Bewusst »revolutionärer« Umstieg

IT Erheblich niedrigere Migrationskosten führten bei den Stadtwerken Düsseldorf zum Umstieg auf Windows Vista und nicht auf XP. Die Kompatibilitätstests starteten 2007.

17. Februar 2008

Im Schnitt erneuern Unternehmen alle drei Jahre ihre IT-Infrastruktur. Auch die Wirtschaftsplanung bei der Stadtwerke Düsseldorf AG (swd) sah im Jahr 2007 die Migration der rund 2.500 Computer und Notebooks auf ein neues Windows-Betriebssystem vor. Zur Auswahl standen Windows XP oder die neue Version Windows Vista. »Ursprünglich war eine Migration auf Windows XP geplant«, erklärt Dr. Matthias Mehrtens, CIO und Leiter Informationsservice bei den Stadtwerken Düsseldorf.

Doch zu diesem Zeitpunkt war die Einführung des neueren Betriebssystems Windows Vista bereits absehbar – und damit auf längere Sicht auch die Einstellung des Supports. »In Anbetracht des neuen Produkts haben wir mithilfe von Microsoft eine Wirtschaftlichkeitsanalyse vorgenommen, die letztendlich ein klares Ja für die Migration auf Windows Vista ergab«, so Mehrtens. Daher verschob das Unternehmen die Umstellung um eineinhalb Jahre, überspringt nun die Betriebssystemversion Windows XP und setzt sofort auf Vista. Beim Migrationsprojekt arbeiten die Stadtwerke Düsseldorf eng mit dem Düsseldorfer Microsoft-Partner Bechtle IT-Systemhaus GmbH zusammen. Das Systemhaus unterstützt den Kunden in technischen und in kaufmännischen Fragen.

Das neue Betriebssystem benötigt aufgrund seiner vielen Funktionen eine leistungsfähigere Hardware. Da die swd seit 2006 zu fast 55 % zum Energieversorger EnBW gehören, können sie bei der Finanzierung ihrer neuen Hardware von der neuen Aktionärsstruktur profitieren, freut sich Mehrtens.

Eine Woche lang Realtest

Vor dem endgültigen Roll-out von Vista steht im April 2008 eine Pre-Pilot-Phase mit der Migration einiger Anwendungen an, der eine Pilotphase folgen soll. »Hier werden wir innerhalb einer Woche die Migration komplett in einem Realtest durchziehen, um potenzielle Fehlerquellen zu beseitigen«, betont Carsten Domat, Leiter dezentraler IT-Infrastruktur bei den swd. Die größte Herausforderung sieht der Projektleiter in der Vista-Kompatibilität der Anwendungen. Im Oktober 2007 sind die Kompatibilitätstests gestartet, insgesamt müssen 560 Softwareprodukte diese Tests durchlaufen, darunter 60 Kernanwendungen wie Office, SAP oder Groupware. »Wir setzen lediglich Vista-zertifizierte Produkte ein, um höchste Sicherheit zu erhalten «, betont Projektleiter Domat.

Viel Zeit gewinnt die swd bei den Tests durch Werkzeuge wie das ›Microsoft Application Compatibility Toolkit (ACT) 5.0‹. Es prüft alle eingesetzten Applikationen und zeigt, welche Anwendungen mit Vista kompatibel sind und welche noch einer Überarbeitung bedürfen. Zudem haben die swd die Hersteller der eingesetzten Programme direkt um Auskunft zur Kompatibilität ihrer Produkte mit Vista gebeten. Laut Domat gibt es nach 40 % Rücklauf drei Kategorien von Aussagen: ›Wir sind Vista-tauglich‹, ›Die Software kann funktionieren, wir können das aber nicht gewährleisten‹ und ›Unser Programm funktioniert noch nicht, wir entwickeln es aber gerade weiter‹. »Die hohe Rate der kompatiblen Anwendungen überrascht uns«, so Domat, »da die Vista-Migration für uns revolutionär früh ist.« Sollte bis zur endgültigen Vista-Migration eine Anwendung nicht kompatibel sein, werden derzeit als Alternative Microsoft Terminal Server geprüft sowie vor allem das Virtualisierungstool ›SoftGrid‹ aus dem ›Microsoft Desktop Optimization Pack‹, das die Vista-Verwaltung vereinfacht. Mit ›SoftGrid‹ lassen sich Anwendungen als Netzwerkdienste bereitstellen, ohne sie auf jedem PC installieren zu müssen. »Mit dem Virtualisierungstool sind die Applikationen unabhängig vom Betriebssystem nutzbar«, so Domat.

Da das ›ACT 5.0‹ die Testphase beschleunigt, verkürzt sich die Zeit für den Roll-out von Vista erheblich. Zudem bietet das Betriebssystem Funktionen, für die bislang Lösungen von Drittanbietern nötig waren, wie etwa zur Verschlüsselung von Festplatten oder zur Erstellung von PDF-Dokumenten. »Bereits jetzt erkennen wir, dass wir mit der Einführung von Windows Vista bei den Migrations- und Client-Betriebskosten große Einsparungen realisieren«, so Mehrtens. Ein Grund für die Wahl von Vista ist auch die höhere Sicherheit: »Es speichert Daten verschlüsselt auf der Festplatte, bietet eine Firewall und Schutz vor Phishing- Attacken und Viren«, so Mehrtens.

Gleichzeitig mit der Migration steigen die swd auf das ›2007 Microsoft Office System‹ um. Bei diesem Upgrade erleichtern Werkzeuge wie der ›Office Migration Planning Manager‹ ebenfalls die Migration. Die Planungen von Mehrtens reichen sogar noch weiter in die Zukunft: 2010 oder 2011 wollen die swd auf den Vista-Nachfolger umsteigen. »Das Upgrade wird dann noch einfacher und schneller sein, da Hardware, Betriebssystem und Anwendungen durch die Anwendungsvirtualisierung fast unabhängig voneinander arbeiten.«

Visualisiert

Windows Vista

Das Betriebssystem hilft laut Microsoft durch Suchfunktionen und eine neue Oberfläche mit transparenten Fenstern, Daten wesentlich einfacher zu finden und zu verwalten. Das Betriebssystem bietet ein umfassendes Sicherheitssystem zum Schutz vor unerwünschter oder schädlicher Software und Viren. Durch das ›Microsoft Desktop Optimization Pack‹ (MDOP) wird die Verwaltung von Windows Vista im Unternehmen mit Werkzeugen zur Virtualisierung und Inventarisierung von Software-Installationen erleichtert.

Erschienen in Ausgabe: 01/2008