Smart data statt big data

automatisierung Unternehmen ist erfahrungsgemäß die eigene Datenhoheit sehr wichtig. Kollidiert das nicht mit dem Trend zu Remote-Tracking und IoT-Services? »Das Erfolgsrezept liegt in der Selektion«, sagt Markus Hettig von Schneider Electric.

11. Oktober 2019

Herr Hettig, der Eco Struxure Machine Advisor von Schneider Electric erlaubt Remote-Tracking und Überwachung von Maschinen. Damit haben Maschinenbau-OEMs die Möglichkeit, neue cloudbasierte Services anzubieten, heißt es. Fernwartung per se ist heute gang und gäbe. Was ist das Besondere an der neuen Lösung?

Der Machine Advisor ist eine cloudbasierte App von Eco Struxure, unserer offenen, skalierbaren, IoT-fähigen Lösungsarchitektur. Sie ermöglicht OEMs nicht nur den Zugriff auf ihre Maschinen sowie deren Überwachung, Diagnose und Reparaturunterstützung aus der Ferne.

Das Tool bietet vorausschauende Wartung an und verfügt über viele praktische Funktionen wie Maschinenhistorie, Einsehen von Konfigurationen einer Maschine oder welche Software gerade läuft.

Heikle Personen- und Prozessdaten sowie Rezepturen bleiben generell außen vor.

— Markus Hettig Schneider Electric

Seine Dienste gehen weit über die Möglichkeiten gängiger Fernwartungssysteme hinaus, etwa im Rahmen der Fehlerbehebung mit dem Eco Struxure Augmented Operator Advisors: Der App-Service erleichtert Wartung und Bedienung via Augmented Reality.

Unternehmen ist erfahrungsgemäß die eigene Datenhoheit sehr wichtig. Kollidiert das nicht mit dem Trend zu Remote-Tracking und IoT-Services?

Unsere bestehenden Lösungen vereinen bereits maximale Vernetzung und maximale Sicherheit, von der Insellösung bis zur komplexen Cloud-Anwendung.

Das Erfolgsrezept liegt in der Selektion. Smart Data ist weitaus bedeutender als Big Data. Statt alle möglichen Daten in die Cloud zu schicken und unnötig Übertragungs- und Speicherkapazitäten zu belegen, werden die Daten optimal vorverarbeitet.

Heikle Personen- und Prozessdaten sowie Rezepturen bleiben generell außen vor.

Welchen Stellenwert hat Energiemanagement für Schneider Electric in der eigenen Produktion beziehungsweise in den eigenen Produktionsgebäuden, und wie drückt sich das konkret aus?

Energieeffizienz durch Energiemanagement zu erhöhen, liegt in unserer DNA, und unsere Lösungen, eingebettet in die IoT-fähige und offene Architektur Eco Struxure, zielen alle darauf hin, Energie effizient zu nutzen. Erst kürzlich wurde eine unserer Smart Factory als Leuchtturmprojekt der vierten industriellen Revolution vom Weltwirtschaftsforum ausgezeichnet. Die dritte von Schneider.

VITA

Markus Hettig

Vice President Power Products DACH, Schneider Electric

Er ist seit 2016 für das Unternehmen tätig.

Vorher unter anderem Strategy Director bei der Hager Group

Diplom-Betriebswirt (FH) und Bachelor of Science in Eng. (FH)

Smart heißt für uns vor allem energieeffizientere Nutzung natürlicher Ressourcen. Daher haben wir uns verpflichtet, bis 2025 die Energiezufuhr für unsere Produktionsstätten weltweit auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzustellen. Der Anfang ist mit neun Standorten bereits gemacht.

Der Trend geht zu Medien- und Gebäudesteuerung auf einer Plattform. Künftig soll auch maschinelles Lernen integriert werden. Welche Vorteile hätte das für die Energieeffizienz in Unternehmen?

Maschinelles Lernen ist über die Trend-Phase schon hinaus und gehört zum Alltag in der IoT-Umgebung – und in dieser bewegen wir uns, wenn wir von Gebäudesteuerung sprechen. Die enorme Menge an verfügbaren Daten wird neben Parametrierung und Programmierung, die in erster Linie der Steuerung dienen, vor allem durch Algorithmen zu verwertbaren Erkenntnissen transformiert. Also durch maschinelles Lernen.

Neben Routinearbeiten sind dies in erster Linie hochkomplexe Analysen, wie die Erkennung von Fehlermustern oder Störtrends in der Energieverteilung.

Algorithmische Berechnungen visualisieren die Entwicklung der zukünftigen Maschinenverfügbarkeit, korrigierende Maßnahmen zum Schutz vor Ausfallzeiten, teuren Back-ups oder unterbrochenen Supply Chains werden ergriffen – Stichwort Predictive Maintenance und Selbstoptimierung – und die Energieeffizienz gesteigert.

hd

Erschienen in Ausgabe: 06/2019
Seite: 38 bis 39