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Dossier: Kommune

Ganz schön clever

Smart Energy: Wer den Begriff liest, denkt unweigerlich an Digitaltechnik und das World Wide Web. Dass es auch anders geht, zeigen zwei Beispiele aus Nordrhein-Westfalen.

12. November 2018
(Bild: Thaut Images – stock.adobe.com)

Das Fernwärmenetz in der Dortmunder Innenstadt wird umgebaut. Statt über eine Nahwärme-Quartierslösung soll die Versorgung nun über Abwärme sichergestellt werden. Das gab der kommunale Netzbetreiber und Energieversorger DEW21 im Frühjahr bekannt. Das Unternehmen kooperiert bei dem Vorhaben mit den Deutschen Gasrußwerken (DGW). Die Unternehmen haben vereinbart, die Einkopplung industrieller Abwärme in das neue Dortmunder Wärmenetz in den kommenden Jahren bis auf circa 235 GWh pro Jahr auszubauen. Die KfW fördert das Projekt mit einem Kredit. Unter anderem will DGW rund 5,3 Mio. € in die firmeneigene Infrastruktur investieren, um die technischen Voraussetzungen für die Fernwärmelieferungen zu schaffen.

CO2-Belastung

Der Umbau des alten Dampfnetzes in der Dortmunder Innenstadt wird den Angaben zufolge bis 2023 dauern. Netzbetreiber und Energieversorger DEW21 plant, sukzessiv auf die Lieferung gasbasierter Wärme aus dem Kraftwerk Dortmund zu verzichten; stattdessen wird vermehrt Abwärme genutzt. Die im Dortmunder Hafen ansässigen DGW liefern bereits seit 25 Jahren Wärme an die DEW21.

Industriewärme

Prozesswärme macht laut Umweltbundesamt mit rund 455 TWh mehr als 60 Prozent des industriellen Endenergieverbrauchs aus. Energie, die zu einem großen Teil verloren geht und dennoch bezahlt werden muss. In Köln gehen Projektpartner jetzt einen neuen Weg.

»Die günstige Wärme oder Kälte soll Anreize für die Ansiedlung schaffen.«

— E.on

Insbesondere die Metallverarbeitung, die chemische Industrie oder die Zementindustrie haben laut UBA großes Potenzial für das Einsparen von Wärme. Und auch die Umwelt würde profitieren, denn zwischen 50 und 60 Millionen Tonnen CO2 seien jährlich vermeidbar, heißt es. Die Möglichkeiten, wie Unternehmen Abwärme nutzen können, sind vielfältig. Ein Beispiel ist das Projekt Eco Port 813 in Köln. E.on, die Hafenkooperation Delta Port und der Aluminiumhersteller Trimet planen, Abwärme aus der Produktion von Aluminium zu einer ressourcenschonenden Energiequelle umzuwandeln, um so Logistikimmobilien am Rheinhafen Voerde-Emmelsum zu versorgen.

»Die günstige und CO2-neutrale Energie in Form von Wärme oder Kälte soll Anreize für die Ansiedlung weiterer Unternehmen schaffen«, so die Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung.

Energie für die Kühlkette

Darüber hinaus wollen die Partner die Logistikkette für Lebensmittel klimafreundlich gestalten. Üblicherweise werden temperaturgeführte Container, die per Seeschiff im Seehafen anlanden, in Kühlzentren entladen und werden dann auf der Straße per Kühlkoffer-Lkw in das Hinterland gebracht. Eco Port 813 will diese Lieferkette ökologisch optimieren, heißt es. Zukünftig sollen Kühlcontainer mit Binnenschiffen oder per Bahn in das Hinterland transportiert werden. Die Entladung der Container wird in einem temperaturgeführten Distributionscenter im Hafen Emmelsum ermöglicht, um erst von dort aus die Verteilung per Lkw zu starten. Der Lkw wird somit nur noch auf der letzten Meile eingesetzt. E.on wird nach Unternehmensangaben das Herzstück des Projekts beisteuern: Eine Energiezentrale mit Wärmerückgewinnung. Hier wird die überschüssige Wärme aus der Trimet-Aluminiumherstellung wiederverwertet. Sie kann, umgewandelt in Kälte, Kühllogistik-Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, auch in Form von Wärme für produzierendes Gewerbe.

Wärmerückgewinnung

Die Unternehmen erhalten Kälte oder Wärme zu einzigartig günstigen Energiekosten, ohne das Klima mit CO2 zu belasten. Die Anlage gewinnt bis zu 136 Gigawattstunden (GWh) nutzbare Wärme im Jahr. Mehr als 27.000 Tonnen CO2 lassen sich den Angaben zufolge dabei einsparen. Die Ziffer im Projektnamen Eco Port 813 steht für den Rheinkilometer, an dem sich der Standort befindet. hd

Erschienen in Ausgabe: Nr. 09 /2018