Das Ende der Formatverwirrung

Initiative für standardisierte Energiedatenkommunikation gegründet

Nicht zuletzt das Durcheinander bei den Dateiformaten macht Energiedienstleistern das Leben schwer: Konvertierungen in passende Formate sind an der Tagesordnung, von einem Standard ist die Branche weit entfernt. Das zu ändern hat sich die Herstellerinitiative EDNA auf die Fahnen geschrieben.

04. Februar 2002

EDIFACT, DELFOR und MSCONS, XML, Excel (nach DVG), Excel (pur) und nochmals Excel - im Energiemarkt macht beim Datenaustausch derzeit jeder, was er will. Die Zahl der Formate für die Kommunikation ist inzwischen Legion, trotz diverser Empfehlungen der Verbände. Von durchgängigen Prozessen und vereinfachten Abläufen kann nicht einmal ansatzweise die Rede sein. Mit dieser „Sprachverwirrung“ wollen die Hersteller von Systemen für das Energiedatenmanagement (EDM) Schluss machen. EDNA heißt die Initiative, die sie Mitte Dezember in Berlin gegründet haben. EDNA steht für Energy Data, Norms & Automation, ein Kürzel, dass mit denselben Begriffen auch auf Deutsch funktioniert. Das Ziel: Einheitliche Formate und Verfahren für die Geschäfts- und Kommunikationsprozesse zwischen den Marktteilnehmern. Und das schnell. Initiator von EDNA war die Aktif Technology GmbH, Senftenberg. Bei der Gründung dabei: EDM-Hersteller wie die deutsche eccplus AG und DWH Decision Warehouse GmbH sowie die Beratungshäuser KEMA Consulting GmbH und ConEnergy AG. Vier Wochen nach Gründung ist die Mehrzahl der Hersteller von Systemen für das Energiedatenmanagement der Initiative beigetreten. Gleichzeitig wurden beim zweiten Treffen am 17. Januar 2001 konkrete Schritte eingeleitet, um die Datenkommunikation im Energiemarkt zu standardisieren und die Geschäftsprozesse zwischen den Marktteilnehmern zu automatisieren. Damit schaffe man nicht nur die Grundlage für einen funktionierenden Wettbewerb, der nach wie vor durch die fehlenden kommunikationstechnischen Voraussetzungen behindert sei. Man wolle aber auch den Markt für EDM-Systeme endlich ins Rollen bringen. Denn bislang würden viele Investitionen in das Energiedatenmanagement wegen der mangelnden Standardisierung aufgeschoben. Und das, obwohl den Unternehmen durch die dadurch notwendigen manuellen Arbeiten Kosten in Millionenhöhe entstünden.

Wichtiges Ziel der nächsten Wochen ist es auch, den Dialog mit den Verbänden der Energiewirtschaft aufzubauen, denn es gehe nicht darum, einen neuen Standard zu entwickeln und die entsprechenden Bemühungen der Verbände zu ignorieren. Im Gegenteil: Die vorhandenen Ansätze sollen von einer der ersten Arbeitsgruppen sondiert und auf schnelle Umsetzungsmöglichkeiten hin untersucht werden. Eng zusammenarbeiten will die Initiative mit den Verbänden, und auch auf das Bundeswirtschaftsministerium will man zugehen. Gearbeitet wird nach dem Motto „Wir machen& pos;s einfach!“.

EDNA geht die Themen mit Priorität an, wo Anwender wie Hersteller am meisten der Schuh drückt: der Austausch von Lastgängen und von Fahrplänen, aber auch die komplexen Prozesse beim Kundenwechsel. Erste Früchte der Arbeit konnten die Mitglieder der Initiative schon im Februar 2001 auf der E-world of energy in Essen zeigen. Mit der Kommunikation verschiedener Systeme wollten die beteiligten Hersteller damit darauf aufmerksam machen, dass sie es ernst meinen mit dem gemeinsamen Standard.

Technisch heißt die Stoßrichtung eindeutig XML. Alle Beteiligten gehen davon aus, dass sich die Kommunikationsprozesse auf Basis von XML via Internet in der Energiewirtschaft in den nächsten Jahren auf breiter Front durchsetzen. Nichtsdestotrotz soll das Thema EDIFACT nicht einfach als veraltet beiseite geschoben werden. Untersuchen will man in jedem Fall, ob und wo der Einsatz von EDIFACT sinnvoll sein kann oder wo und wie EDIFACT und XML gekoppelt werden können. Dabei will man sich auch die entsprechenden Ansätze im Ausland vornehmen, beispielsweise in den USA, in den Niederlanden oder in Skandinavien.

EDNA kurz vorgestellt

Hinter der Bezeichnung EDNA (Energy Data, Norms & Automation) verbirgt sich eine Herstellerinitiative, die den Datenaustausch in der Energiewirtschaft vereinfachen möchte. Ziel der Initiative ist es nicht, das Rad neu zu erfinden, sondern für Anwender und Softwarehersteller praktikable Lösungen für den effektiven Datenaustausch zu schaffen. Neben den Gründern AKTIF Technology GmbH, deutsche eccplus AG, DWH Decision Warehouse GmbH, KEMA Consulting GmbH und ConEnergy AG haben sich bis Februar folgende Unternehmen bereits für die Mitarbeit in der EDNA-Initiative entschieden: AMS Management Systems Deutschland GmbH, Da.V.i.D. AG, KW International Ltd., PSI AG, RDS Robotron Datenbank-Software GmbH, repas AEG Automation GmbH, SAE IT-systems GmbH & Co. KG, SIV.AG, Vectriz GmbH, LBD-Beratungsgesellschaft mbH sowie die VISOS GmbH. Bei einem Treffen im Januar in Berlin dabei und an einer Mitarbeit ausdrücklich interessiert waren außerdem die Unternehmen ABB Utilitiy Automation GmbH und systema Unternehmensberatung für Informationstechnik GmbH. Zudem haben die SAP AG, die Cursor Software AG, die ifs GmbH sowie die Somentec Software GmbH ihr Interesse an der Mitarbeit bekundet.

Damit beschränkt sich der Kreis der (potenziellen) Mitglieder nicht auf die Hersteller von EDM-Lösungen, sondern bezieht auch andere Unternehmen ein. So soll gewährleistet sein, dass die komplette Prozesskette - von der Zählerauslesung bis zur Abrechnung und Buchhaltung betrachtet wird.

Erschienen in Ausgabe: 03/2001