Bilder aus der Hitze

Schornstein-Inspektion ohne Personengefährdung

Ein neu entwickeltes robustes und flexibles Kamerasystem ermöglicht die Kontrolle von Schornsteinen im laufenden Betrieb. Dabei erhält man einen Zustandsbericht auch über Bereiche, die bisher unzugänglich waren, betont der Leipziger Hersteller.

28. Mai 2004

Die Alpin Technik und Ingenieurservice hat mit AMAS 1 ein Gerät zur Inspektion und Vermessung von Hohlräumen in Schornsteinen entwickelt. Hitzebeständigkeit bis 150 °C und eine Aufnahmereichweite von bis zu 100 m erlauben einen Einsatz in laufenden und großräumigen Anlagen von Energieversorgern, der chemischen Industrie oder im Bergbau.

Das Gerät ist eine Weiterentwicklung einer Technologie, die das Unternehmen ursprünglich für die Befahrung von einsturzgefährdeten Schornsteinen in Kraftwerken entwickelt hat. Dabei kristallisierte sich heraus, dass großer Bedarf an einer Technologie besteht, die Zustandsbilder von Räumen liefert, die nicht von Personen befahren werden können. Etwa, weil sie sich im laufenden Betrieb befinden oder weil sie nicht zugänglich sind.

Das Gerät ist weniger als einen Meter lang und misst etwa 15 cm im Durchmesser. Gekoppelt mit Seilzugangstechnik, auf deren Anwendung das Leipziger Unternehmen spezialisiert ist, kann es in jeder beliebigen Höhe eingesetzt werden, ohne dabei Personen einer unnötigen Gefährdung auszusetzen. Einmal installiert, hängt das Gerät frei im Raum und kann ferngesteuert bewegt werden.

Die Plattform besteht aus einem Aufnahmesystem, das Live-Bilder von der zu begutachtenden Fläche per Funk-Telemetrie an den Standort des Beobachters sendet. 25fach optischer Zoom und die Schwenkbarkeit der Kamera um 360 Grad (um ihre Hochachse) garantieren zuverlässige Bilder des Bauwerkszustandes selbst auf große Distanz, betont der Hersteller. Der Schwenkwinkel nach unten beträgt über 90 Grad.

Durch die Verwendung von Lasertechnologie ist die Vermessung und Visualisierung der Oberflächenstruktur des Objektes möglich. Gleichzeitig werden verschiedene Messdaten erhoben. Dazu zählen etwa die Distanz zur zu begutachtenden Fläche oder die Umgebungstemperatur. Je nach Kundenwunsch kann das Gerät auch so modifiziert werden, dass individuelle Messdaten, wie zum Beispiel der Radioaktivitätsgehalt der Umwelt, ermittelt werden. Auch Gasproben lassen sich entnehmen. Dies kann beispielsweise für die Begutachtung von Schächten oder unterirdischen Hohlräumen notwendig sein, von deren Beschaffenheit keine Erkenntnisse vorliegen, erläutert dazu die Alpin Technik Leipzig.

Im Ergebnis erhält der Kunde einen ausführlichen Zustandsbericht bestehend aus allen Aufnahmen und Messdaten, sodass aufgrund verlässlicher Erkenntnisse zum Bauwerkszustand eine Instandhaltungsentscheidung getroffen werden kann.

Der Leipziger Anbieter beschreibt die nach seiner Ansicht wesentlichen Vorteile so: „Gegenüber herkömmlichen Technologien wie Endoskopen oder Robotern ist AMAS 1 wesentlich flexibler in der Vertikalen einsetzbar. Es gibt nahezu keine Höhenbegrenzung, lediglich der Ausgangspunkt muss für die einmalige Installation erreichbar sein.“ Auch die Qualität der Bilddaten sowie die mögliche Distanz zum zu begutachtenden Objekt seien unvergleichbar hoch. Damit sei ein Einsatz selbst in Kühltürmen, Reaktoren, Wäschern oder Kesseln möglich.

Erschienen in Ausgabe: 05/2004