Das richtige Futter für den Erfolg

Biogas Neben technischen Optimierungen wird auch aufgrund des neuen gesetzlichen Rahmens ein schlüssiges Wärmekonzept für den Erfolg einer Biogasanlage immer wichtiger. Vorteile bietet hier die Einspeisung ins Erdgasnetz. Dies hat auch die MT-Energie erkannt: Seit 2007 hat man eine solche Lösung im Angebot.

08. April 2008

Im Jahr 2004 fasste die bei Hannover ansässige Lenthe GbR den Entschluss zum Bau einer Biogasanlage. Ein wichtiges Argument war die Novellierung des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG), das den Erzeugern von Strom aus Biogas auf 20 Jahre lang einen Mindestpreis von über 16 ct/kWh garantiert. Dies verschafft zwar Investitionssicherheit, ist aber keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg. Von größter Bedeutung ist hier insbesondere ein optimaler Anlagenbetrieb. Dazu zählt, dass das ›Futter‹ von der Biogasanlage so effizient wie möglich verwertet wird, da die ›Futterkosten‹ rund 45 % der Gesamtkosten ausmachen. Hugo Schleupen, der die von MT-Energie gebaute Anlage betreibt, befüllt den Feststoffeintrag mit einem Radlader täglich mit 21,7 t einer Ration aus Mais-, Sonnenblumen-, und Roggenganzpflanzensilage.

Flüssigkeiten werden nicht hinzugefügt, da es keine nennenswerte Viehhaltung in der Region gibt. Die Biorohstoffe werden hauptsächlich auf eigenen, sehr ertragreichen Flächen angebaut. Das aus der täglichen Menge produzierte Biogas reicht aus, um mit zwei Zündstrahlmotoren 530 kW zu erzeugen. Die hohe Gasausbeute wird durch eine lange Verweilzeit von insgesamt 150 Tagen in der zweistufigen Biogasanlage erzielt. Fällt das Blockheizkraftwerk (BHKW) etwa wegen eines Ölwechsels oder anderer Wartungsarbeiten aus, kann das Biogas in den drei Gasspeichern gelagert werden, ohne dass es sofort abgefackelt werden muss.

Wichtig für die Wirtschaftlichkeit ist auch die hohe Auslastung des BHKW. Die beschriebene Anlage hat im vergangenen Jahr einen Auslastungsgrad von rund 98 % erreicht. »Dies ist nur möglich, wenn die Biologie regelmäßig durch eine prozessbiologische Betreuung überwacht wird und der Betreiber bei Störungen sofort reagiert«, erläutert Bodo Drescher, Geschäftsführer des Biogasanlagenherstellers MT-Energie. Das zweistufige System aus Fermenter und Nachgärer sorge für eine hohe Prozessstabilität. Sollte der Fermenter einmal umkippen, was äußerst unwahrscheinlich sei, habe man immer noch die Möglichkeit, diesen zu leeren und das aktive Material des Nachgärers zu nutzen, merkt Drescher an. »Lange Anfahrphasen im Falle einer biologischen Havarie entfallen.«

Um hohe Auslastungsgrade zu erreichen, ist es zudem wichtig, dass man Verschleißteile wie Pumpen- und Rührwerkstechnik im laufenden Anlagenbetrieb schnell austauschen kann. Mit zunehmendem Alter der Anlagen wird dieser Aspekt immer wichtiger.

Für den Betrieb der Biogasanlage (Füttern, Rühren und Pumpen) werden in Lenthe durchschnittlich nur 10,4 kW (und damit 2 % der installierten Leistung) benötigt. Auf energieintensive Rührwerks- und Futtermischtechnik verzichtet MT-Energie ganz bewusst. Drescher erläutert das dahinter steckende Konzept: »Wir setzen auf minimalistische Technik mit maximaler Funktionalität. « Denn ein Prozent mehr an Eigenstromverbrauch könne über 6.000 € weniger Gewinn pro Jahr bedeuten.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist ein gutes Wärmekonzept. In der Biogasanlage Lenthe werden mit der Abwärme des BHKW Wohnhäuser beheizt und eine Getreide- und Holztrocknung betrieben. Die Einnahmen von über 40.000 € pro Jahr aus Wärmeverkauf und der zusätzlichen Vergütung über den Kraft-Wärme- Kopplungs (KWK)-Bonus verbessern die Wirtschaftlichkeit immens. Häufig jedoch fehlt Biogasanlagen aufgrund ihrer räumlichen Lage die Möglichkeit, die anfallende Wärme zu verwerten. Hier stellt die Biogaseinspeisung in das Erdgasnetz eine erfolgsversprechende Lösung dar. Dazu muss das Biogas jedoch auf Erdgasqualität aufbereitet werden. Derzeit entstehen immer mehr Biogasanlagen mit einer entsprechenden Aufbereitungstechnik.

Die erste Anlage dieser Art von MT-Energie mit einer Aufbereitungsleistung von 600 Nm³ Biogas/h ging im Oktober 2007 in der Nähe des Firmensitzes in Betrieb. Darin wird das Biogas einer bereits seit drei Jahren laufenden Biogasanlage durch eine drucklose Aminwäsche auf Erdgasqualität gebracht. Dieses sogenannte BCM-Verfahren erreicht nach Angaben von MT-Energie »gegenüber anderen Verfahren wie der Druckwasserwäsche oder der Druckwechseladsorption eine höhere Methanreinheit bei wesentlich geringeren Methanverlusten«. Der sogenannte Methanschlupf liege dabei unter 0,1 %. Drescher prognostiziert, dass die Einspeisung zunächst überwiegend die klassische Alternative für größere Anlagen mit einer Leistung ab 1 MWel darstellt. Der Geschäftsführer des Rockstedter Unternehmens rechnet jedoch damit, dass sich langfristig die Aufbereitung auch bei kleineren Anlagen durchsetzt. In der Regel werde sich die ›Netzlösung‹ gegenüber einem örtlichen Wärmekonzept als günstiger erweisen.

Nachbarländer im Blick

MT-Energie will das Anlagengeschäft konsequent weiter ausbauen. Investitionen in die Zukunft sollen dazu beitragen. Eine davon ist der Bau eines neuen Firmensitzes. Dort werden man, so berichtet Drescher stolz, »über ein Logistikcenter verfügen, dass im Biogasmarkt seinesgleichen sucht.« Mit den neu installierten Anlagen haben die Rockstedter in 2007 mit rund 30 MWel einen Marktanteil von über 15 % erreicht, berichtet der Geschäftsführer. Dies gelte es auszubauen und in das Auslandsgeschäft zu übertragen.

Hier hat der Anlagenbauer zunächst die Nachbarländer Frankreich, Spanien, Italien, Tschechien und Ungarn im Blick. Potenzial gebe es auch anderswo, weiß Drescher. Jedoch sei es eine unternehmerische Entscheidung sich zu begrenzen, um in den Antrittsländern auch eine gute Arbeit liefern zu können.

»Wenn man im Ausland unterwegs ist, wird einem erst klar, wie weit Deutschland im Thema Biogas voraus ist«, berichtet Drescher. Einem Kunden in Deutschland beantworte man Fragen, den Kunden im Ausland kläre man auf, so seine Erkenntnis. Zudem sei das deutsche EEG, »trotz aller Mängel im Detail, eine sichere Planungsgröße«. Dies sei im Ausland nicht immer gegeben. (mn) <

 

Firmenprofil

MT-Energie

Mit über 230 Mitarbeitern und Vertretungen im Ausland zählt sich die 1996 gegründete MT-Energie zu den führenden Unternehmen der Biogasbranche. Die Leistungen des niedersächsischen Unternehmens erstrecken sich von der Entwicklung und Planung über den Bau bis zur technischen und biologischen Betreuung der Anlagen. Neu ist der Geschäftszweig MT-Biomethan zur effizienten Gasaufbereitung.

Interview mit Bodo Drescher, MT –Energie - es: Wie hat sich das Unternehmen MT-Energie entwickelt?

Herr Drescher: Wir sind ausgehend von 2003 auf die fünffache Unternehmensgröße angewachsen. Das anfänglich massive Wachstum hat sich im zurückliegenden Jahr auf 40 Prozent eingependelt, was 65 Millionen Euro Umsatz entsprach bei einem EBIT von plus zehn Prozent.

es: Was sind die Hintergründe für den Erfolg?

Ein Grund ist, dass wir selbst entwickelte Komponenten im Anlagenbau einsetzen. Das bringt sowohl in der Preisbildung wie auch in der Schnittstellendiskussion erhebliche Vorteile.

es: Wie hat sich der Biogasmarkt in den vergangenen Jahren verändert?

Heute wird nicht mehr einfach eine Biogasanlage gebaut, sondern es kommt immer mehr auf ein gutes Konzept an. Dies kann sowohl von Landwirten kommen als auch von Investoren oder Energieversorgern. Dabei sind die erstgenannten Bauherren in der Regel auf der Suche nach dem idealen Wärmekonzept, was nicht in jeder Region machbar ist. In dieser Hinsicht ist der verstärkte Markteintritt von Energieversorgern von großer Bedeutung. Denn durch die von diesen häufig angestrebte Aufbereitung zu Biomethan besteht eine wesentlich größere Chance auch an entlegenen Orten sinnvoll die Biogasproduktion umzusetzen.

es: Wie wird sich die Marktsituation künftig darstellen? Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie hier?

Eine 500-kW-Anlage mit einem guten Wärmekonzept wird voraussichtlich nicht mehr ein Einzellandwirt bauen, sondern nur noch eine Gemeinschaft von Landwirten, da durch die gestiegenen Getreidepreise das Risiko des Einzellandwirtes zu groß erscheint bei Einbringung seiner gesamten Fläche. Die Gasaufbereitung mit Anlagengrößen ab einem Megawatt wird ebenfalls von Gemeinschaften realisiert oder von Energieversorgern.

es: Was sagen Sie zur Ausgestaltung der EEG-Novelle?

Vor allem sollte der Begriff Gaswert bei der Einspeisung von Biomethan in das Erdgasnetz genauer definiert werden. Hier würde die Definition eines allgemeinen Verstromungswertes, der dann für alle mit Biomethan verstromenden BHKW gelten würde, eine klare Situation schaffen. Des Weiteren können wir nicht nachvollziehen, wieso der Strom zur Aufbereitung des Biomethans nicht aus erneuerbaren Energien kommen soll. Dass dies bei der Wärme der Fall ist, wird im Sinne der Nachhaltigkeit von uns ausdrücklich begrüßt. Allerdings würden wir uns über eine Gleichstellung des Stroms im Sinne der Umwelt sehr freuen.

es: Wird sich die Novelle positiv auf Ihr Geschäft auswirken?

Allein wegen der Handlungssicherheit wird es zu einer Belebung der Nachfrage kommen. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 04/2008