Aus der Region, für die Region

Wasserstoffwirtschaft – Theorie und Praxis klaffen weit auseinander. In Deutschland soll sich das jetzt ändern. Im Fokus: regionale H2-Erzeugung.

25. März 2019
Isolated 3d render alternative ecology hydrogen concept with white background

In ausgewählten Regionen soll die mögliche Integration des Energieträgers Wasserstoff demonstriert werden: Das ist das Ziel eines Förderansatzes, den das Bundesverkehrsministerium entwickelt hat. Am 28. Februar endete die Frist zur Einreichung der Interessenbekundungen für die neue Förderung, die Mobilität mit Wasserstoff gezielt in den Regionen unterstützt.

Die Idee: Jede Region in Deutschland kann Wasserstoffregion werden, unabhängig von Vorerfahrungen, so die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (Now), die das Vorhaben im Auftrag der Bundesregierung koordiniert.

138 Regionen zeigten Interesse, als sogenannte Hy Starter kommunale beziehungsweise regionale Konzepte zur Integration der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie auf der Basis erneuerbarer Energien zu entwickeln; vor allem im Verkehrsbereich, aber auch bei Wärme, Strom und Speicher. »Offenbar liegen wir mit unserem Regionenkonzept richtig – das große Interesse ist eine tolle Bestätigung. Mit den Wasserstoffregionen machen wir den Schritt in die Praxis und können ganz konkret zeigen, wie sich die klimafreundliche Wasserstofftechnologie vor Ort in das Energiesystem integrieren lässt«, sagt Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Now GmbH.

Im nächsten Schritt werden bis zu neun Regionen ausgewählt, die organisatorisch und technisch beraten werden und Unterstützung bei der Erstellung erster Konzeptideen erhalten. Die Regionen sollen sich dabei durch eine oder mehrere Eigenschaften auszeichnen: Küstenland, Braunkohlerevier, Prägung durch Automobilindustrie, Metropolregion, mittelständisch geprägte Region sowie Grenzregion.

Wasserstoffregionen in Deutschland

Die Hy Starter sind Teil des Konzepts Hy Land, das allen Regionen die Möglichkeit bietet, Fortschritte beim Aufbau der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie vor Ort zu erreichen, so Now. Hy Land nimmt Regionen in den Blick, die bereits Erfahrungen mit H2 haben oder ausgearbeitete Konzepte umsetzen wollen. Für diese sogenannten Hy Experts und Hy Performer beginnt im Frühjahr die Wettbewerbsphase. Für Hy Experts steht ein Preisgeld von insgesamt einer Million Euro zur Verfügung. Hy Performer ist speziell zur Umsetzung bereits bestehender Konzepte gedacht. Das Preisgeld beträgt 20 Millionen Euro.

Wasserstoff kann wie ein konventioneller Kraftstoff verbrannt oder in einer Brennstoffzelle zur Stromproduktion verwendet werden. Mit Strom aus Wind- oder PV-Anlagen kann mittels Elektrolyse nachhaltig synthetischer Wasserstoff hergestellt werden. Experten raten, diese Umwandlung möglichst dezentral mit kurzen Wegen zwischen den Erzeugern auf der einen Seite, und den Abnehmern auf der anderen Seite aufzubauen.

In Nordfriesland fördert das Bundesverkehrsministerium jetzt ein Vorhaben, mit dem Strom aus Windparks vor Ort in Wasserstoff umgewandelt und als Treibstoff für Busse und Autos genutzt wird. Das Projekt in Nordfriesland namens E-Farm hat das Unternehmen GP Joule konzipiert, das sich auf die Sektorkopplung spezialisiert hat. E-Farm soll die Stromveredelung in der Region ermöglichen und neue Märkte für die Windenergie erschließen. »Das Projekt zeigt eine Alternative zum Netzausbau auf und macht die Windenergie in Schleswig-Holstein lokal nutzbar«, so GP Joule. hd

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 56 bis 57