Bio-Kompetenz an Rhein und Neckar

NETZWERK Über 50 Unternehmen kooperieren bereits im BERN. Im Fokus: Innovative Konzepte in der Rhein-Neckar-Region - aber auch darüber hinaus.

19. April 2007

»Die aktuelle, längst überfällige Klima-Debatte wird sich wie ein Katalysator auf die Branche auswirken. Der Handlungsdruck wächst stetig, und wir gehen davon aus, dass erneuerbare Energien und Energieeffizienz künftig über das staatliche Marktanreizprogramm finanziell noch stärker gefördert werden«, sagt Dr. Wulf-Dieter Heintz. Er ist Geschäftsführer der Biotec Heidelberg und einer der Gründer des BioEnergie-Zentrums Rhein-Neckar (BERN).

Dr. Heintz ist überzeugt vom Konzept: »Die Initiative von Wirtschaftsunternehmen aus der Rhein-Neckar-Region ist ein vorbildlich funktionierendes und strukturiertes Netzwerk auf dem Bioenergiesektor. « Dies würden zahlreiche Projekte zeigen, die in den letzten beiden Jahren von den mittlerweile über 50 Partnern initiiert wurden.

Mitglieder sind auf Bioenergie spezialisierte Unternehmen, vom KMU bis zum international tätigen Konzern. Dazu zählen neben Planungs- und Ingenieurbüros, Energiedienstleistern, Entsorgern, Contractoren und Investoren auch Hersteller von Umwelttechnik wie Holzfeuerungen, Pelletpressen, Turbinen oder Biogasanlagen. Heintz: »Durch die Partnerschaft mit der Land- und Forstwirtschaft, aber auch mit Netzwerken wie der EnergieEffizienz-Agentur Rhein-Neckar decken wir ein breites Spektrum ab.«

Spezialisiert hat man sich neben Holzheizwerken auf Holzheizkraftwerke mit Erzeugung von EEG-Strom über Kraft-Wärme-Kopplung sowie auf standardisierte Biogasanlagen ab 500 kWel.

Zu den Hauptkunden des BERN zählt Heintz energieintensive Unternehmen aus Gewerbe und Industrie, »insbesondere solche, die veraltete Energieanlagen mit fossilen Energieträgern betreiben, aber auch Brauereien, Krankenhäuser, soziale Träger oder auch Investoren, für die wir Bioenergieprojekte entwickeln und realisieren«.

Im energieintensiven Umfeld liegen laut Heintz auch die großen Chancen für die angebotenen Dienstleistungen. »Speziell in Brauereien und Mälzereien gibt es riesige, bisher kaum ausgeschöpfte Potenziale zur energetischen Verwertung von biogenen Abfällen durch Vergärung und Verbrennung«, ist sich der Bioenergieexperte sicher. Für diese Branche habe man ein wirtschaftliches, praxisnahes Konzept erarbeitet.

Auch die Biogasproduktion sei in der Lage, künftig europaweit gewaltige Potenziale in der Energieproduktion bereitzustellen. Bei konsequenter Förderung könne in wenigen Jahren ein wesentlicher Teil des in Europa verbrauchten Erdgases durch die Einspeisung von aufbereitetem Biogas ersetzt werden. Allerdings rät Heintz zu überlegtem Handeln: »Dabei muss der Anbau von riesigen Monokulturen vermieden werden und die Landwirte müssen einen akzeptablen Erlös erzielen«, so seine Empfehlung.

VIEL LANDWIRTSCHAFT UND WALD

In guter Position sieht er hier die europäische Metropolregion Rhein-Neckar, einer der stärksten Wirtschaftsräume in Deutschland. Dieser verfügt neben bedeutenden Industrieansiedlungen auch über ausgeprägte landwirtschaftlich genutzte Flächen und große Waldareale.

Grundsätzlich sieht der Netzwerk-Gründer keine Probleme darin, wenn sich Anbieter mit ähnlichem Portfolio um ein Projekt bewerben. »Dasjenige Unternehmen, welches ein Projekt einbringt, bestimmt federführend die Kooperationspartner, nach Kriterien wie projektspezifische Erfahrung oder personelle und wirtschaftliche Voraussetzungen. Dies wird in einem sehr frühen Stadium vertraglich abgesichert.«

Vorteile des Netzwerks sieht er auch bei der Versorgung der Anlagen mit den benötigten Brennstoffen. Hier würden die aufgebauten Strukturen zu einer »hohen Versorgungssicherheit der Kunden mit biogenen Festbrennstoffen und Substraten, verbunden mit kurzen Transportwegen führen«, ist sich Heintz sicher.

Zudem strebe man in der Region eine Ausweitung des Anbaus von Energiepflanzen und die verstärkte energetische Nutzung von Waldrestholz an.

Dem Thema Feinstaub weist der Bioenergieexperte wenig Bedeutung zu.

Dies sei vorwiegend ein Problem wenig effizienter Kaminöfen. Dagegen seien Staubemissionen von Holzhackschnitzelfeuerungen vom Gesetzgeber, abhängig von der Nennleistung, festgelegt und würden durch moderne Filteranlagen meist weit unterschritten.

Das Netzwerk hat seine Fühler auch schon über die Regionsgrenzen hinaus ausgestreckt. Neben Projekten in anderen Bundesländern ist das Know-how in Sachen Bioenergie bereits in Frankreich, Griechenland oder Chile gefragt. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 04/2007