Blockchain mit Akkuspeichern

Eine Zeitlang war die Blockchain das Pflichtthema auf Tagungen und Messen. Konkrete Projekte waren in Deutschland und Europa bislang selten. Das ändert sich jetzt. Das zeigt das Beispiel von Tennet und Sonnen.

07. November 2017

Der Übertagungsnetzbetreiber nutzt mit der Blockchain vernetzte, dezentrale Heimspeicher zur Stabilisierung des Stromnetzes, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Tennet und Sonnen.

 

Es handelt sich den Angaben zufolge um den ersten flexiblen Einsatz von Sonnen-Batteriespeichern zur Netzstabilisierung.

 

Hilfsmittel bei fluktuierender Stromerzeugung

 

„Tennet hat jetzt erstmals erfolgreich diese Heimspeicher für den sogenannten Redispatch genutzt“, heißt es.

 

Die Pilotphase läuft über sechs Monate bis zum zweiten Quartal 2018.

 

Während dieser Zeit werden dezentrale Batteriespeicher über eine Blockchain-Lösung in das Tennet-Netz eingebunden.

 

Die Blockchain-Lösung wurde von IBM entwickelt und der Pool von Heimspeichern wird von Sonnen bereitgestellt, heißt es.

 

Das intelligente Management der Batteriespeicher passt sich dabei individuell der jeweiligen Situation im Netz an.

 

Redispatch

 

So kann der Speicher-Pool je nach Bedarf überschüssigen Strom sekundenschnell aufnehmen oder abgeben und damit dazu beitragen, Transportengpässe im Netz zu reduzieren.

 

Das Projekt ist Teil eines umfassenden Programms von Pilotprojekten, um mit Hilfe von verstärkter Nutzung von Daten und der Erschließung neuer Flexibilitätsmöglichkeiten das Stromnetz fit für die Herausforderungen der Energiewende zu machen.

 

„Das Projekt ist das erste seiner Art, das die Blockchain-Technologie verwendet“, sagt Tennet-Geschäftsführer Urban Keussen.

 

Es sei wegweisend für die zukünftige Einbindung der erneuerbaren Energien.

 

„Wir sehen klar ein Potenzial, neue Flexibilitätsmöglichkeiten über die Blockchain-Technologie zu erschließen. Letztlich hilft das, die teure Abregelung von Windanlagen zu begrenzen, die notwendig ist, um das Netz zu stabilisieren.

 

Ziel sei es, neue Wege zu erschließen, um die stark vom Wetter abhängige erneuerbare Stromproduktion flexibel zu steuern.

 

Die Blockchain bietet den Angaben zufolge neue Möglichkeiten, auch dezentrale verteilte Anlagen sicher und intelligent überregional aus einer Hand zu vernetzen.

 

Speicher-Verbund

 

Sonnen vernetzt die dezentralen Heimspeicher seiner Sonnen Community untereinander, die so einen virtuellen Batteriepool bilden, der gezielt Schwankungen im Stromnetz ausgleichen kann.

 

Das erleichtert wiederum die Nutzung von erneuerbaren Energien insgesamt, da sie gleichmäßiger verteilt werden und Produktionsspitzen aufgefangen werden.

 

„Privathaushalte mit einem Speicher können auf diesem Weg vom Energiemarkt profitieren und erhalten neue Verdienstmöglichkeiten, die über den Eigenverbrauch hinausgehen und den Betrieb von Stromspeichern noch wirtschaftlicher machen“, so die Unternehmen.

 

Schon heute können sie kostenlosen Strom erhalten, wenn sie ihre Speicher für wenige Minuten am Tag für Netzdienstleistungen zur Verfügung stellen.

 

„Statt grünen Strom im Norden wegzuwerfen, speichern wir ihn“, so Sonnen-Chef Philipp Schröder. „Statt Großkraftwerke im Süden hoch zu fahren, rufen wir Solarstrom aus Speichern ab.“

 

Kostenbremse

  

2016 lagen die Kosten für Redispatch, Netzreserve und Windabregelungen bei rund 800 Millionen Euro deutschlandweit, heißt es.

 

Ein großer Teil davon entfällt auf die Abregelung von Windanlagen. Die Kosten für diese Maßnahmen werden über die Netzentgelte letztlich von den Stromverbrauchern getragen.

 

In den Niederlanden untersucht Tennet nach eigenen Angaben die Möglichkeit, mit Hilfe der Blockchain-Technologie Flexibilität, die von E-Autos zur Verfügung gestellt wird, zu nutzen.

 

Dieser Pilot starte Ende November, so das Unternehmen.

  

Blockchain – aber wie?

 

Die Energiebranche hat großes Interesse an den Möglichkeiten der Blockchain-Technologie. Jüngst gaben E.on und Enel bekannt, dass sie erstmals die neue Technik benutzt haben.

 

Was sollten Unternehmen bedenken, wenn sie sich näher damit beschäftigen wollen? Ein Beratungsunternehmen hat zehn Punkte zusammengestellt.

 

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