Den europäischen Markt im Visier...

VES bietet Datendienstleistungen für Energieunternehmen aller Art

Neutralität ist oberstes Gebot, denn ihre Datendienstleistungen stellt die Viterra Energy Services AG Energieversorgern, Händlern, Netzbetreibern und Sondervertragskunden gleichermaßen zur Verfügung. VES erfasst Energiedaten und bereitet diese auf, sei es für Durchleitungsfragen oder zur Energieabrechnung. Dabei stützt sich das Unternehmen auf einen internationalen Erfahrungsschatz, wie Vorstandsmitglied Valentin Reisgen betont.

11. Mai 2001

Für halbe Sachen ist Valentin Reisgen nicht zu haben. Wenn das Vorstandsmitglied der Viterra Energy Services (VES) AG, Essen, sich etwas auf die Fahnen geschrieben hat, geht er es richtig an. Zum Beispiel das Thema Abrechnungsdienstleistungen: „Ein deutscher Ansatz ist uns zu kurz gesprungen“, so seine Worte. „Wir haben den europäischen Markt im Visier.“ Sich auf hiesige Marktgegebenheiten zu versteifen, hieße nicht zuletzt, sich international agierenden Konzernen gegenüber zu verschließen - und auf ein großes Stück vom Umsatzkuchen zu verzichten. Schließlich, so schätzen Experten, ist der europäische Markt für Abrechnungsdienstleistungen rund 10 Mrd. DM schwer, fasst man das Jahrespotenzial von Strom, Gas, Wasser und Abwasser zusammen.

„An diesem Markt möchten wir mit einem erheblichen Anteil beteiligt sein“, nennt Reisgen sein Ziel. Allzu einfach in die Tat umzusetzen ist das jedoch nicht, wie Armin Pirkwieser, Geschäftsführer der VES GmbH, Gladbeck, versichert. „In Deutschland beispielsweise müssen wir als Datendienstleister bei vielen Energieversorgern hart argumentieren, denn sie sehen Abrechnungsleistungen auch im liberalisierten Markt noch oft als ihr Kerngeschäft an - ob es wirtschaftlich ist oder nicht.“ Dabei, meint er, sei für ein Stadtwerk mit 100.000 Kunden zum Beispiel eine hausinterne Abrechnung gar nicht wirtschaftlich umzusetzen. „Briten zum Beispiel denken da in anderen Dimensionen. Selbst das Ablesen und Abrechnen von drei Millionen Haushaltszählern kann hier zum Outsourcing-Projekt werden“, berichtet Pirkwieser über die hausinternen Erfahrungen.

In Großbritannien ist VES durch die Übernahme von Lowri Beck Ltd. in den Metering-Markt eingestiegen und bietet nun Services für die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswirtschaft an. Auch in Spanien konnte sich VES etablieren und offeriert von der Installation der Messgeräte über Wartung und Ablesung, Rechnungserstellung und Kundenmanagement alle relevanten Dienste.

Internationale Erfahrung ist einer der wesentlichen Eckpfeiler, auf denen Reisgen und Pirkwieser ihre Ziele aufbauen. Immerhin sei die VES AG der weltweit führende Spezialist für die verursachungsgerechte Abrechnung von Wasser und Wärme. Rund 740 Mio. DM Umsatz macht das Unternehmen im Jahr 2000 in 27 verschiedenen Nationen. „Wir möchten nun unsere Kompetenz, die wir auf anderen liberalisierten Märkten erarbeitet haben, auf den deutschen Markt übertragen“, sagt Vorstandsvorsitzender Michael I. Klein.

Zu diesen Erfahrungen gehört nicht zuletzt der Schluss, dass Deutschland eine effizientere Messtechnik benötigt. Pirkwieser zu den hiesigen Anforderungen an Stromzähler: „Wir wünschen uns einen Zähler mit einem guten Kosten- Nutzen-Verhältnis. Das muss kein Zähler gemäß VDEW-Lastenheft sein, damit verwertbare Daten vorliegen.“ Vom preiswerten Massenzähler sei Deutschland allerdings noch weit entfernt, denn die Vielfalt der gewünschten Spezifikationen macht den Herstellern eine kostengünstige Massenproduktion unmöglich. Was sich Pirkwieser wünscht, ist ein europaweit einzusetzender Zähler zu einem akzeptablen Preis, weswegen VES auch in engem Kontakt mit den Herstellern steht.

Wichtig sei, dass VES selbst weder Zähleranbieter noch Softwarehersteller ist, betont Vorstandsmitglied Reisgen. Als Zählerhersteller läge die Versuchung nahe, Service mit Hardware zu koppeln, und Softwarehersteller verbänden gerne einen Entwicklungsauftrag mit ihren Dienstleistungen, sagt er. VES hingegen könne herstellerneutral die jeweils passenden Komponenten für ein System auswählen.

Aber nicht nur in Sachen Zählerablesung und -management engagiert sich VES. Das Unternehmen bietet beispielsweise Netzbetreibern die komplette Abwicklung eigener und fremder Kunden an, und Industriekunden können von der verursachergerechten Abrechnung nach Kostenstellen profitieren. „Damit stellen wir wichtige Informationen für das Energiemanagement zur Verfügung“, meint Reisgen. Beratend sei das Unternehmen jedoch für keinen seiner Kunden tätig. „Wer Augen hat zu sehen, der sehe“, meint er. Die Interpretation, wo Einsparungspotenziale liegen oder ob ein Splitten des Verbrauchs in Grund- und Spitzenlast sinnvoll wäre, sei Sache des Kunden. VES hat sich zu strikter Neutralität verpflichtet, denn nur so könne sie für Energieversorger, Netzbetreiber, Händler und Energiekunden zugleich tätig sein.

Dass alle Daten - ob Zählerstände oder Durchleitungsdaten - vertraulich behandelt werden, ist selbstverständlich, ebenso die Datensicherheit. Pirkwieser zieht einen Vergleich heran: „Unser Rechenzentrum in Münster arbeitet nach ähnlichen Standards wie sie Dienstleister für Banken definieren.“ Redundante Datenhaltung an verschiedenen Orten gehört genauso zum Konzept wie das Pflegen und Updaten der verwendeten Hard- und Software.

Ob es bei den Dienstleistungen rund um Energiedaten bleibt, will Reisgen nicht beschwören. Möglicherweise gebe es in Zukunft eine Black Box, die Pay-TV, Energie und vielleicht Kommunikationsdienste abrechne, gibt er zu bedenken. „Ob wir dann neben den Energiedaten weitere Werte auslesen oder verarbeiten, spielt eigentlich keine Rolle.“ Hauptsache ist, es geht um verbrauchsorientierte Daten. (du)

Erschienen in Ausgabe: 11/2000