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Same für den Klimaschutz

Management

Quartierskonzepte - Was im Kleinen beginnt, kann sich ausbreiten und fortwirken. So können auch Quartiere als eine Art Keimzelle der lokalen Energiewende fungieren.

28. Mai 2018

Städte und Kommunen stehen bei Energie und Klimaschutz vor großen Herausforderungen. Zugleich bietet die urbane Energiewende große Potenziale für Fortschritt, Klimaschutz und Lebensqualität«, so Andreas Kuhlmann, Chef der Deutschen Energie-Agentur Dena. Diese hat Anfang 2018 eine Studie zur urbanen Energiewende gestartet. Eine Vorstudie zeigt laut Dena, dass der größte Teil der deutschen Kommunen den Klimaschutz bisher nur bedingt angehen kann. Positiv sei, dass die Kommunen neuen Technologien offen gegenüber seien und innovative Projekte besonders auf Quartiersebene entstehen.

»Im Bereich Quartier – als kleiner geschlossener, städtischer Bereich – kann man die Energiewende für Bürger erlebbar machen. Im Vergleich zu sehr abstrakten Klimaschutzkonzepten, die in der Vergangenheit im Trend lagen, und viel zu große Areale betrafen, bewegen wir uns in Quartieren in der realen Welt«, sagt Andreas Franke, Geschäftsführer der VNG Viertelenergie.

Das Unternehmen ist in diesem Bereich tätig und arbeitet seit August 2017 gemeinsam mit Tilia an entsprechenden Quartierskonzepten. Dabei gehe es den beiden Unternehmen darum, einen Prozess ins Rollen zu bringen, der von den Menschen vor Ort getragen wird und nachhaltig ist, also über ihre Arbeit hinaus weiterwirkt, so Alexander Redeker. Er ist Kooperationspartner von VNG Viertelenergie sowie Gründungsgesellschafter und Prokurist von Tilia.

Ein Beispiel für solch ein Quartier als Startpunkt der lokalen Energiewende ist Querfurt Süd, wie Redeker erläutert. »In Querfurt Süd hat man es wirklich geschafft ein Quartier zu modernisieren und die Energiewende vor Ort erlebbar gemacht.« 2009 stand die Fernwärmeversorgung des Ortes vor vielen Herausforderungen. Der Rückgang der Bevölkerung führte zu sinkendem Wärmeverbrauch, die Gebäude wurden und mussten modernisiert werden und steigende Gaspreise forderten eine neue Lösung.

»Die Frage, die sich uns in Querfurt stellte, war, wie schaffen wir es, die Energiewende voran- und neuen Drive hineinzubringen?« Bevor Tilia gestartet sei, hätten die Kommune und ihre Partner bereits viele projektbezogene Lösungsvorschläge konzipiert, ohne sie umzusetzen. »Wir sind anders herangegangen und haben mit der Stadt und der Wohnungsbaugesellschaft Ziele definiert. Den Beteiligten war es dabei sehr wichtig, die Preise zu stabilisieren und CO2 einzusparen.«

Erst in einem der nächsten Schritte habe man die Technik betrachtet und an den Zielen ausgerichtet. Bei einem Bewertungsverfahren setzte sich der Bau einer Biogasanlage durch, da der Einsatz lokaler erneuerbarer Rohstoffe den größten regionalen Mehrwert und preisliche Stabilität versprach. Außerdem wurde eine neue kommunale Fernwärmegesellschaft gegründet und das Wärmenetz ausgebaut.

Unter anderem konnte der Wärmepreis damit um rund 30 Prozent gesenkt werden. »Bestehende Kunden wurden mit sehr guten Preisen weiter gebunden, die Zufriedenheit mit ihrem Energieversorger erhöhte sich wieder und neue Kunden konnten hinzugewonnen werden.«

Ein wirkliches Novum sei die Erschließung eines Baugebiets von mehreren Einfamilienhäusern gewesen. »Hier haben die Anwohner von Anfang an die Fernwärme als ökologisches und ökonomisches Grundsystem akzeptiert.« Querfurt Süd stehe exemplarisch für eine lokale Energiewende und nachhaltige Stadtentwicklung, die von den Menschen vor Ort getragen wird.

Individuelle Konzepte

»In Querfurt wurde nicht einfach ein Projekt umgesetzt und fertiggestellt, sondern hier wächst und gedeiht etwas weiter. Deswegen wird nunmehr im zweiten Schritt ein Quartier in Thalgarten umgesetzt.« Aktuell prüfe man erste technische Ideen, wie ein Blockheizkraftwerk, Elektromobilität oder dezentrale Ansätze, mit denen ganze Gebäude energieeffizienter werden sollen.

Weiche Ziele, wie Ökologie oder lokale Wertschöpfung und harte Ziele, wie technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit bestimmen die Entscheidungsfindung, erläutert Redeker. »Letztendlich betrachten wir den Faktor Wirtschaftlichkeit immer im Sinne einer sich für alle Akteure rechnenden Investitionsentscheidung. Jede Idee wird bewertet und hinsichtlich hohe/niedrige Wirtschaftlichkeit und hoher/niedriger Zielbeitrag beurteilt.«

»Quartierskonzepte sind individuell, weil Zielstellungen, Rahmenbedingungen und auch die handelnden Akteure immer unterschiedlich sind. Ein Standardrezept für Quartierslösungen gibt es nicht. Jedoch eine optimale Herangehensweise«, so Franke.

Mit Begeisterung zum Erfolg

»Als VNG Viertelenergie nehmen wir uns Zeit, mit den Akteuren zu sprechen. Jede Idee wird aufgegriffen und diskutiert.« Man prüfe die Varianten hinsichtlich der konkreten Ziele, bevor man in die Konzeptionsphase gehe. Erst dann komme die Technik ins Spiel. »Unsere Methode ist nicht neu. Doch die Realität sieht anders aus. Oftmals werden Themen auf die Agenda gesetzt, ohne dass die Akteure eine Vorstellung haben, wo ihre Reise hingehen soll.«

Die größte Herausforderung von Quartierskonzepten als Startpunkt lokaler Energiewende liege darin, die Menschen zu begeistern und mitzunehmen. »Erst wenn sie sich auf die neuen technischen Möglichkeiten im Quartier einlassen und sie auch nutzen, funktioniert kommunaler Klimaschutz.«

Wichtig für den Erfolg ist nach Auffassung Redekers auch die Vorbildfunktion der kommunalen Akteure. »Denn diese sind immer Teil der Lösung in Quartieren.« Außerdem sollten alle Akteure angehört und es sollte transparent kommuniziert werden. Bei der Bewertung sei es sinnvoll, alle Ideen nach umweltgerechten und wirtschaftlichen Aspekten zu bewerten und nicht vorab schon eine Vorauswahl zutreffen.

»In der Vergangenheit wurden viele Konzepte geschrieben und projektiert, jedoch nie umgesetzt. Das erzeugte großen Frust. Diese Veränderungsmüdigkeit auszuhebeln und die Begeisterung für einen Neuanfang zu wecken, macht einen wesentlichen Teil unserer Arbeit aus«, berichtet Franke aus dem Alltagsgeschäft.

Man leiste viel Überzeugungsarbeit. »Das gelingt uns, weil wir gleichzeitig Kümmerer, Zuhörer und Umsetzer sind. Wir begleiten unsere Akteure vom Konzept über die Realisierung bis hin zur Vernetzung von Einzelprojekten und der Fördermittelakquise. Diese Umsetzungskompetenz überzeugt die Akteure.« mwi

Erschienen in Ausgabe: Nr. 05 /2018