Die eigene Bank im Haus

ZAHLUNGSVERKEHR Mehr Transparenz über die Liquidität sprach u. a. für ein Inhouse Cash Management bei Vattenfall Europe.

21. Oktober 2005

Die Kernidee eines auf Basis von SAP CFM (Corporate Finance Management) realisierten Inhouse Cash Managements (IHC) ist einfach und bestechend. Statt sich für den Zahlungsausgleich zwischen Konzernunternehmen externer Banken zu bedienen, erfolgt der Zahlungsausgleich mittels IHC. Die von der Vattenfall Europe Information Services realisierte Lösung wurde durch die Entscheidung des Finanzbereichs für den Einsatz von SAP CFM als zentrales Finanzmanagementsystem ermöglicht. Damit werden alle Kernbereiche des Finanzmanagements abgedeckt einschließlich der konzerninternen Leistungsbeziehungen.

Eine große Herausforderung lag in der Schaffung eines einheitlichen SAP R/3 Konzern-Templates, das alle Anforderungen des neu gebildeten Vattenfall-Europe-Konzerns abdeckt. Dieses einheitliche Template war Voraussetzung, um eine Installation und optimale Nutzung von CFM und IHC zu ermöglichen.

Vor der Inbetriebnahme der Inhouse Cash Bank wurden der konzerninterne Zahlungsverkehr ebenso wie alle Abrechnungen mit dritten Geschäftspartnern über externe Bankverbindungen abgewickelt. Für die Verrechnung interner Leistungen wurden von der Konzern-Holding zusätzlich Sachkonten für Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber den Konzerngesellschaften vorgehalten, die mit den eingeschränkten Möglichkeiten der Sachkontenverzinsung im SAP-FI bearbeitet wurden.

Mit IHC-Einführung sollte im Wesentlichen die Transparenz der Abwicklung der konzerninternen Leistungsbeziehungen erhöht, eine Verringerung der Transaktionskosten erreicht und eine optimierte Liquiditätssteuerung des Konzerns durch das Wegfallen des effektiven Ausgleichs konzerninterner Rechnungen ermöglicht werden.

Zu den wesentlichsten Aufgaben einer Finanzzentrale zählen die nach innen gerichteten Serviceleistungen für die angeschlossenen Konzerngesellschaften sowie das aktive Agieren an den Finanzmärkten. Im Vattenfall Europe Konzern spielt die SAP-Lösung ihre Leistungsfähigkeit in beiden Bereichen und auf einer Plattform aus. Mit CFM ist eine Erfassung, Überwachung und Analyse aller externen Finanzgeschäfte einschließlich der Überleitung der relevanten Daten an die Finanzbuchhaltung möglich - mit IHC können überdies die konzerninternen Leistungsbeziehungen und daraus resultierenden Zahlungen einfacher, transparenter und kostengünstiger abgebildet werden.

Auf Basis vertraglicher Vereinbarungen wird die konzernweite Liquiditätskonzentration über externe Bankkonten ermöglicht. Zur Abwicklung der internen Zahlungen sind andere Verfahrensabläufe feselegt.

Für Sonderfälle, etwa die Anbindung der SAP-IS-U-Systeme, wurden im Vattenfall-Konzern für einige Gesellschaften zusätzliche IHC-Bankkonten angelegt. Sämtliche internen Zahlungen für bezogene Energieleistungen werden über diese speziellen Konten abgewickelt und können mit einem

separaten Kontoauszug direkt an die IS-USysteme per ALE-Schnittstelle weitergeleitet werden.

Die auf den im IHC geführten Kontokorrentkonten der Tochtergesellschaften gebuchten Forderungen und Verbindlichkeiten werden durch die Hauptbuchübergabe am Ende eines Tages im FI der Holding gebucht und realtime per ALE-Schnittstelle an das Core-System übertragen. Zusätzlich verschickt das Cash Center jeden Morgen per IDOC Kontoauszüge für die Tochtergesellschaften an dieses System.

Alle Gesellschaften erzeugen ihre konzerninternen Zahlungsaufträge und debitorischen Einzüge im Rechnungswesen des Core-Systems und versenden sie an das IHC. Hierzu ist im Stammsatz der Debitoren bzw. Kreditoren nur ein weiteres Bankkonto (hier das IHC-Konto) und ein IHC-Zahlweg zu hinterlegen.

Die SAP-Lösung erhöht die Transparenz über die Liquiditätssituation, verbessert die Liquiditätssteuerung und ermöglicht einen detaillierteren Überblick über alle konzerninternen Zahlungsströme. Überdies konnte eine Verringerung der Kontoführungsgebühren für externe Bankkonten erreicht werden. Aufgrund der Komplexität kommt dabei dem Projektmanagement große Bedeutung zu.

Trotz der engen Zeitvorgabe konnte das Projekt in der erforderlichen Qualität umgesetzt und die von der Finanzzentrale gewünschte

Effizienzsteigerung der konzerninternen Prozesse ermöglicht werden.

„Die Harmonisierung des konzerninternen Zahlungsverkehrs war eines der wesentlichen Ziele des Projektes. Mit dem Ergebnis können wir überaus zufrieden sein“, bilanziert Projektleiterin Sabine Raschke.

In-House-CashInterne Zahlungen

Für jede Gesellschaft im Vattenfall-Europe-Konzern wird ein eigenes Kontokorrentkonto im Inhouse-Cash-Managements (IHC) -Center der Holding geführt. Für diese Konten stehen alle Funktionen einer externen Bank einschließlich des Kontoauszugs zur Verfügung. Über Konditionen kann jedes Konto mit Zinsen, Gebühren und Wertstellungsregeln ausgestattet werden. Darüber hinaus sind weitere Funktionalitäten wie Daueraufträge, Lastschriften oder manuelle Zahlungsposten im IHC möglich.

Erschienen in Ausgabe: 10/2005