Die richtige Mischung

Die Deutsche Energie-Agentur Dena hat ein erstes Zwischenfazit aus ihrer Leitstudie Integrierte Energiewende gezogen und will damit Impulse für die Klimapolitik geben. Das Zwischenfazit ist das Ergebnis der ersten Phase der Studie.

10. Oktober 2017

Bis Mitte 2018 erarbeitet die Dena eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit wissenschaftlichen Gutachtern und über 50 Unternehmen und Wirtschaftsverbänden Rahmenbedingungen und Lösungen für ein nachhaltiges Energiesystem bis 2050. 

Impulse für Koalitionsverhandlung

"Unser Zwischenfazit soll Impulse für die politische Debatte geben, insbesondere für die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen und die Überarbeitung des Klimaschutzplans 2050", so Dena-Chef Andreas Kuhlmann.

"Wir bieten der Politik einen Einblick in die Sicht derer, die Energiewende und Klimaschutz in der Praxis umsetzen. Diese Sicht brauchen wir, wenn wir zu praktikablen, effizienten und breit akzeptierten Lösungen für eine integrierte Energiewende kommen wollen."

In der ersten Phase der Leitstudie haben die beteiligten Partner gemeinsam drei Szenarien definiert, inklusive der übergeordneten Parameter wie Bevölkerungswachstum, Zinssätze, Technologieentwicklung und Energiepreise. Außerdem wurden Entwicklungspfade der Sektoren Energieerzeugung und -verteilung, Gebäude, Industrie und Mobilität erarbeitet und gegenseitige Abhängigkeiten untersucht. In einer Modellierung hat man analysiert, wie die klimapolitischen Ziele erreicht werden können.

Ein Ergebnis des Zwischenfazits: Deutschland kann seine CO2-Emissionen bis im Jahr 2050 um bis zu 90 Prozent reduzieren, wenn heute bekannte Technologien in einem ambitionierten Transformationspfad optimal genutzt werden.

"Szenarien, die auf einen Technologiemix setzen, zeigen sich in der Dena-Leitstudie wirtschaftlicher und robuster als solche, die einseitig auf einen hohen Grad an Elektrifizierung setzen", so Kuhlmann.

"Dabei brauchen wir langfristig planbare Anreize für Energieeffizienz und CO2-Vermeidung, die durch eine grundlegende Reform des bestehenden Systems an Steuern, Abgaben und Umlagen erreicht werden müssen. Die Politik hat es in der Hand, in den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen die Weichen für einen solchen Kurs zu stellen."

Was getan werden muss

Einige Trends ziehen sich laut der Agentur durch alle Szenarien der Leitstudie: Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss auf sehr hohem Niveau fortgesetzt und die Energieeffizienz in Haushalten, Industrie, Gewerbe und Verkehr deutlich gesteigert werden. Es bedarf eines erheblichen Ausbaus der Infrastruktur, insbesondere im Stromnetz.

Die Anstrengungen in Forschung und Entwicklung müssten verstärkt werden, um Innovationen anzustoßen und zügig in den Markt zu bringen. Dies gelte insbesondere für diejenigen industriellen Prozesse, für die nach heutigem Stand der Technik keine klimafreundliche Alternative existiere.

Deutschland werde in jedem Fall darauf angewiesen sein, sich eng mit anderen Ländern auszutauschen: sei es, um Schwankungen im Netz auszugleichen oder klimafreundliche Energieträger zu importieren; sei es, um die Entwicklung der notwendigen Energiewende-Technologien voranzutreiben oder internationale Vereinbarungen zur CO2-Vermeidung für energieintensive Branchen oder Anwendungsbereiche zu erzielen.

Zweite Phase beginnt

In der zweiten Phase werden weitergehende Sensitivitäten modelliert und weitergehende Fragen bezüglich Plausibilität und Machbarkeit diskutiert, heißt es in der Mitteilung weiter. Dabei werde es auch darum gehen, Wege zu finden, wie die Reduktion der CO2-Emissionen weiter gesteigert werden kann bis auf 95 Prozent im Jahr 2050.

Das Ziel ist, die notwendigen Rahmenbedingungen, Lösungsbausteine und Gestaltungsmöglichkeiten für ein optimiertes, nachhaltiges Energiesystem bis 2050 zu identifizieren.

Das Papier "Zwischenfazit Dena-Leitstudie Integrierte Energiewende. Impulse und Erkenntnisse aus dem Studienprozess" ist hier auf den Seiten der Dena online verfügbar.