-Studie zeigt globale Trends der Stromindustrie auf

Für 65 % der Versorger steht die Sicherheit der Stromversorgung an erster Stelle. Im Vorjahr rangierte das Thema noch auf dem vierten Platz. In Europa rechnen 91 % der Versorger künftig mit regelmäßigen Ausfällen. Verstärkt wird diese Sorge durch den wachsenden globalen Energiebedarf, der umfangreiche Investitionen erfordert.

24. August 2004

Nach den großen Stromausfällen von New York, London und Mailand im vergangenen Jahr ist die Furcht vor Betriebsstörungen bei den Energieunternehmen in aller Welt gestiegen. Dies ist eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie Supply Essentials: Utilities Global Survey 2004, die PricewaterhouseCoopers kürzlich vorstellte. In dieser bereits zum sechsten Mal durchgeführten jährlichen Studie, interviewte PwC dieses Mal 178 Führungskräfte von Energieversorgern in aller Welt.

Bei der Bewertung der Gründe für die Stromausfälle ergibt sich bei den Befragten ein differenziertes Bild: So wird in den USA als Hauptgrund menschliches Versagen angeführt. An zweiter Stelle folgen die fehlenden Investitionen. Die europäischen Energieversorger führen dagegen fehlende Investitionen in bestehende und neue Leitungsnetze sowie unzureichende Erzeugungskapazitäten als Hauptgründe für die Störungen an. Sie rechnen damit, dass mit der wachsenden Nachfrage und zunehmendem Wettbewerb die Zahl der Stromausfälle steigt.

Etwa ein Zehntel der europäischen Energieversorger rechnet mit einem starken Anstieg, und nahezu die Hälfte sagen eine leichte Zunahme voraus. Nach einer Untersuchung der International Energy Agency wird der globale Energiebedarf bis zum Jahr 2030 um zwei Drittel zunehmen. Dies erfordert Infrastruktur-Investitionen von schätzungsweise zehn Billionen US-Dollar.

Nachdem Unbundling zu mehr Wettbewerb und damit einhergehend zu niedrigeren Preisen für die Kunden geführt hat, sind neben den Energieunternehmen nun auch die Aufsichtsbehörden gefordert, Schritte einzuleiten, die weitere Stromausfälle verhindern. „Wenn Stromausfälle in der Zukunft nicht zur Gewohnheit werden sollen, dann sind größere langfristige Investitionen unumgänglich“, bestätigt Manfred Wiegand, Leiter des Bereiches Global Utilities bei PricewaterhouseCoopers.

Die wachsende Bedeutung der Schadstoffreduzierung bei der Stromerzeugung führt nach Einschätzung der Befragten zu einer Veränderung im Energie-Mix: So wird die schadstoffhaltige Energieerzeugung durch Kohle zukünftig abnehmen, da das Umrüsten auf eine umweltfreundliche Technologie sehr kapitalintensiv ist. Werden Kraftwerke in Europa heute noch zu 31 % mit Kohle und zu 27 % mit Gas betrieben, so wird der Anteil von Gas laut der Befragung in zehn Jahren auf 31 % ansteigen und der Kohle-Anteil auf 24 % sinken.

Erschienen in Ausgabe: 09/2004