Betriebsvorbereitungen für Wendelstein 7-Xbeginnen

Nach Jahren der Rechnung, Planung, Bauteilfertigung und Montage tritt das Projekt Wendelstein 7-X in diesem Monat in eine neue Phase: Im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald haben die Vorbereitungen für den Betrieb dieser weltweit größten Fusionsanlage vom Typ Stellarator begonnen.

13. Mai 2014

Die Montage begann im April 2005: Ein Spezialgreifer schob die erste von 70 übermannsgroßen Magnetspulen vorsichtig über einen nur fingerbreiten Spalt auf ein eigenwillig geformtes Stahlgefäß. Die sechs Tonnen schwere Spule und das Gefäßstück waren die ersten Bauteile der Fusionsanlage Wendelstein 7-X, die von ihren in ganz Europa verteilten Fertigungsstätten in Greifswald ankamen.

Hier, mehr als 800 km vom Stamminstitut im bayerischen Garching entfernt, hatte das IPP im Zuge des ›Forschungsaufbaus Ost‹ 1994 einen zweiten Standort gegründet. Beide Institutsteile verfolgen das gleiche Ziel: die Energieproduktion der Sonne auf der Erde nachzuahmen. Ein Fusionskraftwerk soll aus der Verschmelzung von Atomkernen Strom erzeugen. Weil das Fusionsfeuer erst bei einer Temperatur von über 100 Mio. °C zündet, darf der Brennstoff – ein dünnes Wasserstoffplasma – nicht in Kontakt mit den kalten Wänden kommen. Von Magnetfeldern gehalten schwebt er nahezu berührungsfrei im Inneren einer Vakuumkammer.

Die beiden Bauarten für den magnetischen Käfig untersucht das Institut räumlich getrennt: in Garching läuft der Tokamak ASDEX Upgrade, in Greifswald wird der Stellarator Wendelstein 7-X aufgebaut. Noch sind die einfacher konstruierten Tokamaks führend. Heute traut man nur einem Tokamak, wie dem internationalen Testreaktor ITER, ein energielieferndes Plasma zu. »Aber«, sagt Projektleiter Prof. Dr. Thomas Klinger, »das Stellarator-Prinzip lässt Stärken erwarten, wo der Mitstreiter Schwächen zeigt.« Denn im Unterschied zu den pulsweise arbeitenden Tokamaks sind Stellaratoren für Dauerbetrieb geeignet – wegen ihres speziell aufgebauten Magnetsystems. Um dies zu beweisen, ist Wendelstein 7-X das Schlüsselexperiment. Prof. Klinger: »Wenn alles gut funktioniert, können wir in ungefähr einem Jahr das erste Plasma erzeugen«.