E-Auto

Vertrauen auf Datenblöcke

Wie Blockchain die Mobilität der Zukunft vereinfacht, zeigt ein Prototyp von Bosch und EnBW. So sollen E-Autos die besten Ladegeschäfte für Fahrzeugbesitzer abschließen.

19. Juli 2019
Elektroauto - Elektromobilität - Ladestation - Verkehrsschild
(Bild: elektronik-zeit – stock.adobe.com)

Wie hilfreich Echtzeitdaten sein können, erfahren Autofahrer, wenn es sich auf der Strecke staut. Dank Internet und intelligenter Navigationssysteme kommen sie schneller ans Ziel. Auch das Laden von Elektroautos und Parken in Innenstädten nehmen Zeit und Kilometer in Anspruch. Dafür gibt es diverse Helferlein-Apps, die Standorte lokalisieren.

Komfortabler und einfacher will dies Bosch machen und arbeitet mit Projektpartnern an Lösungen, um das Niveau dieser Assistenzsysteme auf eine neue Ebene zu bringen.

Gelingen soll dies mit Distributed Ledger Technologien (DLT), zu denen auch Blockchain zählt. Das machte Dr. Michael Bolle, verantwortlicher Geschäftsführer bei Bosch für Technologie und Digitalisierung, auf dem Branchentreff Connected World klar. Distributed Ledger heißt übersetzt verteilte Konten beziehungsweise dezentrales Kontobuch.

Distributed Ledger Technologien

Im Unterschied zu zentralen Datenbanken und Plattformen werden bei DTL übertragene Daten und Werte wie Bitcoin oder Token dezentral auf verschiedenen Rechnern verschlüsselt gespeichert. Bilden die Daten und Werte dabei Blöcke und sind durch eine kryptographische Signatur miteinander in einer Kette verbunden, handelt es sich um eine Blockchain.

„Mit diesen dezentralen Strukturen schaffen wir Vertrauen in Internet-Plattformen. Denn: die Teilhabe vieler Akteure wird möglich“, unterstrich Bolle. Darüber hinaus seien dezentrale Plattformen, die eine Vielzahl ebenbürtiger Partner betrieben, sicherer gegenüber Angriffen von außen.

Prototyp von Bosch und EnBW

Wie DLT die Mobilität der Zukunft verändern und vereinfachen kann, zeige ein erster Prototyp von Bosch und EnBW. „Damit Auto und Ladesäule in Zukunft selbstständig verhandeln und Verträge (smart contracts) abschließen können, werden sowohl das Fahrzeug als auch die Ladesäule über ein intelligentes Softwareprogramm verfügen, das verhandelt, den Vertrag zum Laden abschließt und mit einer digitalen Geldbörse selbständig bezahlt“, erläutert Nik Scharmann, Projektdirektor Economy of Things bei Bosch das Konzept.

Neben der Verfügbarkeit von Ladesäulen mit Grünstrom und günstigen Preisangeboten könnten Standortpräferenzen des Kunden berücksichtigt werden; so zum Beispiel ob Spielplätze und Cafés im Umfeld von Ladesäulen verfügbar sind, wenn der Kunde Kinder hat und gerne Kaffee trinkt.

Kommunikationswege

Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur erfolge zum einen über das Internet. Zum anderen direkt über das Ladekabel, konkretisiert Andreas Straub, Senior Manager Digitale Transformation vom EnBW Digital Office in Karlsruhe, zum Ablauf des Informationsaustausches. „Vereinfacht dargestellt, erfolgt die Preisfindung und die Reservierung der Ladesäule über das Internet.“

Die Bedingungen hierfür seien in selbstausführenden Verträgen, Smart Contracts, fixiert. Diese enthielten ebenso die Bedingungen zum Laden und Bezahlen über die Blockchain. Das Fahrzeug selbst identifiziere sich mit dem Ladekabel an der ausgewählten Säule. In ihren Echtladelaboren könnten die Projektpartner den kompletten Anwendungsfall testen.

Im konkreten Fall liefen die Tests im Labor bei Bosch, während EnBW dazu die entsprechende Ladestation bereitstellte.

Echtladelabor

Das Labor von Bosch befindet sich auf dem Forschungscampus des Technologiekonzerns in Renningen. Beim Prototypen sei die Blockchain-Lösung Ethereum zum Einsatz gekommen, da sie smarte Verträge abschließen kann. „Wir evaluieren jedoch eine Vielzahl weiterer Technologien und sind nicht auf Ethereum festgelegt“, so Scharmann. Im Projekt mit Siemens testeten die Unternehmen, wie ein Fahrzeug mit umliegenden Parkmöglichkeiten die besten Konditionen aushandelt. Fährt der Fahrer an der ausgewählten Schranke vor, läuft alles ohne Parkschein automatisch inklusive Bezahlvorgang ab.

Sicherheit und Transparenz

„Mit Blick auf das Internet der Dinge forscht Bosch an Mechanismen, die Sicherheit und Transparenz gewährleisten. Dazu gehören zum Beispiel einfache, kostengünstige und zugleich sichere Bezahlvorgänge sowie Vertragsschlüsse zwischen Maschinen mittels Smart Contracts“, fasst Scharmann zusammen. Das soll das Vertrauen der Nutzer stärken.

Hinter ungeklärten Rechtsfragen rangiert mangelndes Vertrauen beim Einsatz von Blockchain-Technologien als zweitgrößtes Hindernis. Das ermittelte PwC im letzten Jahr in einer Umfrage.

Zugleich gelten Hersteller von Industrieprodukten und Energieversorger gleich nach den Finanzdienstleistern bei den Befragten als Vorreiter für Blockchain. EnBW widmet sich diesem Thema seit Jahren, wozu das Reservierungs- und Bezahlmanagement im Kontext der Elektromobilität zählt.

Josephine Bollinger-Kanne