Auf auf, zu mehr Ertrag

Titelstory

PV-Anlagencheck - Produktionsmängel, Handling- oder Installationsfehler sowie mangelhafte Wartung im Betrieb können Ursachen für geringere Erträge einer Photovoltaikanlage sein sei es auf dem Hausdach oder bei Großanlagen. Anlagen könnten mehr Strom erzeugen als sie derzeit produzieren. Ein Qualitätscheck kann hier helfen, indem er Mängel und eine gegebenenfalls nötige Wartung aufzeigt.

31. August 2015

Deutschland ist Solarland. In der gesamten Bundesrepublik sind bereits mehr als 1,5 Millionen Photovoltaikanlagen installiert. Den jährlich geplanten 2,4 bis 2,6GW neuer Photovoltaik in Deutschland stehen 2015 inzwischen über 38GW bestehende PV-Leistung gegenüber. Entspannt zurücklehnen können sich vor allem die Betreiber, die regelmäßig ihre Anlage durchchecken. Denn nur, wenn bei der Montage alles reibungslos lief, keine Materialien abgenutzt, von keiner Schmutzschicht bedeckt oder vom Baumbestand verschattet sind, kann die Anlage reibungsfrei laufen. Schließlich bedeutet eine ineffiziente Anlage sinkende Ertragswerte und damit einen finanziellen Verlust.

Bei Großanlagen können Ertragsausfälle gar die Rentabilität der Projekte gefährden: »Wird bei einer 200-Megawatt-Anlage beispielsweise nur ein Prozent weniger Leistung erreicht, so kann sich dieser Verlust in 20 Jahren auf rund sieben Millionen Euro summieren«, sagt Willli Vaaßen, Geschäftsfeldleiter Solarenergie beim TÜV Rheinland. »Hier besteht ein ernst zu nehmendes finanzielles Risiko für jeden Investor.« In seinem Qualitätsmonitor Solar 2015 stellt der Prüfdienstleister fest, dass sich die Ursachen für solche Ertragsausfälle oft schon in der Planung finden, aber auch durch Einbau qualitativ schlechter Komponenten und bei der Installation. Die Experten haben dazu die statistischen Daten aus der Prüfung von weit über 100 Photovoltaikkraftwerken mit einer installierten Leistung im Bereich von 100kWp bis 30MWp ausgewertet. Das Ergebnis: Jede dritte Anlage wies Defekte und Leistungsdefizite auf. Bei über 50% der Anlagen waren dabei Installationsfehler die Ursache, bei weiteren 25% Planungs- und Dokumentationsfehler.

Solarstrom für 100.ooo Haushalte mehr

Bei den Leistungseinbußen spielt laut TÜV unter anderem auch die sogenannte potenzialinduzierte Degradation (PID) eine wichtige Rolle. Hierunter versteht man die Abnahme der Modulleistung in Anlagen mit hohen Betriebsspannungen bei gleichzeitig den Effekt begünstigenden klimatischen Bedingungen. Dies kann zu hohen Leistungseinbußen führen. Durch entsprechende Produktauswahl oder technische Gegenmaßnahmen kann man diesem Phänomen entgegenwirken, so die Prüfer. Ein weitere wichtige Rolle für einen stabilen Ertrag kann, abhängig von der Lage und den entsprechenden Umwelteinflüssen, eine regelmäßige Reinigung der Anlage spielen.

Und wie schaut es speziell bei Aufdachanlagen aus? »Die Qualität von Photovoltaikanlagen auf deutschen Dächern ist im internationalen Vergleich zwar relativ hoch«, sagt Manfred Bächler, Geschäftsführer von Reniva und Pervorm, der seit vielen Jahren die Solar-Branche in Deutschland beobachtet und vorantreibt. »Dennoch weist vermutlich jede zweite Anlage kleinere oder größere bauliche oder sicherheitstechnische Mängel auf. Zahlreiche Anlagen könnten sogar mehr Strom erzeugen, als sie aktuell produzieren.« Denn in den vergangenen Boomjahren wurden Hunderte von Anlagen mitunter übereilt montiert, um den jeweils zu einem Fixtag sinkenden Einspeisevergütungen zuvorzukommen. »Leider ist davon auszugehen, dass die Installation nicht immer den höchsten Qualitätsanforderungen entsprochen hat«, so Bächler.

Ein Qualitätscheck kann hier Mängel und gegebenenfalls nötige Wartungen aufzeigen. »Wenn man nur ein Prozent aller in Deutschland verfügbaren Anlagen im Ertrag verbessern könnte, würde man 100.000 Haushalte mehr mit diesem Solarstrom beliefern können«, ist sich Frank Gola, Leiter Solarvertrieb bei E.on Energie Deutschland, sicher. Nach dem kräftigen Zubau vergangener Jahre sei es das Ziel des Konzerns, auch eine sichere Erzeugungsleistung der Bestandsanlagen sicherzustellen. »Wir bieten allen Interessierten an, ihre Photovoltaikanlagen auf höchstem Niveau nach unseren Standards zu prüfen und zu bewerten.«

Die Prüfung erfolgt dabei in zwei Schritten: Zum einen kann jeder Solaranlagen-Betreiber einen kostenlosen Online-Ertragscheck in mehreren kleinen Schritten durchführen. Egal, ob es sich um eine kleinere Aufdachanlage auf dem Eigenheim oder dem Gewerbebetrieb, eine größere Aufdachanlage oder eine Freiflächenanlage handelt. Unter anderem werden Fragen nach der Art der Solaranlage, der Ausrichtung nach Himmelsrichtung, der Dachneigung, der Verschattung, dem Standort in Deutschland sowie zu Inbetriebnahme, Ertrag im letzten Jahr in kWh und der Leistung in kWp gestellt. Ergebnis ist ein erstes Feedback innerhalb einer Spanne vom roten bis in den grünen Bereich, an dem der Betreiber erkennen kann, ob er etwas tun sollte oder nicht.

In einem zweiten Schritt steht, wenn derjenige es wünscht, eine Anlageninspektion vor Ort an. Dieses Angebot richtet sich an alle Betreiber von PV-Anlagen und gilt ab Mitte September für ganz Deutschland. Die Solarexperten prüfen die Anlage individuell anhand der Dokumentationsunterlagen sowie auch vor Ort und geben anschließend Empfehlungen. Unter anderem werden mit Hilfe von Thermografie die Module auf wärmere Stellen gecheckt. Je nach Form und Position der Wärmeinseln können so Anzeichen für verschiedene Defekte erkennbar sein. Diese führen dazu, dass das Modul nicht korrekt arbeitet.

Die Anlageninspektion beinhaltet eine umfangreiche Prüfung aller Bestandteile von der Qualität und Funktionalität der Module, Wechselrichter und Verkabelung über die Anforderungen an Statik, Blitz- und Überspannungsschutz sowie Vorrichtungen gegen Sturmschäden bis hin zur fachgerechten Montage.

»Selbstverständlich gilt, dass Solaranlagen wartungsarm sind, das ist ihr großer Vorteil«, sagt PV-Experte Gola. »Aber auch sie sind, nicht zuletzt wegen gesetzlicher oder versicherungstechnischer Auflagen, nicht grundsätzlich wartungsfrei.« Daher sollten sich Betreiber auch nach der Installation um ihre Anlage kümmern und sich um eine regelmäßige Wartung bemühen – in einem Rahmen, der finanziell sinnvoll ist.

In ihrem technischen Leitfaden für Photovoltaikanlagen empfiehlt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft eine jährliche Sichtprüfung der Anlagenteile auf Schäden wie Schmutz, Ablagerungen oder Bewuchs, Abdichtungen und auch Schutzeinrichtungen. Mindestens alle vier Jahre sollte eine Prüfung für ›Netzentkoppelte Photovoltaik-Systeme‹ nach DIN EN 62446 erfolgen, mindestens alle fünf Jahre eine Prüfung von Blitzschutzanlagen auf Gebäuden mit Solaranlagen (siehe VdS 3145).

Wie oft eine Solaranlage überprüft werden sollte, hängt auch von der Erzeugungsleistung einerseits und den örtlichen Gegebenheiten andererseits ab, sagt Gola. So macht es einen Unterschied, ob es sich um eine kleinere Eigenheim-Anlage in einem ruhigen Wohngebiet oder eine größere Anlage auf einem Firmendach handelt.

Sind Probleme verschmutzter Solarmodule durch eine fachgerechte Reinigung noch relativ leicht zu lösen, wird es bei elektrischen Defekten oder mechanischem Verschleiß schon schwieriger.

Auswertung und Wartungsleitfaden

Ein Beispiel sind Unterkonstruktionen: Wetterbedingt können sich diese durch Temperatureinflüsse ausdehnen oder zusammenziehen. Wurden bei der Installation minderwertige Materialien verbaut oder diese nur rudimentär zusammengesetzt, könnten über die Jahre Beschädigungen in der Dachhaut die Folge sein. Eine regelmäßige Überprüfung im Vorfeld könnte teure Reparaturkosten verhindern. »Wir bringen unser Auto regelmäßig zum Service in die Werkstatt. Solch eine Vorsorge ist auch für PV-Anlagenbetreiber wichtig, um zum einen späteren Frust und Kosten zu vermeiden, zum anderen aber auch, um die Haftung für mögliche Schäden zu minimieren«, erklärt Manfred Bächler.

Nachdem die E.on-Experten die Anlage überprüft haben, bekommt der Betreiber seine detaillierte Auswertung zeitnah zur Verfügung gestellt – ebenso wie einen Schritt-für-Schritt-Leitfaden, sollte es Optimierungsbedarf in Sachen Erzeugung und/oder Sicherheit geben.

Hier wird etwa aufgeführt, was der Kunde selbst machen kann, wie ein Baumbeschnitt oder die Anlagensäuberung, und wo eine Wartung durch Experten gefragt ist. E.on arbeitet dabei mit regionalen, qualifizierten Partnern zusammen. Diese übernehmen notwendige Ausbesserungen und Arbeiten. Selbst wenn der Hersteller mittlerweile insolvent gegangen sein sollte und Ersatzmodule nicht mehr am Markt erhältlich sind, suchen die PV-Experten eine adäquate Lösung.

Deutschlandweit unterwegs

Die Entscheidung, ob E.on die Wartung übernehmen soll, oder ob der Betreiber eine Firma seines Vertrauens hinzuzieht, verbleibt beim Kunden. »Wir arbeiten mit rund 100 Marktpartnern zusammen und erreichen so eine deutschlandweite Abdeckung. Die Partner haben wir unter anderem aufgrund unserer langjährigen Erfahrung mit diesen ausgewählt. Sie arbeiten nach unseren strengen Standards«, erläutert Gola. »Eine hohe Qualität bei gleichzeitiger Kosteneffizienz ist uns wichtig, wir sind kein Billiganbieter.«

Interview

Mit welchen Herausforderungen hat die Solarenergie derzeit in Deutschland zu kämpfen?

Für Strom, den Eigenheimbesitzer mit einer heute installierten Photovoltaikanlage produzieren und ins öffentliche Netz einspeisen, bekommen sie nur noch ein Drittel dessen, was Anlagen an Vergütung erhalten, die vor fünf Jahren in Betrieb gingen aktuell gut zwölf Cent pro kWh. Selbst dieser Lohn sinkt für Neuanlagen augenblicklich jeden Monat weiter. Dazu schafft der Gesetzgeber neue Herausforderungen für die Anlagenbetreiber, wie die Beteiligung an der EEG-Umlage, Mindestmengen für den Eigenverbrauch oder Ausschreibungs- und Direktvermarktungsregeln. Nach Jahren des hohen Zubaus hat sich 2013 und 2014 die Gesamtleistung neu installierter PV-Anlagen in Deutschland jeweils halbiert. Auf vielen Dächern und auf Wiesen glänzen bereits Solarmodule, aber es kommen nicht mehr so viele wie früher hinzu.

Macht es da überhaupt noch Sinn, in eine PV-Anlage zu investieren?

Der wirtschaftliche Vorteil einer eigenen Solarstromanlage liegt heutzutage im Eigenverbrauch. Die Kosten der Stromerzeugung aus einer eigenen Photovoltaikanlage sind nur halb so hoch wie die Stromkosten, die Privathaushalte an Energieversorger bezahlen. Selbst für jemanden, der bereits eine Photovoltaikanlage besitzt und den Strom ausschließlich ins öffentliche Stromnetz einspeist, kann sich meist die Erweiterung um eine eigenverbrauchsorientierte Anlage lohnen.

Auch, dass Solaranlagenbesitzer größerer Solaranlagen sich seit Sommer 2014 an der EEG-Umlage beteiligen müssen, ändert nichts groß an der Rentabilität des Kraftwerks auf dem eigenen Dach.

Was hat sich für die Branche und für Sie geändert?

Die Beratungsintensität hat zugenommen. War früher eine Photovoltaikanlage für heimische Hausbesitzer und Gewerbetreibende vor allem eine Geldanlage mit sprudelnden Gewinnen, so sind heute immer eine Gesamtenergiebetrachtung und individuelle Angebote beim Kunden gefragt.

In der Beratung liegen die Chancen insbesondere bei Energieversorgungsunternehmen, deren Kompetenz bei dezentralen Kleinkraftwerkslösungen, der Vermarktung beim Ankauf überschüssiger Energie und der Reststromversorgung liegen. Energieversorger kennen den Energiebedarf und die Strompreise ihrer Kunden oft seit Jahren und können gezielt ein Angebot legen. Außerdem haben sie eher die Möglichkeit, eigene Qualitätsprüfungen durchzuführen und -standards zu setzen. Die Kundennachfrage nach Service-, Wartungs- und Fernüberwachungsangeboten steigt zudem stetig an.

Welche Standards setzen Sie denn konkret?

Wir haben ein eigenes Qualitätshandbuch entwickelt, nach dem sich alle unsere Markt-Partner richten müssen. Wir führen dazu regelmäßige Qualitätschecks und Kontrollen durch, damit die Kunden die Gewissheit haben, von uns die bestmögliche Qualität zu bekommen.

Ein Beispiel: Mit unseren strengen Standards bei den Audits übertreffen wir sogar die gängigen TÜV-Kontrollen hinsichtlich der von uns verwendeten PV-Module, die die Produktionshallen verlassen. Getestet wird, ob unter anderem die Glasscheiben und EVA-Schichten frei von Kratzern, die Solarzellen korrekt verschaltet sowie die Anschlüsse geschützt sind.

Erschienen in Ausgabe: 07/2015