BDEW mahnt Investitionsstau im Kraftwerksbau an

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat zum Start der Hannover Messe eine neue Kraftwerksliste vorgestellt.

23. April 2013

Laut der BDEW-Kraftwerksliste sind insgesamt 76 Anlagen mit einer installierten Leistung von rund 38.000 MW in Planung, im Genehmigungsverfahren, genehmigt, im Bau oder im Probebetrieb. Allein 50 Projekte davon sind Erdgaskraftwerke oder Offshore-Windanlagen. Allerdings sind nur 24 der insgesamt 76 geplanten Kraftwerke konkret in der Umsetzung. Drei Kraftwerke befinden sich bereits im Probebetrieb, 21 Anlagen sind im Bau. Für 22 weitere Projekte wurden die erforderlichen Genehmigungen erteilt. 16 Kraftwerke sind im Genehmigungsverfahren und 13 weitere Projekte sind in der Planung.

»Beim Kraftwerksbau droht eine neue Eiszeit. Insbesondere die Planungen für Anlagen, die nach 2015 umgesetzt werden sollen, sind auf Eis gelegt worden, auch wenn teilweise bereits notwendige Genehmigungen vorliegen. Inzwischen ist bei fast einem Drittel aller Projekte der Zeitpunkt der Inbetriebnahme unklar. Die Investitionsbedingungen sind zurzeit schlichtweg zu unsicher«, so BDEW-Chefin Hildegard Müller zu Beginn der Hannover Messe. Derzeit würden sich viele Investoren die Entscheidung zum Bau der Anlage bis zum Schluss vorbehalten oder die Entscheidung vertagen.

Allein in diesem Jahr und im nächsten Jahr sollen 27 große Anlagen in Betrieb gehen. Bis 2015 sollen rund 16.000 MW neue Kraftwerksleistung installiert sein. »Kurzfristig werden zwar mehrere neue konventionelle Kraftwerke und Offshore-Windparks ans Netz gehen. Dadurch sieht die Kapazitätssituation vorübergehend besser aus. Aber ab 2016 lassen die Kraftwerksplanungen deutlich nach. Dies wird also keinen dauerhaften Entspannungseffekt für den Markt und die Versorgungssicherheit bringen. Wir brauchen aber weiter gesicherte Leistung, um die schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Energien bei Bedarf ausgleichen zu können«, so Müller.

Bis 2015 will der BDEW Klarheit haben, wie ein neues Marktdesign, das konventionelle und erneuerbare Energien schrittweise verbinde, aussehen könne. Dieses Design sollte rechtzeitig feststehen, damit es ab 2020 funktionieren kann, so der BDEW.