Einsparung bezahlt Invest

Technik

Hausautomation - Mit seiner Effizienz Lösung, die jetzt auch im Markt angeboten wird, erzielte Schleupen im eigenen Unternehmen Energieeinsparungen von rund 25 %.

29. November 2011

Da sich Nutzungsverhalten und realisierbare Einsparpotenziale nur in einem Langzeittest sinnvoll überprüfen lassen, entschloss sich die Schleupen AG, ihre neue Energieeffizienzlösung uControl in einem ersten Feldversuch am eigenen Unternehmenssitz im rheinländischen Moers einzusetzen.

Dort verfügt der Softwareanbieter für die Energiewirtschaft über eine passende Immobilie, die exemplarisch für den Testversuch ausgerüstet wurde. So konnte die neue Lösung vor der offiziellen Markteinführung auf Herz und Nieren geprüft werden.

Die Niederlassung in Moers befindet sich in einem 1993 erbauten Bürogebäude und verfügt dementsprechend über einen relativ modernen technischen Standard. Für den Praxistest wurden insgesamt rund 400 Geräte auf der gesamten Bürofläche verbaut. So stattete man die Heizkörper mit digitalen Thermostatreglern aus, die eine exakte Einstellung und Steuerung der Raumtemperatur ermöglichen.

Damit auch bei der Raumbelüftung nicht unnötiger Weise Energie verschwendet wird, bekamen die über den Heizkörpern befindlichen Fenster Kontaktschalter. Bei offenen Fenstern sind somit automatisch die Ventile an den Heizkörpern abgeregelt.

Nach Schließen der Fenster öffnen sich die Ventile wieder, bis die Räume die voreingestellte Temperatur erreicht haben. In vielen Räumen wurden darüber hinaus zusätzlich Raumthermostate für die zentrale Regelung der Raumtemperatur installiert. Gesteuert werden die Geräte über drei zentrale Gateways, die jederzeit einen Überblick über den Status sämtlicher im Einsatz befindlichen Geräte geben.

Den Einbau der Technik übernahm das unternehmenseigene Facility Management. Zu Beginn bestand dort Skepsis, dass die Montage der Geräte zu aufwändig und kompliziert sein könnte. Sie verflog bereits nach der Installation der ersten Thermostate. Sämtliche Ventile und Fensterkontakte ließen sich problemlos in die bereits vorhandene Haustechnik einbinden.

Begeistert war das Facility Management zudem von einem praktischen Zusatznutzen: Durch die Auswertung der Signale der Fensterkontakte über die zentrale Portalanwendung ist jederzeit ersichtlich, wo im Gebäude noch Fenster geöffnet sind. So bleibt über Nacht oder vor dem Wochenende kein Fenster offen.

Die Portalsoftware wird durch die IT-Abteilung von Schleupen betreut und läuft nach der Inbetriebnahme und anfänglicher Nachjustierung verschiedener Profile wie die meisten Verwaltungsanwendungen im Hintergrund. »Fachkenntnisse in der Datenverarbeitung sind beim Einsatz von uControl kaum gefragt«, so der Schleupen IT-Fachmann Ingo Krüger, der die Anwendung betreut.

Bei Bedarf hat er die Anwendung auch von zu Hause im Griff. Denn über eine gesicherte Verbindung lassen sich die im Einsatz befindlichen Geräte über das Internet überwachen und steuern. Seit der Inbetriebnahme des Systems musste lediglich ein einziges Thermostat aufgrund eines Defekts ausgetauscht werden. Ein Zeichen für den hohen industriellen Standard der Komponenten und ein wesentliches Qualitätskriterium für den breiten Einsatz dieser Technologie.

Einige Mitarbeiter hatten vor der Einführung einer zentralen Sub-Steuerung der Heizenergie bedenken, die Räume könnten dann nicht mehr über die jeweils gewohnte individuelle Komforttemperatur verfügen. Doch das zerstreute sich schnell. Denn durch eine Feinjustierung des Systems in der ersten Woche konnte den Räumen unterschiedliche Temperaturprofile zugewiesen werden, die allen geäußerten Wünschen gerecht wurden.

Als das Unternehmen im März 2011 die Gasrechnung für die abgeschlossene Heizperiode am Standort Moers erhielt, konnte Sascha Reif, Projektleiter für den uControl Einsatz, den Nutzen der Investition und Anwendung erstmals mit klaren Zahlen belegen.

So konnte der Gasverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 18% gesenkt werden. Ein überzeugendes Ergebnis, insbesondere wenn man es mit dem Heizverbrauch der anderen Niederlassungen in Baden Württemberg, Niedersachsen und Sachsen vergleicht. Denn hier lag der Energieverbrauch, vermutlich aufgrund des ungewöhnlich kalten Winters 2010/11 und der außergewöhnlich langen Heizperiode um durchschnittlich 10% über den Vorjahreswerten. Auf Basis der ermittelten Werte hält Sascha Reif durch den Einsatz von uControl eine Gesamtenergieersparnis von rund 25% bei der Heizenergie für realistisch.

Neben der Heizenergie sollte im Rahmen des Pilotprojekts auch der Stromverbrauch gesenkt werden. Deshalb statteten das Facility-Management zusätzlich Geräte, die keine eigene Stand-By-Regelung für die Stromversorgung haben, mit schaltbaren Steckdosen aus. Auf die Frage nach Verringerung des Stromverbrauchs kann der Projektleiter aber keine konkreten Zahlen nennen. Denn da die schaltbaren Steckdosen nur an wenigen Stellen verbaut wurden und gleichzeitig sehr große Strommengen für die unternehmensinterne IT bezogen werden, konnten die sicher erzielten Einsparungen in der Gesamtmenge nicht identifiziert werden.

Komplettlösung für Stadtwerke

Dennoch ist Dr. Volker Kruschinski als Vorstand der Schleupen AG mit den erzielten Ergebnissen des Feldtests gleich in mehrfacher Hinsicht zufrieden. »Wir haben den Energieverbrauch und damit unsere CO2-Emissionsmengen nachhaltig vermindert. Dies ist ein messbarer Beitrag zum Klimaschutz.« Gleichzeitig konnte der Softwareanbieter aber auch die Betriebskosten am Standort Moers deutlich senken, so dass sich die Investitionen bereits in zwei bis drei Jahren komplett refinanzieren lassen.

Vor allem aber liefern die Erfahrungen aus dem Langzeittest eine fundierte Grundlage, um die Energieeffizienzlösung uControl zukünftig den Unternehmen der Versorgungswirtschaft als Komplettlösung für ihre Kunden anzubieten. Denn die Stadtwerke verfügen aufgrund ihrer langjährigen Kundenbeziehung und -nähe über gute Voraussetzungen, um sich im zurzeit stark entwickelnden Energiedienstleistungsmarkt erfolgreich zu etablieren.

Sämtliche Bestandteile der Lösung uControl lassen sich über einen in den Internetauftritt des Versorgers eingebetteten Online-Shop bestellen, der zurzeit entwickelt wird. Das Branding der Komponenten kann im Corporate Design der Stadtwerke erfolgen. Um den eigenen Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten, kann die Logistik zur Auslieferung der durch den Endkunden bestellten Komponenten über Schleupen direkt erfolgen. In Kombination mit dem neuen Energieeffizienz-Portal des Softwareanbieters, mittels dem Einsparpotenziale in den eigenen vier Wänden identifiziert werden können, eröffnet sich den EVU eine Möglichkeit, ihren Kunden eine Komplettlösung aus einer Hand und eigenem Branding anzubieten.

Fragen rund um den Onlineberater werden dabei durch den Kooperationspartner co2online abgewickelt, so dass die Versorger keine eigenen Ressourcen für die Recherche, Aktualisierung und Beratung aufbauen müssen. Das Portalhosting wird von einem spezialisierten Rechenzentrum übernommen, das die Hochverfügbarkeit im 24/7 Betrieb auch außerhalb der Geschäftszeiten der Stadtwerke sicherstellt. Neue Portalfunktionen und Firmwareupdates werden den EVU und deren Endkunden auf diesem Weg automatisiert zur Verfügung gestellt, so dass die Unternehmen für diese Aufgaben keine eigenen Ressourcen aufbauen müssen.

Erschienen in Ausgabe: 10/2011