Medienbrüche beseitigt

Salzburger Stadtwerke setzen auf Smallworld GIS 3 on Oracle

Intelligente IT-Lösungen, die technische und kaufmännische Geschäftsprozesse ohne Medienbrüche und Redundanzen integrieren, schaffen echte Kostenvorteile. Ein auf räumlichen Daten basierendes, offenes Netzinformationssystem (NIS) bietet dabei meist den strategisch sinnvolleren Ausgangspunkt als jede kaufmännisch-administrativ ausgelegte Enterprise Resource Planning (ERP)- Lösung.

10. April 2001

Die Salzburger Stadtwerke als Querverbundunternehmen mit den Sparten Strom, Gas, Wasser, Fernwärme, Verkehr und Telekom versorgen rund 150.000 Menschen in einem Gebiet von rund 120 km2. Das Unternehmen betreibt seit 1989 eine Abteilung für geographische Datenverarbeitung (GDV) und hat heute die Versorgungsnetze weitestgehend digital erfasst. Ebenso sind eine Naturbestandskarte in der Stadt Salzburg und in den Umlandgemeinden sowie aktuelle, hochauflösende Orthophotos verfügbar. Darüber hinaus können die Stadtwerke Salzburg auf die digitale Katastralmappe (DKM) im gesamten Versorgungsgebiet zugreifen.

Diese wertvollen geographischen Datenbestände galt es nun mit Betriebsmitteldaten und kaufmännischen Daten zu verknüpfen und diese unternehmensweit zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Zielsetzung wurde Mitte 1998 eine NIS- Projektgruppe, bestehend aus Mitarbeitern der einzelnen Sparten sowie der Abteilungen DV und GDV, Betriebswirtschaft und Kundenservicecenter eingerichtet, die ein geeignetes System auszuwählen, ein Pilotprojekt durchzuführen und die unternehmensweite Einführung eines neuen NIS zu betreuen hatte.

Nach EU-weiter Ausschreibung und Präqualifikation durch die NIS-Projektgruppe wurden fünf GIS-Anbieter in mehrtägigen Workshops auf Herz und Nieren geprüft. Schwerpunkte der Bewertung waren, neben den Fachschalen, übergreifende Fragen zu Datenhaltung, Standards, Flexibilität und Ergonomie, aber auch das Team des zukünftigen Partners.

Nach dem Auswahlverfahren und der nachfolgenden Angebotslegung fiel die Wahl auf das Produkt Smallworld GIS mit den Fachschalen Strom, Wasser, Gas, Fernwärme und Telekommunikation. Daraufhin wurde die Smallworld Systems GmbH im September 1999 als Generalunternehmer mit der Durchführung des sechsmonatigen Pilotprojekts beauftragt.

Nach dem Kick-Off im Oktober 1999 wurde Hard- und Software installiert. Die Schwerpunktthemen des Pilotprojekts beinhalten unter den Arbeitstiteln NIScompact, NISsupport und NISservice einen Großteil der Aufgaben, die in Zukunft auf die Nutzer des bei den Salzburger Stadtwerken eingesetzten NIS zukommen.

NIScompact umfasst die Schwerpunkte Migration und Erfassung. Hier sollen in einem 825 x 500 m großen Testgebiet, wo die Dichte der verlegten Leitungsanlagen besonders hoch ist, vorhandene Daten migriert beziehungsweise Erfassungswerkzeuge getestet werden.

Zügige Migration der relevanten Datenbestände

Unter dem Arbeitstitel NISsupport wird das Thema geographische Analyse behandelt und beispielhaft ein Schadenskataster auf der Grundlage des bereits vollständig erfassten Gasnetzes erstellt. Getestet wird dabei nicht nur die Migration der Netzdaten auf Basis einer Übersichtskarte, sondern auch die Generalisierung, netztopologische Funktionen, sowie der Bereich Rasterdaten und Orthophotos als geodätische Referenz und Orientierungsgrundlage.

Mit NISservice erfolgt der erste Schritt zum integralen SRP(Spacial-Resource-Planning)- System für EVU. Schwerpunkt der Arbeiten bildet hier zunächst die Visualisierung von Sachdaten aus dem Kundeninformationssystem der Salzburger Stadtwerke nach räumlichen Gesichtspunkten.

Nach der Grundlagenschulung und der Schulung in den Fachschalen im Oktober 1999 wurden bereits im November die für die Migration erforderlichen Abbildungsvorschriften definiert. Gleichzeitig wurden im Testgebiet die DKM in die Fachschale-DKM, der Naturbestand in Oracle-Spatial und Orthophotos und die ÖK50 in den Datenbestand- Raster übernommen. Ebenso übernommen wurden die Leitungsbestände in das generische Modell, das die Basis für die Migration bildet.

Mit Blick auf die Zukunftssicherheit der Investition lautete eine der Forderungen der NIS-Projektgruppe, auf Standards und Offenheit zu setzen. Im konkreten Fall galt es, den Naturbestand in Oracle-Spatial abzulegen. Dieses vom OpenGIS-Consortium (OGC) definierte Speicherkonzept für raumbezogene Daten wird von Oracle als Datenbankhersteller unterstützt. Als offene Plattform bietet Smallworld 3 die Möglichkeit der Datenhaltung in Oracle SC. Da der Nutzer mit Standardwerkzeugen, zum Beispiel mit dem Oracle-SDO Java Visualizer/Analyzer, auf Oracle-Spatial-Datenbestände zugreifen kann, wird in Salzburg zukünftig der Datenaustausch mit externen Stellen wie dem Magistrat der Stadt problemlos erfolgen können.

Daten werden in Oracle abgelegt

Alle anderen Daten sind ebenfalls in Oracle abgespeichert, die Versorgungsnetze der Sparten ebenso wie die Sachdaten. So ist es möglich, beispielsweise auf die Sachdaten mit jedem SQL-fähigem Softwaretool zuzugreifen und die erforderlichen Abfragen und Auswertungen zu fahren. Bis zum Ende des ehrgeizigen Pilotprojekts, Ende März 2000, sind dann auch alle Versorgungsleitungen der Sparten in die Fachschalen migriert, und im Bereich Gas das gesamte Netz für die Realisierung des Schadenkatasters.

Ein weiteres wichtiges Thema lautet GeoMarketing: Bereits im Zuge des Pilotprojektes werden georeferenzierte Karten und soziodemographische Daten verknüpft, um in Zukunft schneller auf die sich ständig verändernde Marktsituation reagieren zu können und den Vertrieb optimal mit GIS zu unterstützen. Bis Mitte 2000 soll Smallworld 3 bei den Stadtwerken Salzburg unternehmensweit zum Einsatz kommen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2000