Der Markt ist reif für die nächste Generation

Anforderungen an Software für Energiedatenmanagement gewandelt

Umfassende und verzahnte Lösungen sind es, die der Markt braucht. Isolierte Energiedatenmanagement-Lösungen, die teilweise nicht mal Marktstandards beherrschen, gehören abgelöst. Der Autor erklärt, welche Anforderungen zeitgemäße EDM-Systeme erfüllen sollten.

23. Dezember 2003

Wie oft Prognosen ins Leere zielen, lässt sich auch am Beispiel EDM (Energiedatenmanagement) verdeutlichen: Eine Untersuchung des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) vor zwei Jahren kam zu dem Ergebnis, dass bis Ende 2001 ungefähr vier Fünftel der befragten Stadtwerke über ein - aus damaliger Sicht - funktionierendes EDM-System verfügen würden.

Praktische Erfahrungen im täglichen Marktgeschehen zeigen jedoch, dass wir auch heute noch weit von einem funktionierenden EDM-Markt entfernt sind. Immer noch sind zum Beispiel Anwender von Marktstandards in der Minderheit und auch die systemtechnisch-organisatorisch untersetzte Fähigkeit einer diskriminierungsfreien Handlungsweise aus Sicht der Verbundnetzbetreiber ist wenig verbreitet. Es ist also höchste Zeit für das Energiedatenmanagement der nächsten Generation.

Begonnen hat die EDM-Geschichte Ende der 90er mit dedizierten Softwaresystemen ohne logischen Bezug zur übrigen Datenwelt. Zu der Zeit hatten Netzbetreiber als erste Bedarf an EDM-Systemen gemeldet und daher wurde ihre Rolle vorrangig abgebildet. Die Software sollte vor allem zwei Sachen können: Das händlerscharfe Bilanzieren abbilden und die Marktkommunikation unterstützen. Außer Microsoft-Excel gab es damals noch keine Standards, und einheitliche Prozesse waren noch lange nicht verabredet.

Erste Anbieter solcher Lösungen waren oft Softwareschmieden für Netzleitstellen, Zählerfernauslesesysteme oder für das Management von Zeitreihen. Sie übertrugen ihre Sicht auf das damals noch neue Thema Energiedatenmanagement. So entstanden vielfach insulare Lösungen ohne organisatorische oder gar maschinelle Verknüpfung mit den zentralen IT-Systemen eines Energieversorgers. Technische und kaufmännische Datenverarbeitung existierten parallel zueinander.

Auch die fehlende Ausstattung geeigneter Datenmodelle war ein Grund dafür, dass EDM-Systeme nicht enger integriert wurden. Sogar noch heute existieren Vertragsverwaltungs- und -abrechnungssysteme, die hinsichtlich Zählpunktorganisation, Marktpartnerverwaltung und Netznutzungs- oder Mehr- und Mindermengenabrechnung nur wenig Unterstützung bieten. Daher können EDM-Systeme der ersten Generation nur selten diskriminierungsfrei eingesetzt werden, verwalten beispielsweise nur die Netznutzer und bieten keine rollengerechte Mandantentrennung. Damit sind gleichzeitig die Bilanzierungsfähigkeiten auf die Verwendung synthetischer Lastprofile reduziert; Prognosen können nur top down erfolgen. Eine maschinelle Unterstützung für den Kunden- oder Lieferantenwechsel fehlt ganz oder wird per Fax und Telefon erledigt. Entsprechend ist der Betrieb solcher Systeme mit einem hohen manuellem Aufwand verbunden. Hinzu kommt das Risiko von Inkonsistenz in der Datenhaltung und der Nachteil, auf die Verwendung von Marktstandards zu verzichten.

EDM-Systeme der Folgegeneration bilden hingegen eine logische Einheit mit modernen Softwaresystemen für die Vertragsverwaltung und -abrechnung (oft Billing-Lösung genannt). Hier steht die Klärung von EDM-relevanter Organisation und Prozessen beispielsweise vor der - häufig bereits beantworteten - Frage nach Bilanzierungs- oder Prognosemethodik.

Synchron zu den Prozessen des EVU-Vertriebs oder des Netzbetriebs können so alle Aufgaben des Energiedatenmanagements diskriminierungsfrei und rollengerecht sowie hochgradig automatisiert, stets konsistent sowie redundanzfrei hinsichtlich der Dateneingabe abgebildet werden.

Das komplette Vertragsmanagement für alle Marktpartner, das Generieren und Verwalten von Zählpunkten und das Beherrschen der Best-Practice-Methoden sind Funktionsbestandteile moderner Vertragsverwaltungs- und -abrechnungssysteme. Ergänzt werden sie um ein leistungsfähiges Energielogistik-System, bestehend aus Zeitreihenmanagement mit Funktionen zur Bilanzierung, Prognose, für das Fahrplan- und Bilanzkreismanagement sowie für die Marktkommunikation. Beide Komponenten bilden eine logische Einheit und sind über prozesssynchrone, bidirektionale Schnittstellen automatisch miteinander verbunden. Steht zum Beispiel die Abrechnung der Mehr- oder Mindermengen eines Händlervertrages an, so fordert das Billing-System automatisch und just in time die Ermittlung der entsprechenden Menge im Energielogistik-System an. Das zeitnah ermittelte Ergebnis wird dem Billing-System zur Verfügung gestellt, sodass die gewünschte Abrechnung abgeschlossen werden kann.

Moderne EDM-Lösungen dieser Art erfüllen also nicht nur die Marktregeln, sie sind auch konsistent sowie revisionssicher hinsichtlich der Datenhaltung und bieten angesichts steigenden Kostendrucks in der Energiewirtschaft auch die notwendige Effizienz, um die aus der Liberalisierung heraus entstandenen Aufgaben möglichst kostengünstig zu erledigen.

Die Schleupen AG, Moers, bietet mit den Modulen CS.VA (Vertragsabrechnung) und CS.EL (Energielogistik) zwei Softwarelösungen der nächsten Generation an. Beide Lösungen können aber auch mit Abrechnungs- oder Energielogistiksystemen anderer Hersteller gekoppelt werden, falls diese der gleichen prozessorientierten Geschäftslogik entsprechen.

Erschienen in Ausgabe: 10/2003