Dampfnetz als Pufferspeicher

Technik

Regelenergie - In Brandenburg wird eine Power-to-Heat-Anlage für negative Sekundärregelleistung eingesetzt. Sie nutzt die Infrastruktur eines Müllheizkraftwerks. Ein Contractor finanziert und vermarktet die beiden Kessel.

31. August 2015

Im jüngst erschienenen Weißbuch des Bundeswirtschaftsministeriums zum Strommarkt heißt es unter anderem, dass im Strommarkt 2.0 innovative Lösungen gefragt sind, um in Zeiten mit einer hohen Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie die Netze stabil zu halten. Hierbei soll die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr helfen.

Dampf für Gewerbepark

Der Münchner Contractor Enerstorage macht sich das zunutze. Das Unternehmen ist auf Power to Heat im Industriemaßstab spezialisiert. Im Vorjahr finanzierte, plante und installierte das Unternehmen auf dem Gelände eines Müllheizkraftwerks in Premnitz in Brandenburg zwei 10-MW-Elektrodendampfkessel der Firma Parat. Seit Ende 2014 wird die Anlage als negative Sekundärregelleistung vermarktet.

»Im ersten Halbjahr 2015 hatte die Anlage mehr als 200 Einsätze«, sagt Philip Mayrhofer von Enerstorage. »Diesen waren überwiegend zwischen 30 Sekunden und 5 Minuten lang. Während der Frühjahrsorkane kam es aber auch zu einzelnen Abrufen von circa 30 Minuten.« Das Abrufprofil lässt sich nicht generalisieren, da es stark von der gewählten Position in der Merit Order, aber noch mehr von den Netzgegebenheiten abhängt, so Mayrhofer. Der Kraftwerksbetreiber EEW versorgt den umliegenden Industrie- und Gewerbepark mit Prozessdampf. Die Power-to-Heat-Anlage erzeugt laut Enerstorage 10 bar Sattdampf und speist diesen als überhitzten Dampf in das ND-Dampfnetz (3 bar) ein.

Sechs Monate Bauzeit

Dabei dient das 700-m³-Dampfnetz am Standort als Pufferspeicher, in dem es eine Druckanhebung von 1,5 auf 2,5 bar innerhalb von 20 min ermöglicht.

Die Warmhaltung der Power-to-Heat-Anlage erfolgt ebenfalls über das 3-bar-Dampfnetz. Zudem erfordert der Betrieb der Anlage eine Speisewasser- und Kühlwasseranbindung sowie einen Druckluftanschluss. Der Stromanschluss wurde über die vorhandene 6,3-kV-MS-Schaltanlage der EEW realisiert. Die Verträge wurden 2013 unterzeichnet. Die Bauzeit für die Anlage betrug etwa sechs Monate. Am Standort der EEW wurde das Prämienmodell als Contractingmodell umgesetzt.

Sichere Erlöse

Dabei trägt laut Mayrhofer Enerstorage die vollen Investitionskosten, und der Standortpartner stellt die Infrastruktur. Zudem übernehme das Unternehmen das komplette Vermarktungsrisiko, und der Standortpartner erhält jährlich gesicherte Zusatzerlöse in Höhe von 100.000 €. EEW erhält eine Fixzahlung sowie einen langjährigen Vertrag zur Vergütung der Nutzung der Fläche sowie für das Erbringen der Betriebsführung.

Wärmebedarf ist Pflicht

Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz einer Power-to-Heat-Anlage ist laut Mayrhofer, dass der Standort ganzjährig einen Dampfbedarf größer 10 MW beziehungsweise eine Fernwärmeabnahme größer 2 MW hat, dass ein Mittelspannungsanschluss mit einer Spannung zwischen 6 und 20 kV vorhanden ist und der Netzanschlussvertrag über eine freie vertraglich gesicherte Anmeldeleistung von mindestens 10 MW verfügt. Der Anschluss der Anlage erfolgte während geplanter Stillstände des Kraftwerks. Sie ist in die Leittechnik der EEW eingebunden. (hd)

Erschienen in Ausgabe: 07/2015