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Datenverarbeitung - Bis zum Sommer müssen Versorger und Netzbetreiber Zuständigkeiten für das digitale Messwesen regeln. Stichtag ist der 30. Juni. Dieses Großprojekt wird sich auch auf andere Unternehmensbereiche auswirken. Das Digitalzeitalter hat eben erst begonnen. IT-Spezialisten müssen heute schon an morgen denken.

23. Januar 2017

Mit dem Thema Smart Energy macht die E-world klar: Damit die Energiewende funktioniert, müssen Netzinfrastruktur und Prozesse in der Energiewirtschaft umfassend digitalisiert werden. Effektive, intelligente und sichere IT-Landschaften und -Lösungen stehen in diesem Umfeld nicht nur auf dem Papier, sondern sind gesetzlich festgelegte Anforderung. »Das setzt die Marktteilnehmer erheblich unter Druck und nur wenige IT-Dienstleister können hier umfassende Lösungen anbieten«, sagt Jürgen Klaus, Mitglied der Gisa-Geschäftsführung. Die IT-Experten aus Halle an der Saale ergriffen nach ihren Worten die Chance und bieten heute eine marktfähige und erprobte Lösung für die Smart Meter Gateway Administration.

Seit 2016 Zertifiziert

Kunden des Unternehmens profitieren von diesem Vorsprung: Sie können bereits heute mit zertifizierten Multimandantensystemen arbeiten und diese Leistung Netzgesellschaften und Stadtwerken in Kooperation anbieten. »Gisa zeigt, dass smarte IT zur wesentlichen Voraussetzung für Erfolg auf dem Energiemarkt geworden ist.« Das Unternehmen könne seinen Kunden als deutschlandweit erster Dienstleister bereits seit Oktober vergangenen Jahres eine zertifizierte Plattform zur Smart Meter Gateway Administration zur Verfügung stellen, so Klaus.

ISO 27001

Nach den Anforderungen des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende müssen sich Messstellenbetreiber nach ISO 27001 zertifizieren lassen und belegen, dass ihre Lösung für die Smart Meter Gateway Administration den Vorgaben der technischen Richtlinie TR3109-6 entspricht.

Messstellenbetreiber, zumeist Netzgesellschaften, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, verlören in der Konsequenz ihren direkten Kundenzugang und setzen deshalb fast immer auf die Zusammenarbeit mit einem Partner. Gisa eröffne Kunden die Möglichkeit zur sicheren Gateway Administration wahlweise über ein Multimandantensystem oder über ein eigenes System, so das Unternehmen.

Alles aus einer Hand

Seit Ende vergangenen Jahres hat auf diese Weise bereits Innogy, als einer der Big Player auf dem europäischen Energiemarkt, ein eigenes, zertifiziertes Multimandantensystem für die Gateway Administration etabliert. Diese wird neben der eigenen Nutzung durch Innogy Metering auch durch Partner wie Voltaris und Syna– einer Gesellschaft der Innogy-Gruppe– genutzt und steht weiteren Netzgesellschaften und Stadtwerken zu attraktiven Bedingungen offen, ergänzt durch die Bereitstellung von Prozessdienstleistungen. Mit Erfolgen wie der Kooperation mit Innogy konnte Gisa nach eigenen Angaben bereits jetzt wichtige Marktanteile für sich gewinnen. »Perspektivisch haben sich Kunden mit deutlich mehr als einer Million intelligenten Messsystemen entschieden«, sagt Klaus, »für die Smart Meter Gateway Administration mit dem starken Partner Gisa zusammenzuarbeiten«.

Die Hallenser haben sich in den vergangenen Jahren sehr leise in eine Spitzenposition der wichtigsten IT-Dienstleister für die Energiewirtschaft vorgearbeitet. So erbringt das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits auf dem klassischen Energiemarkt vor dem Smart-Meter-Zeitalter Dienstleistungen für rund 15 Prozent der 43 Millionen Stromzählpunkte in Deutschland. Im Bereich der Smart Meter übertreffe Gisa laut Klaus diese Quote schon vor dem Marktstart der neuen Technologie.

 

Langfristig zusammenarbeiten

»Von der Beratung über die Betreuung bis hin zum Betrieb kann Gisa alles bieten – und das immer mit einer tiefen Prozesskenntnis. Gisa setzt darauf, schnell Lösungen für gesetzliche Anforderungen und den sich verändernden Energiemarkt zu bieten«, heißt es in einer Unternehmenspräsentation.

Zu den Entwicklungsschwerpunkten gehören Themen wie Smart Energy, intelligente Messsysteme oder Service-Portale. Einführungsprojekten folgt fast immer eine langfristige Anwendungsbetreuung und oft auch der Betrieb im eigenen hochperformanten, BSI-zertifizierten Rechenzentrum.

»Wir sind für viele Energiedienstleister auch Innovationspartner, wenn es darum geht, die IT-Strategie für das Unternehmen zukunftssicher auszurichten«, sagt Jürgen Klaus. Das Unternehmen ist seit 1993 kontinuierlich gewachsen. Heute beschäftigt das IT-Haus gut 700 Mitarbeiter; 2015 wurde nach Unternehmensangaben ein Umsatz von 87,1 Millionen Euro erwirtschaftet.

is-u und crm

Mit den jüngsten Entwicklungen, langfristigen Bestandskunden sowie wichtigen neuen Kunden setzt Gisa diesen Kurs fort. 2016 konnte der Branchenspezialist eine ganze Reihe neuer Kunden gewinnen. Herausragende Projekte sind beispielsweise die Einführung einer Abrechnungslösung bei einem von Deutschlands größten Energieversorgern oder die Konzeption, Planung und Umsetzung der IS-U- und CRM-Einführung bei einem weiteren großen Versorger. Manchmal passt eine IT-Standardlösung, manchmal braucht es eine maßgeschneiderte Anpassung. »Mit einem Netzwerk an Partnern, angefangen von der SAP über Wilken oder Robotron, bietet Gisa die am besten für die Größe und Anforderung des Kunden passende IT-Lösung«, wirbt das Unternehmen.

Daten analysieren

Die Dynamik der Energiewende wird für Netzbetreiber mit dem Smart Meter Rollout weiter steigen. Nach einer Übergangsphase werden die Art der Datenkommunikation sowie der Funktionsumfang der intelligenten Netzbausteine deutlich ausgebaut.

Smart Meter Gateways müssen künftig mit Verbrauchern, Netzbetreibern oder Lieferanten kommunizieren und für die aktive Regelung freigeschaltet werden. Gisa arbeitet nach eigenen Angaben daran, den Vorsprung in diesem Bereich beizubehalten. Bereits jetzt würde die Integration externer Marktteilnehmer (EMT), Workforce-Management und die IS-U-Anbindung über das SAP Tool IM4G angeboten. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Digitalisierungsthemen, die Versorger gemeinsam mit ihrem IT-Dienstleister besetzen müssen. Viele Energiedienstleister stehen bei der Analyse großer Datenmengen noch am Anfang. Dabei erlaubt die Analyse und Interpretation großer Datenbestände die Entwicklung völlig neuer Anwendungen.

Die Eigenentwicklung ›Customer Insight‹ ermöglicht die Identifikation des Kundenwertes anhand von aktuellen Kunden-, Verbrauchs- und Abrechnungsdaten, heißt es in einer Produktbeschreibung. Daraus leitet die Anwendung zusätzlich eine Kündigerwahrscheinlichkeit ab und versetzt Energieversorger damit in die Lage, gezielt Maßnahmen einzuleiten. Big Data wird so zur aktiven Marketingbasis. Für den sich verändernden Energiemarkt hat Gisa die Idee des Internet of Things übersetzt und eine Art App store erschaffen: ›Gisa.Connect‹ ist eine Plattform, die alle Akteure des Energiemarktes miteinander vernetzt und so eine direkte Kommunikation und Geschäftsbeziehungen ermöglicht.

Dezentrale Akteure vernetzen

Die Plattform verbindet Energieversorger, EEG-Anlagenbetreiber oder auch Immobilienbesitzer und IT-Serviceanbieter. Das Portal bietet Buchen und Konfigurieren von Services sowie deren Abrechnung. Damit werden den Angaben zufolge auch kleinteilige Massengeschäfte möglich und kaufmännisch attraktiv. »Meine Kollegen tüfteln weiter an intelligenten neuen Lösungen – einige davon werden auf der E-world zu sehen sein«, so Jürgen Klaus. (hd)

Halle 3, Stand 348

Wellenbewegungen

Der Rollout wird weitere Automatisierungen nach sich ziehen, sagt Gisa-Chef Michael Krüger.

Digitalisierung ist zur Zeit eines der meistbenutzten Wörter in der Kommunikation aller Branchen. Was bedeutet das für die Gisa-Strategie?

Sie haben recht, es wird viel über die Digitalisierung gesprochen, es sind viele Begriffe im Umlauf. Wir stellen uns dem und beobachten permanent den Markt.

Die Kollegen aus unserem Innovation Center, einer direkt an die Geschäftsführung angebundenen Organisationseinheit, berichten regelmäßig, welches Thema wann greifbar wird.

Unser Ziel ist es, neue Anforderungen frühzeitig zu identifizieren, damit wir die Weiterentwicklung unserer Kunden proaktiv unterstützen können.

Ein Beispiel ist das Smart Metering. Für Versorger bedeutet der Rollout den Einstieg in eine neue Welt.

Gisa widmet sich dem Thema seit mehr als vier Jahren intensiv. Wir waren voriges Jahr die Ersten auf dem Markt mit einer zertifizierten und getesteten GWA-Lösung.

Bis zum Sommer müssen Netzbetreiber und Energieversorger anzeigen, wie sie die Gateway-Administration machen werden. Sei es in Eigenregie, sei es mit Partnern. Viele Dienstleister hoffen auf lukrative Aufträge. Experten sagen schon eine Marktbereinigung voraus. Wie schätzen Sie das ein?

Wir rechnen mit zwei Vergabeschüben. Die erste Welle kommt jetzt in diesem Jahr. Die zweite in ein paar Jahren, wenn die ersten Vertragslaufzeiten enden. Bei der Gateway Administration ist eine kritische Masse essentiell, sonst ist das Ganze nicht wirtschaftlich. Einige Anbieter werden aus dem Markt gehen, wenn sie nicht genügend Zählpunkte auf sich vereinen können. Das gilt für beide Wellen.

Wie viele Zählpunkte hat Gisa bislang unter Vertrag genommen?

Bis Mitte Dezember waren es mehr als eine Million.

Abgesehen vom Smart Metering, wohin entwickelt sich die IT der Versorger?

Das digitale Messwesen löst weitere Entwicklungen aus: Sei es in der Verwaltung, sei es in der Buchhaltung. Das ist jetzt schon abzusehen. Ein weiteres Themenfeld sind Datenanalysen. Wir haben unter dem Namen ›Gisa.Customer Insight‹ eine Big-Data-Applikation entwickelt, die für Energieversorger Kundenwertanalysen durchführt und Kündigungswahrscheinlichkeiten ermittelt. Was früher Wochen dauerte, ist heute nahezu in Echtzeit möglich. Damit können Energieversorger frühzeitig und personenscharf erkennen, welche gewinnbringenden Kunden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft für die Konkurrenz entscheiden wollen.

Auf welche Daten greift es zu?

›Gisa.Customer Insight‹ ist eine branchenspezifische Lösung, die mittels mathematisch-statistischer Methoden exakt die Zusammenhänge von Stamm- und Bewegungsdaten, regionalen und soziodemografischen Unterschieden sowie Daten zu Kundenverhalten und Marktgeschehen erkennt. Und was macht der Versorger dann mit den Informationen?

Mit dem Prognosetool können Versorger effiziente, regional gesteuerte und zielgruppengenaue Marketingmaßnahmen zur Kundenbindung einleiten. (hd)

Erschienen in Ausgabe: Nr. 01/2017