Dossier: Finanzierung

Sparen ist immer gut

Energieeffizienz: Ob Klimaschutz oder Energiewende, dem Verhältnis von Input zu Output kommt eine Schlüsselrolle zu. Damit aus Theorie Praxis wird, steht viel öffentliches Geld bereit.

12. November 2018
Sparen ist immer gut
(©FM2 – stock.adobe.com)

Die Bundesregierung fördert Energieeffizienzinvestitionen in der Industrie mit Milliardensummen. Im ersten Halbjahr 2018 umfasste der KfW-Schwerpunkt Energieeffizienz & Erneuerbare Energien bei gewerblichen Kunden ein Zusagevolumen von 4,2 Mrd. €, womit die Zusagen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau liegen, so die KfW. Im Vorjahreszeitraum betrug das Zusagevolumen sogar 5,4 Mrd. €, heißt es. Das Förderprogramm umfasst drei Bereiche: Industrie, Gebäude und Abwärme. Den Angaben zufolge nutzt beispielsweise die Flensburger Brauerei immer wieder Förderkredite der KfW, um den Energieverbrauch zu senken. 2015 setzte die Brauerei in Deutschland 520.000 Hektoliter ab. Das Unternehmen verkauft sein Bier auch in den USA und in China. Irgendwann stießen die vorhandenen Abfülllinien an ihre Grenzen, heißt es in einer Projektbeschreibung der KfW. Der Engpass sollte durch Umzüge und Umbauten im Haus gelöst werden.

Fakt

Efficiency First

In Energieeffizienz-Rankings belegt Deutschland meist vordere Plätze. Trotzdem wird das Land die für 2020 gesteckten Effizienzziele verfehlen. Die Erwartungen in den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz haben sich bislang nicht erfüllt. Vorhaben wie die Steuerförderung für Eigenheimsanierer hängen seit Langem in der Schwebe. Wenn die Bundesregierung Deutschland tatsächlich zur effizientesten Volkswirtschaft der Welt machen will, muss sie endlich handeln, kritisieren Experten. Gefordert wird das Prinzip ›Efficiency First‹ mit Sektor übergreifenden Maßnahmen. (hd)

Lagerumbau

Eine zentrale Rolle spielte ein 1980 errichtetes Gebäude, das bisher als Lagerhalle genutzt wurde, heißt es in einer Projektbeschreibung der KfW. Demnach ließ die Brauerei das Dach des Gebäudes hochwertig dämmen und eine moderne Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung einbauen. »Das zahlt sich heute aus«, so die KfW. Der Grund: In Produktionshallen braucht die Brauerei eine stete Frischluftzufuhr. Durch die Modernisierung der Technik konnte das Unternehmen die Energieverluste bei der Fischluftversorgung verringern. Weniger Energieverbrauch bedeutet auch mehr Klimaschutz: Um 30 Tonnen CO2 wird die Umwelt jährlich entlastet, allein durch die Sanierung der Halle, für welche die Flensburger Brauerei den Angaben zufolge einen KfW-Kredit in Höhe von 714.000 € nutzte.

Im Laufe der Planungen zeigte sich auch an anderer Stelle ein enormes Sparpotenzial – bei der Förderanlage, die Produktions- und Lagerhallen miteinander verbindet. Sie befindet sich in einem 70 Meter langen Tunnel, der quer unter einer Straße verläuft. Die Anlage war in die Jahre gekommen. Die Brauerei entschloss sich, die Tunneltechnik zu modernisieren. Sie investierte vor allem in Transportwandmotoren der EE4-Norm, Förderbänder sowie intelligente Steuerungstechnik. Auch dafür beantragte die Brauerei einen Förderkredit, in diesem Fall aus dem KfW-Energieeffizienzprogramm Produktionsanlagen/-prozesse. Dadurch standen dem Unternehmen weitere 700.000 € zur Verfügung, die aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie stammen.

Energiemanagement

»Durch die neue Förderanlage spart die Flensburger Brauerei jährlich 16.300 kWh Strom, etwa 30 Prozent des bisherigen Stromverbrauchs« so die KfW. Die Anlage im Tunnel ist den Angaben zufolge ein weiterer Baustein im systematischen Energiemanagement, das die Traditionsbrauerei seit Jahren betreibt.

Förderkredit

Für Förderung und Finanzierung nutzte sie Kredite des KfW-Energieeffizienzprogramms – Energieeffizient Bauen und Sanieren (276) sowie des Programms Produktionsanlagen/-prozesse (292). Finanzierungspartner der Brauerei war die Nord LB. Beide Programme beginnen ab 1 % effektiver Jahreszins. Programm 276 richtet sich an Unternehmen jeder Größe und Freiberufler und ist für Neubau und Sanierung von Gewerbegebäuden gedacht; gewährt wird ein Kredit mit bis zu 17,5 % Tilgungszuschuss.

Programm 292 richtet sich an Unternehmen jeder Größe und Freiberufler und unterstützt Neuinvestitionen und Modernisierungen im In- und Ausland. Gewährt wird Kredit bis zu 25 Mio. € pro Vorhaben. hd

Erschienen in Ausgabe: 09/2018