Elektromobil in Rhein-Ruhr

Spezial

Modellregion - Nordrhein-Westfalen will sich zur ersten großräumigen Region für Elektromobilität in Europa mausern. Eifrig geforscht wird schon in verschiedenen Projekten, aktiv ist auch die Modellregion Rhein-Ruhr mit Schwerpunkten im Bereich Nutzfahrzeuge und ÖPNV.

01. August 2011

Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen rollen, davon mindestens 250.000 in Nordrhein-Westfalen. Grundlage aller Aktivitäten des Bundeslandes ist der ›Masterplan Elektromobilität Nordrhein-Westfalen‹ mit Empfehlungen für den Auf- und Ausbau von Forschung und für die Ansiedlung von Produktionskapazitäten. Ein Ziel ist, NRW zur ersten großräumigen Modellregion Europas aufzubauen.

Unter anderem engagiert sich das Land mit dem Förderwettbewerb Elektromobilität, für den bis zu 60Mio.€ Landes- und EU-Mittel bereitstehen. Auch wurden Kompetenzzentren für Batterie (Fokus Münster), Fahrzeugtechnik (Fokus Aachen) und Infrastruktur & Netze (Fokus Dortmund) eingerichtet. Zahlreiche Forschungsinstitute sind in Projekte eingebunden: So arbeitet Professor Thilo Röth von der FH Aachen derzeit im Projekt ec2go an einem Mobilitätskonzept für E-Car-Sharing. »Vor allem junge Menschen suchen sich die gerade am besten passende Mobilität aus. Da können Car-Sharing-Konzepte gut greifen«, sagt er. Das Projektteam setzt grundlegend an und entwickelt auch passende Fahrzeuge neu.

Mit ›e-mobility‹ und ›Smart Wheels‹ nehmen außerdem gleich zwei Projekte aus NRW am Forschungsprogramm ›IKT für Elektromobilität‹ der Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt teil. Nicht zu vergessen: Die Region Rhein-Ruhr bildet eine der größten von bundesweit acht vom Bundesverkehrsministeriumgeförderten ›Modellregionen Elektromobilität‹.

In der ersten Phase starteten hier acht Projekte: E-mobil NRW entwickelt im Stadtwerke-Verbund neue innerstädtische Mobilitätskonzepte. E-Aix beschäftigt sich mit AuswirkungenvonE-MobilityaufdieNetze, das regionale Verkehrsgeschehen und städtische Infrastrukturen. Weitere Projekte konzentrieren sich etwa auf den Hybridbuseinsatz, oder auf E-Mobilität im Pendlerverkehr (Stromschnelle).

Im Projekt ColognE-Mobil der Modellregion liegt ein Schwerpunkt auf der city-Logistik. Beteiligt sind die Partner Ford, Rheinenergie, die Stadt Köln und die Universität Duisburg-Essen. Je zehn Ford Transit und Transit Connect sind unter anderem bei Kurier-, Express- und Paketdiensten, bei Entsorgern und Stadtwerken im Einsatz.

Internationaler Austausch

Erste Ergebnisse zeigen, dass der tatsächliche Aktionsradius selten ausgeschöpft wurde: »Die Batterieladung bei E-Fahrzeugen im Stadtverkehr kann bei typischen Anwendungen für rund drei bis vier Tage reichen«, resümiert Marco Albrecht, Projektleiter der Modellregion Rhein Ruhr von der EnergieAgentur.NRW. Rund 1.500 Mal wurde auf den Betriebshöfen beteiligter Unternehmen geladen, zirka 500 Mal an öffentlichen Säulen. »Bei der Ladeinfrastruktur wird so ein bedarfsgerechter Ausbau im Vordergrund stehen, kein flächendeckendes Netz.«

Dem Ziel von 200 Fahrzeugen in der gesamten Modellregion bis Ende der ProjektphaseI nähert man sich langsam an: Im Juli waren 165 Fahrzeuge im Praxistest, davon 89 PKW, 21 Nutzfahrzeuge, 23 Busse und 32 Zweiräder. Außerdem sind 345 Ladepunkte installiert. »Zu Beginn der Projektlaufzeiten war eine ausreichende Anzahl von E-Fahrzeugen nicht vorhanden«, stellt Albrecht die anfänglichen Herausforderungen dar. So musste auf andere Fahrzeuge ausgewichen werden. »Nahezu alle Projekte haben eine zwei- bis dreimonatige Verlängerung beantragt.«

Mit dem Start der PhaseII im September sollen die Themen Wirtschaftsverkehr, ÖPNV, Wohnen und Mobilität sowie Internationalisierung im Fokus stehen. Die Modellregion hat aktuell ein Austauschprogramm mit der E-Mobility-Region Wuhan in China. Außerdem ist ein Austausch mit den Niederlanden geplant, unter anderem zu dem Thema Roaming beim Laden.

Erschienen in Ausgabe: 06/2011