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E-Learning - Die Fraunhofer Academy hat gemeinsam mit Partnern den internationalen Studiengang ›Online M.Sc. Wind Energy Systems‹ entwickelt.

28. September 2015

Windkraft ist aktuell die wichtigste erneuerbare Energiequelle in Deutschland. Dies zeigt eine Studie des Fraunhofer IWES. Damit die Windkraftbranche weiter wachsen kann, werden Fachkräfte benötigt, die sich sowohl in der Elektrotechnik, der Mechanik, der Strömungsmechanik als auch mit den physikalischen Eigenschaften von Wind auskennen.

7.000 Fachkräfte fehlen

Aktuell fehlen auf dem europäischen Arbeitsmarkt jedoch etwa 7.000 dieser Fachkräfte. Eine Zahl, die sich bis 2030 laut der European Wind Energy Association EWEA versiebenfachen wird. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und aktuelles Forschungswissen in diese relativ neue Branche zu bringen, hat die Fraunhofer Academy gemeinsam mit dem Fraunhofer IWES und der Universität Kassel den neuen, internationalen Studiengang ›Online M.Sc. Wind Energy Systems‹ entwickelt. Dieser ermöglicht Fachkräften und Quereinsteigern aus allen Branchen, die im Zusammenhang mit der Windenergie stehen, ihr Wissen rund um das Thema Windkraftanlagen auszubauen.

Der Studiengang bietet insgesamt 28 Module, aus denen die Studierenden 17 auswählen. Der fünf bis sieben Semester umfassende Studiengang beginnt mit den obligatorischen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen von Windkraftanlagen. Danach können sich die Studierenden zwischen zwei Vertiefungsrichtungen entscheiden. Entweder sie spezialisieren sich auf die Entwicklung einer Komponente einer Windenergieanlage wie Rotorblatt, Tragstruktur oder Gondel und damit auf die Konstruktion von Windkraftanlagen in der Vertiefung Strukturtechnologie; oder sie entscheiden sich für die Vertiefung Energiesystemtechnik. Darin lernen die Teilnehmenden zum Beispiel, wie die Energie der Windparks besonders effizient in das Versorgungsnetz eingespeist werden kann.

Eine Auswahl additiver Schlüsselkompetenzen wie etwa kaufmännische Betriebswirtschaft für Windkraftanlagen und Windparks, Energierecht, Planung und Errichtung von Windkraftanlagen sowie Arbeitssicherheit On-und Offshore ermöglicht den Teilnehmenden auch fächerübergreifende Kompetenzen zu entwickeln.

Masterarbeit

Die Masterarbeit am Ende des Studiums kann an der Universität Kassel, am Fraunhofer IWES oder in einem Unternehmen aus der Windenergiebranche geschrieben werden.

Okan Sargin ist Windgutachter bei der Energieberatungsfirma Sgurr Energy. Als ausgebildeter Maschinenbauer gelangte er über diverse Projekte in die Windbranche, in der er nun schon seit sieben Jahren arbeitet. In der Pilotphase des Studiengangs hat er bereits einige Module getestet und wird jetzt im Oktober mit dem regulären Studium beginnen.

»Ich möchte mein aus dem Berufsalltag stammendes Wissen vertiefen und mir darüber hinaus neue Bereiche der Windenergie erschließen«, so Sargin. »Neben Grundlagenmodulen habe ich auch das Modul Windenergiemeteorologie belegt und war erstaunt darüber, dass man anhand von meteorologischen Daten mit den künstlichen neuronalen Netzwerken so präzise vortägliche Prognosen über die Windenergieproduktion machen kann. Das war mir bis dato neu«.

Nah an der Praxis

Fabian Sondermann, der bereits Wirtschaftsingenieurwesen studierte und das Pilotmodul »Planning and Construction of Windfarms« belegte, ist vor allem von der Praxisnähe des Studiengangs begeistert. »Nachdem wir die theoretischen Grundlagen und Berechnungen durchgenommen hatten, mussten wir einen fiktiven Windpark bauen. Das ist schon eine Herausforderung. Schließlich muss man den Standort richtig bewerten, Untersuchungen von Umwelteinflüssen in Betracht ziehen, Abläufe auf der Baustelle berücksichtigen, Bauteile richtig lagern und darf dabei die Wirtschaftlichkeit des Windparks nicht außer Acht lassen«, berichtet Sondermann von seinen Erfahrungen als Student.

Bewährt hat sich während der Pilotphase auch die enge Betreuung der Teilnehmenden durch die Dozentinnen und Dozenten, die in jedem Modul als Tutor zur Verfügung stehen. So können die Studierenden ihre Erfahrungen und Problemstellungen aus dem Berufsalltag mit den Lehrenden diskutieren und neue Lösungsansätze entwickeln.

Virtueller Seminarraum

Der Austausch der Studierenden untereinander erfolgt über den virtuellen Seminarraum Adobe Connect und die digitale Lernplattform Moodle, die darüber hinaus Übungsaufgaben, Projektaufgaben und Skripte enthält. Es müssen keine bestimmte Scheine oder bestandene Klausuren vorliegen, um den Onlinestudiengang zu belegen. Vor dem Studium benötigt der Bewerber laut Fraunhofer Academy nur ein Bachelorzeugnis mit 180 Credits im ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Bereich, ein Englisch Sprachnachweis Niveau B 2 sowie einen Nachweis einer zwölfmonatigen Berufserfahrung.

Wissenstransfer

Die Fraunhofer Academy bündelt nach eigenen Angaben die Weiterbildungsangebote der Fraunhofer-Gesellschaft unter einem Dach. Neueste Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung fließen unmittelbar in die Lehrinhalte ein. Dies garantiert einen einzigartigen Wissenstransfer aus der Fraunhofer-Forschung in die Unternehmen. Die Teilnahme an dem Studiengang kostet 14.000 €.

Erschienen in Ausgabe: 08/2015