BNetzA legt Bericht zur Versorgung mit Strom und Gas vor

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat einen Bericht zur Versorgungssicherheit mit Strom und Gas im Winter 2012/13 veröffentlicht. Die Lage gegenüber dem Vorjahreswinter hat sich demnach deutlich verbessert.

04. Juli 2013

Im Vergleich zum vorhergegangenen Winter war die Situation in den Stromübertragungs- und Gasfernleitungsnetzen trotz des langen Winters weit weniger angespannt, so die BNetzA. Dennoch seien an einigen Tagen Belastungssituationen im Stromnetz aufgetreten, die die Versorgungssicherheit potenziell gefährdeten und zeigten, dass die getroffenen Vorsorgemaßnahmen richtig und angemessen waren.

»Auch wenn die Situation in den Strom- und Gasnetzen witterungsbedingt weniger angespannt war als im vorangegangenen Winter, dürfen wir uns nicht in Sicherheit wiegen. Ein zügiger Netzausbau ist und bleibt das Gebot der Stunde, um auch zukünftig eine sichere Versorgung gewährleisten zu können«, sagte Jochen Homann, Präsident der BNetzA. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betont ebenfalls den akuten Handlungsbedarf beim Netzausbau - insbesondere in Nord-Süd-Richtung, so BDEW-Chefin Hildegard Müller.

Die bereits erfolgte Umsetzung der im Mai 2012 im Netzbericht zum vergangenen Winter als dringlich bezeichneten Handlungsempfehlungen habe dazu beigetragen, die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Dabei habe das gesetzliche Stilllegungsverbot für Kraftwerke, die für die Systemstabilität benötigt werden, die größte legislative Neuerung dargestellt. Auch die engere Verzahnung von Strom- und Gasnetzbetrieb konnte mittels legislativer und operativer Maßnahmen umgesetzt werden, so Homann.

Am 24. Dezember 2012 und am 10. Februar 2013 kam es zu erheblichen Überspeisungen der deutschen Regelzone, die zeitweise die gesamte vorgehaltene negative Regelenergie aufbrauchten und die kurzfristige Beschaffung von Regelenergiereserven – auch im Ausland – notwendig machten, so die BNetzA. Die Ursachen waren unterschiedlich. Am 24. Dezember 2012 traf eine sehr steile Windflanke, also eine kurzfristig stark erhöhte Einspeisung aus Windenergieanlagen mit einer sehr geringen Stromnachfrage zusammen. Gleichzeitig wurden konventionelle Erzeugungsanlagen nicht weiter heruntergeregelt, was die Situation verschärfte. Am 10. Februar 2013 kam es zu einer Überspeisung der deutschen Regelzone aufgrund fehlerhafter Prognosen der Photovoltaik (PV)-Einspeisung. Die Schneebedeckung von PV-Modulen war geringer als angenommen, tatsächlich betrug die PV-Einspeisung das Doppelte der vortägigen Prognose.

Um Überspeisungen der Regelzonen durch direkt vermarktete Erneuerbare-Energien-Anlagen (EEG-Anlagen) zukünftig zu vermeiden, schlägt die BNetzA vor, die betreffenden Anlagen verpflichtend mit der Möglichkeit zur ferngesteuerten Einspeisesteuerung auszustatten. »Ich begrüße das Vorhaben der Übertragungsnetzbetreiber, die selbst den größten Teil der Photovoltaikerzeugung vermarkten, die Prognosegüte für die Photovoltaikeinspeisung durch den Aufbau eines Referenzmesssystems zu verbessern«, so Homann. Auch laut BDEW ist die Verbesserung der Prognoseverfahren ein eminent wichtiger Beitrag zur Vermeidung von Überspeisungen und negativen Preisen.

Sowohl im Winter 2012/2013 als auch im Frühjahr 2013 kam es an der Strombörse zu negativen Preisen, die immer dann auftreten, wenn das Stromangebot die Stromnachfrage deutlich übersteigt. »Negative Preise weisen auf eine nicht ausreichende Flexibilität konventioneller Erzeugung hin, sich dem Konkurrenzdruck anzupassen. Zugleich weisen negative Preise auf eine nicht ausreichende Flexibilität erneuerbarer Energieträger hin, auf eine geringe Stromnachfrage zu reagieren. Insofern sind negative Preise ein wichtiges Marktsignal, das den notwendigen ökonomischen Druck erzeugt, diese Flexibilität herzustellen«, erläutert Homann. »Negative Preise sind kein Anlass zur Beunruhigung im Hinblick auf die Versorgungssicherheit.«

Am 25. und 26. März 2013 sei es im Übertragungsnetz von 50Hertz und TenneT für einige Stunden zu kritischen Situationen gekommen. Ursache war laut BNetzA die hohe Einspeisung aus konventionellen Kraftwerken und Erneuerbaren-Energien-Anlagen im nördlichen Deutschland, die die vortägige Einspeiseprognose der Übertragungsnetzbetreiber übertraf. Auf Basis dieser Prognose schien der Einsatz von Reservekraftwerken nicht notwendig, normaler Redispatch mit süddeutschen konventionellen Kraftwerken wäre ausreichend gewesen. Allerdings konnte der Redispatch nicht in dem erforderlichen Maße durchgeführt werden, unter anderem bedingt durch die ungeplante und kurzfristige Nichtverfügbarkeit der Kraftwerke Irsching 5 und Staudinger 5 aus technischen Gründen und einem Anfahrverbot für das Kraftwerk Ingolstadt wegen drohender Überlastung des Anschlussnetzes.

Um für die Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld im Winter 2015/16 frühzeitig Vorsorge zu treffen, haben die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) begonnen, die in der am 12. Juni 2013 vom Bundeskabinett verabschiedeten Reservekraftwerksverordnung vorgeschriebenen Systemanalysen für den Winter 2015/16 durchzuführen und die dafür zu Grunde gelegten Annahmen und Szenarien mit der BNetzA abzustimmen.

Der Bericht zum Zustand der leitungsgebundenen Energieversorgung im Winter 2012/13 ist auf den Internetseiten der BNetzA veröffentlicht.