»Die Anwendung sucht sich die Batterietechnik, was zählt sind die TCO.«

Menschen

Speicher können für die Industrie einen Nutzen haben: Sie puffern für Maschinen gefährliche Netzschwankungen ab und glätten teure Lastspitzen, so Joachim Simonis, Leiter Vertrieb und Marketing bei Leclanché.

24. Juli 2014

Speicher sind hier grundsätzlich sinnvoll, weil man zum Beispiel weniger Energie bereitstellen muss und entsprechend weniger Verluste hat. Das trifft etwa auf den Betrieb von bordeigenen Kränen auf Frachtschiffen zu. In der Regel sind für die Stromversorgung von zwei Kränen drei Dieselgeneratoren an Bord. Die sind normalerweise alle in Betrieb, obwohl einer der drei nur bei Lastspitzen gebraucht wird. Mit einem Speicher könnte man die Zahl der Generatoren auf zwei reduzieren, wovon einer nur als Backup dient, während der Akku die Lastspitzen abdeckt.

Gibt es ein paar besonders gute Beispiele für Industrieanwendungen?

Besonders geeignet für Speicheranwendungen sind beispielsweise Industriebetriebe mit permanent laufenden Fertigungsmaschinen. Wir haben einen Kunden, der fertigt Kunstoffschläuche. Der Betrieb hat seinen Standort in einer Region mit relativ hohen Netzschwankungen. Wenn diese Schwankungen auftreten, fahren die Fertigungsmaschinen automatisch die Produktion herunter. Bis die Anlage wieder läuft, entstehen Verluste von 30.000 Euro. Mit einer Batterie können die Schwankungen ideal abgefangen und ein Herunterfahren der Anlagen verhindert werden.

Eine zweite sinnvolle Speicheranwendung ist das Kappen von Lastspitzen. Energie muss bereitgestellt werden; die Spitzen lässt sich der Versorger gut bezahlen. Wenn Anwender dies abdämpfen können, sparen sie damit eine Menge Geld ein.

Ein Kritikpunkt an der Lithium-Technik sind die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten. Wie gehen Sie damit um?

Hier werden oft Äpfel und Birnen verglichen. Wir sagen: Die Anwendung sucht sich die Batterietechnik. Was zählt sind die Total Cost of Ownership. Bei einer entsprechenden Anwendung kommen sie bei bis zu 15.000 Ladezyklen auf bis zu 12 Cent pro gespeicherte Kilowattstunde.

Für wie viele Ladezyklen sind ihre Lithium-Titanat-Akkus ausgelegt?

Für 15.000 Zyklen. Der DoD, also die Entladungstiefe, liegt bei 100 Prozent. Und sie sind für hohe C-Raten bis zu 4C geeignet.

4C heißt, dass das Laden beziehungsweise Entladen 15 Minuten dauert. Das ist wichtig zum Beispiel für den Betrieb von Speichern in Verbindung mit einer Solarstromanlage. Bleibatterien brauchen bis zu zehn Stunden für eine Vollladung. So eine hohe Sonnenscheindauer haben sie nur im Sommer. 100 Prozent DoD bedeutet, dass sie aus einer Batterie mit einer Kapazität von zehn kWh auch zehn kWh entnehmen können. Das ist nicht selbstverständlich. Zum Vergleich: Bleibatterien haben einen DoD von 50 bis 60 Prozent.

Wie sicher ist ihre Technik?

Wir verwenden einen keramischen Separator in den Zellen. Dadurch sind sie sicherer als andere Wettbewerbsprodukte. Sie können einen Nagel durch die Zelle schlagen, ohne dass etwas passiert.

Sie haben in Willstätt bei Offenburg ihre Fertigung für Lithium-Titanat-Batterien aufgebaut, die im April in Betrieb ging. Für welche Produktionszahlen ist das Werk ausgelegt?

Die Maschinen sind für eine Million Zellen jährlich ausgelegt. Die ersten größeren Speichersysteme wurden im Mai ausgeliefert. Unter anderem mehrere Tausend Zellen für einen Automobilhersteller, der mit den Zellen elektromobile Testfahrzeuge ausgerüstet hat. Im Laufe des Jahres plant das Unternehmen noch circa 100 Fahrzeuge zu fertigen.

Wie ist die Nachfrage ansonsten so?

Die kleinen Systeme sind seit Anfang Mai lieferbar, bislang wurden rund 50 verkauft. Bei den größeren Systemen haben wir unter anderem eine Anlage mit 25 kWh an den italienischen Energieversorger Enel geliefert. Mit der Uni Aachen gibt es Gespräche über ein System mit 600 Kilowattstunden.

Wie steht es mit der Amortisation in stationären Anlagen?

Da sind wir bislang noch auf Beispielrechnungen angewiesen. Wir fangen ja wie gesagt gerade erst an, die Anlagen auszuliefern. (mwi/hd)

Erschienen in Ausgabe: 06/2014