Windkraft

Enercon strukturiert um

Der Windenergieanlagenbauer Enercon reagiert auf den schwachen deutschen Markt mit einer Neuausrichtung des Unternehmens. Künftig im Fokus: der internationale Markt.

11. November 2019
Enercon strukturiert um
(Bild: Enercon)

Aufgrund des dramatischen Einbruchs des deutschen Onshore-Windenergiemarktes sieht sich Enercon gezwungen, die Zusammenarbeit mit mehreren Produktionspartnern im Inland zu beenden, so das Unternehmen. Der Vergabestopp für Produktionsaufträge betrifft in erster Linie die Lieferung von Rotorblättern, die Vergabe von Fertigungsaufträgen für weitere Komponenten wird deutlich reduziert. „Enercon hat für die kooperierenden Blattwerke in Aurich und Magdeburg keine Aufträge mehr, da durch verfehlte politische Reformen die Auftragslage für neue Windenergie-Projekte in Deutschland nahezu zum Erliegen gekommen ist.“

Schwacher Onshore-Zubau

Nach der Einführung von Ausschreibungen durch die Bundesregierung habe sich das Marktvolumen an Land 2019 um knapp 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr reduziert. Enercons Aufbauleistung schrumpfte nach Unternehmensangaben durch den Kollaps auf das Niveau von vor rund 30 Jahren.

„In den ersten zehn Monaten 2019 konnte das Unternehmen deutschlandweit lediglich 65 WEA (rund 210 MW) installieren. Während der Hochphase in 2017 hatte Enercon in Deutschland noch 711 WEA (2004 MW) errichtet.“

Laut Hans-Dieter Kettwig, Vorsitzender der Enercon Geschäftsleitung gefährde die aktuelle Energie- und Klimapolitik nicht nur über Jahre aufgebautes Knowhow und Arbeitsplätze, sondern auch den Klimaschutz und die Energiewende.

„Nach Vorlage des Klimaschutzpakets der Bundesregierung wird klar, dass die Probleme für uns sogar noch größer werden“, so Hans-Dieter Kettwig. „So wird etwa die im Klimapakt vorgesehene pauschale Abstandsregelung den stagnierenden Onshore-Ausbau noch weiter schrumpfen lassen. Unter diesen Bedingungen wird sich der deutsche Onshore-Markt nicht wieder erholen“, sagt Kettwig.

Enercon verzeichne erstmals Verluste. Das Unternehmen müsse laut Kettwig jetzt konsequent und schnell die Weichen stellen, um sich zukunftssicher aufzustellen.

Turnaround-Programm

Enercon reagiert mit einem umfangreichen Turnaround-Programm, um das Unternehmen an die neuen Rahmenbedingungen angepasst neu aufzustellen und wieder in die Gewinnzone zu führen. Neben der deutlichen Reduzierung der Planungen für 2020 gehört dabei die Konzentration auf internationale Märkte, in denen bessere Perspektiven bestehen, zum Kern des Programms.

„Wir gehen davon aus, dass unsere Neuausrichtung innerhalb der Windindustrie in Gänze eine Betroffenheit von mehreren Tausend Arbeitsplätzen auslösen wird, bei Enercon selbst, bei Produktionspartnern, Zulieferern sowie Zeitarbeitsfirmen“, sagt Hans-Dieter Kettwig.

Kaum Interesse an Onshore-Aussschreibung

Das Interesse am Bau neuer Windparks an Land ist weiterhin sehr verhalten. Das zeigt die jüngste Onshore-Ausschreibung der Bundesnetzagentur zum Gebotstermin 1.10.2019. Hier die Details zum Nachlesen.

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