Aus der Region für die Region: Virtueller Strom-Marktplatz in Biberach

Eier direkt vom Hühnerhof und Gemüse aus dem Hofladen – warum sollte die regionale Erzeugung und Vermarktung nicht auch beim Strombezug funktionieren? Fünf Bürgerenergiegenossenschaften (BEG) im Landkreis Biberach haben dazu unter dem Namen Biberenergie einen virtuellen Marktplatz gestartet.

17. April 2018

Erzeuger und Verbraucher zusammenbringen

Für deren Vorsitzenden, Jürgen Müller, lag der Schritt zur regionalen Marke auf der Hand: „Gerade bei uns gibt es viele Solar- oder Biogasanlagen“, die zum Teil sogar durch das Engagement der Genossenschaften entstanden sind. Mit der Biberenergie haben diese einen virtuellen Marktplatz geschaffen, auf dem Erzeuger und Verbraucher aus dem Landkreis zusammenkommen.

Die technischen Funktionen des Online-Portals stammen von Interconnector, einem Tochterunternehmen der EnBW. Deren virtuelles Kraftwerk wickelt unter anderem die energiewirtschaftlichen Prozesse im Hintergrund ab und übernimmt die Abrechnung. Im System sind die Postleitzahlen für das Kreisgebiet hinterlegt, in dem sich Anlagenstandort und Hausanschluss befinden müssen. 

Der virtuelle Marktplatz bietet zum Start gut 200.000 kWh aus Solarenergie, wie der Energieversorger weiter mitteilt.

Start mit PV-Strom aus drei Anlagen

Drei Photovoltaikanlagen stehen zu Beginn auf dem Internet-Marktplatz zur Verfügung. Laut Müller reicht das für bis zu 60 Durchschnittshaushalte.

Er setzt auf Zuwachs durch den „Charme der regionalen Marke“. Wozu auch die Garantie beitragen soll, „dass die Erlöse etwas höher als bei den gesetzlichen Einspeisetarifen liegen“.

Für welche Anlagen sinnvoll?

In der Regel sei die Biberenergie für Anlagen ab etwa 30 Kilowatt attraktiv, nach Auslaufen der sicheren EEG-Vergütung aber auch für kleinere.

Interessenten könnten sich generell über das Portal anmelden und würden im Anschluss persönlich zum weiteren Vorgehen beraten.

Anhand der im System hinterlegten Postleitzahlen werde sofort festgestellt, ob der Standort auch im Kreisgebiet liege.

Von Angesicht zu Angesicht

Das gilt auch für die Anmeldung von Interessenten an der ‚Stromernte‘ aus dem Landkreis. Die hätten die Möglichkeit, „nach wenigen Mausklicks und Eingabe der üblichen Vertragsinformationen zum nächst möglichen Termin Kunde zu werden“.

Wie bei der Direktvermarktung im Hofladen könne der Käufer nachvollziehen, von welchen Anlagen seine Energie stamme. „Wir haben dafür sogar deren Besitzer mit kleinen Porträts abgebildet“, so Müller.