Nun zum Wetter ...

Erneuerbare – Wettervorhersagen sind das A und O für den modernen Stromnetzbetrieb. Wetterexperten, die der Konkurrenz voraus sind und zutreffende Prognosen erstellen, können viel Geld verdienen. In der Branche herrscht kreatives Treiben.

25. März 2019
Nun zum Wetter ...

Die Bilder von Wind und Regen am Karnevalsmontag in weiten Teilen Deutschlands bringen es auf den Punkt: Das Wetter prägt das Leben auf der Erde. Das gilt auch für die Stromversorgung. Der Anteil der Erneuerbaren steigt sukzessive an, entsprechend gewinnt der Einfluss des Wetters bei der Stromproduktion an Gewicht. Voriges Jahr lieferten die PV-Anlagen bundesweit Strom in Rekordmengen aufgrund des trockenen Frühjahrs und des heißen Sommers. Mehrere Sturmtiefs trieben die Onshore-Windproduktion auf Höchstwerte bei der Tagesproduktion. Sowohl bei diesen Extremen als auch bei Normalwetter gilt: Wettervorhersagen für den nächsten Tag, die nächste Woche oder den nächsten Monat sind heute essenziell für den Netzbetrieb bundesweit.

Der Monitor erfasst die aktuelle Situation von Einspeisemanagement-Maßnahmen.

— Ubimet

Die Betreiber sind darauf angewiesen, wenn sie die Planung für den ausgewogenen Netzbetrieb im Sinne einer Parität von Erzeugung und Verbrauch machen. Die Wetterbranche ist daher in einer komfortablen Situation: Neuerungen und Innovationen, die die Zuverlässigkeit der Wettervorhersage erhöhen, sind höchst Willkommen am Markt in Deutschland und anderswo.

Einspeisemanagement

Einspeisemanagement

Ein Beispiel für innovative Produktentwicklung ist das System ›Einsman‹ von Ubimet aus Wien. Das Unternehmen hat sowohl ein Monitoring der aktuellen Einsman-Maßnahmen als auch eine Prognose zu erwartender Abregelungen entwickelt. Der Monitor erfasst die aktuelle Situation von Einspeisemanagement-Maßnahmen in Deutschland. »Ubimet verknüpft dafür die Informationen der anlagengenauen Echtzeit-Veröffentlichungen über Einsman-Maßnahmen der Verteilnetzbetreiber mit anlagengenauen Analysen der EE-Erzeugung und aktualisiert diese Informationen alle 15 Minuten«, so das Unternehmen. Die Prognose geht noch einen Schritt weiter und liefert Vorhersagen des zu erwartenden Einspeisemanagements. Ubimet liefert damit Informationen, wann und wo es zu Netzengpässen kommen wird und wie viele EE-Anlagen abgeregelt werden, um den Netzengpass zu beseitigen. »Als Grundlage dienen anlagengenaue EE-Prognosen, gemeindescharfe Lastprognosen sowie die Netztopologie. Modellgestützt wird antizipiert, welche Maßnahmen der Netzbetreiber zur Reduzierung der Netzbelastung im Intraday oder Day-Ahead vornehmen wird«, heißt es in der Produktbeschreibung.

Forschung

Energy & Meteo aus Oldenburg arbeitet schon an der nächsten Generation des prognosebasierten Einspeisemanagements. Das Unternehmen nimmt am Forschungsprojekt Geowisol 2 teil. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Belastung des Übertragungsnetzes im gegenwärtigen Ausbauzustand erneuerbarer Energien sowie für verschiedene Zubauszenarien zu analysieren und zu bewerten. Zu diesem Zweck wird die im Vorgängerprojekt Geowisol aufgebaute Datenbank der regional aufgelösten Einspeisung erneuerbarer Energien aktualisiert und um die Netzstruktur erweitert.

Energy & Meteo bereitet in diesem Zusammenhang die notwendigen Daten für die regional hoch aufgelöste PV-Einspeisung sowie die Strukturdaten des Übertragungsnetzes für die Arbeiten im Projekt auf, so das Unternehmen. Darüber hinaus überträgt die Firma die geografisch ebenfalls hoch aufgelösten Daten aller Erzeugungsarten und des Verbrauches auf die bestehende Netztopologie. »Erst dadurch wird eine Abschätzung der Energieflüsse über bestehende und geplante Leitungen in den verschiedenen Ausbauszenarien möglich«, sagt Thomas Klose, Projektleiter bei Energy & Meteo.

Nach seinen Worten wird im Projekt ein Tool geschaffen, um Szenarien des Ausbaus fluktuierender Erzeuger den Szenarien des Netzausbaus gegenüberzustellen und zu bewerten, ob das gewählte Netzausbauszenario den Anforderungen, die der analysierte Zubau erneuerbarer Energien stellt, genügt. hd

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 34 bis 35