Boom solange der Vorrat reicht

BIOMASSE Laut einer aktuellen Studie wird sich der Markt für Biomasse-Contracting bis 2015 zumindest verdoppeln. Reglementierend könnte sich das Brennstoffangebot auswirken.

28. September 2006

„Energieerzeugung aus Biomasse erlebt einen - zum Großteil auch politisch motivierten - Aufschwung als umweltfreundliche und günstige Alternative zu fossilen Brennstoffen. Es ist daher wenig verwunderlich, dass derzeit immer mehr Energieversorger und auch Contracting-Anbieter mit realisierten Projekten in diesen Markt drängen“, so das Fazit der Studie ‚Biomasse-Contracting: Marktvolumen, Potenziale, Erfolgsfaktoren, Wettbewerb’ für die das Trend- und Marktforschungsinstitut trend:research rund 100 Experten befragte.

Allerdings werde der stark lokal bis regional ausgerichtete Markt aufgrund einer wachsenden Anzahl installierter Biomasse- Erzeugungskapazitäten laut Studie mit steigenden Herausforderungen konfrontiert. Fragen, auf die Antworten gefunden werden müssten, seien etwa: Wie kann die langfristige Versorgung zum Beispiel mit Holz im Rahmen der Brennstofflogistik gewährleistet werden? Und: Welche Brennstoffentwicklungen sind bei knapper werdenden Mengen zu erwarten? Denn entscheidend für die künftige Etablierung von Biomasse als Energieträger ist für alle Marktakteure, also auch für Contracting-Anbieter in diesem Bereich, die langfristige Sicherung ausreichender Brennstoffmengen.

Noch geringere Durchringung

Insgesamt fallen pro Jahr in Deutschland 81,3 Mio. t flüssige und feste Biomasse an. Die Rangliste des Biomasseauf kommens führen innerhalb Deutschlands die Flächenländer mit einem hohen Waldbestand oder intensiver Landwirtschaft (wie Niedersachsen oder Bayern) an. Jedoch würden die großen anfallenden Mengen nicht bedeuten, dass sie am Markt frei verfügbar seien, haben die Bremer Marktforscher ermittelt.

„Es existieren, anders als etwa bei Kohle oder Gas, keine wesentlichen Handelsplätze für Biomasse-Kontingente. Die benötigten Mengen müssen oftmals direkt dort akquiriert werden, wo sie anfallen“, beschreibt die Studie die Situation.

Die langfristigen Nutzungspotenziale für Biomasse seien dabei weitaus größer als die aktuell eingesetzten Mengen und lassen sich „beispielsweise durch die vermehrte energetische Nutzung von Industrierest- und Altholz und die Ausweitung des Anbaus von Energiepflanzen noch steigern“.

Wie die Studienautoren ermittelten, ist „aktuell die Marktdurchdringung bei Biomasse- Contracting noch relativ gering“. Lediglich 5 % der befragten Unternehmen wenden diese Contracting-Form an. Aufgrund der im Vergleich umfangreicheren Projekte gegenüber anderen Kundengruppen stellt die Industrie mit einem Marktvolumen von gut 4,2 Mio. € die umsatzstärkste Anwendergruppe.

Die Marktexperten haben berechnet, dass - ausgehend von einer gleich bleibenden oder leicht steigenden Brennstoffverfügbarkeit durch die weitere Ausweitung des Anbaus von nachwachsenden Rohstoffen und Erschließung weiterer Biomasse-Potenziale - der Markt für Biomasse-Contracting bis 2015 ohne Energieumsatz einen Gesamtumsatz von jährlich bis zu 27,3 Mio. € erreichen wird (Referenzszenario).

Selbst im konservativen Szenario sei bei ungünstigen Rahmenbedingungen und einer zögerlichen Verbreitung von Contracting eine Verdopplung des jährlichen Marktvolumens auf etwa 18,5 Mio. € möglich, so die Erhebung.

Eigenanbau der Contractoren

Bereits mittelfristig würden sich für Anbieter „erhöhte Chancen im Wettbewerb durch auslaufende Contracting-Verträge der ersten Generation“ bieten. Um einer eventuell entstehenden Brennstofflücke zu begegnen, empfehlen die trend:research- Experten auch - auf den ersten Blick - außergewöhnliche Wege. Den entstehenden Brennstoff bedarf könnten Contractoren im Bereich Biomasse zukünftig beispielsweise auch über den eigenen Anbau entsprechender Pflanzen zumindest teilweise decken.

Generell müsse der Fokus der Contracting- Anbieter - ausgehend von der aktuellen Marktsituation - primär darauf liegen, das eigene Unternehmen und die Leistungen stärker bekannt zu machen und die offenen Potenziale über gezielte Vertriebsaktivitäten zu erschließen.

Hier hatte sich im Rahmen der aktuellen Befragung ein Manko gezeigt. So konnten etwa nur sehr wenige Interviewteilnehmer spontan Anbieter von Biomasse-Contracting nennen beziehungsweise kannten diese auf Nachfrage, beklagen die trend:research-Forscher. (mn)

www.trendresearch.de

ContractingVor allem zuverlässig

Nach der Zuverlässigkeit der Anlage (rund 45 % der Antworten) sind die Versorgungssicherheit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis die von den Befragten am häufigsten genannten Anforderungen an Contractinganbieter. Für einen Contractor sei es daher besonders wichtig, die Versorgung langfristig sicherzustellen und im Fall des Biomasse-Contracting über ausreichende Brennstoffmengen während der Projektlaufzeit verfügen zu können, so der Rat des Bremer Marktforschungsinstituts trend:research.

Erschienen in Ausgabe: 10/2006