Nähmaschine trifft Blockchain

Auf dem ehemaligen Werksgelände des Nähmaschinenherstellers Pfaff in Kaiserslautern wird ein klimaneutrales Stadtquartier gebaut. Im Rathaus der Stadt erfolgte diese Woche der offizielle Startschuss für das Verbundprojekt ‚EnStadt: Pfaff‘. Die Beteiligten haben Großes vor.

14. März 2018

 

„Wo 150 Jahre lang Nähmaschinen produziert wurden, finden künftig Gesundheits- und Technologieunternehmen sowie Arbeitnehmer und Bewohner ein attraktives und nachhaltiges Arbeits- und Lebensumfeld in zentrumsnaher Lage“, heißt es in einer Mitteilung eines Konsortiums, das das Projekt umsetzt.

 

Verbundkoordinator ist die Stadt Kaiserslautern, die wissenschaftliche Leitung des Projektes hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) aus Freiburg inne.

 

Zukunftsweisende Quartiersentwicklung

 

Die insgesamt neun Konsortium-Partner wollen den Angaben zufolge innovative Technologien entwickeln, demonstrieren und optimieren.

 

Das Vorhaben in Kaiserslautern ist eines von sechs Leuchtturmprojekten, die unter anderem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in der Förderinitiative Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt gefördert werden.

 

„Das Projekt ist als Reallabor konzipiert, in dem neben technischen auch sozialwissenschaftliche Fragestellungen untersucht werden“, heißt es.

 

Untersucht wird dabei auch, wie diese sich besser in die Prozesse der Bauleit- und Erschließungsplanung integrieren lassen.

 

‚EnStadt:Pfaff‘ entwickelt, demonstriert und optimiert neue Technologien in den Sektoren Energieversorgung, Gebäude, Elektromobilität und Digitalisierung.

 

Reallabor

 

Den Angaben zufolge ermöglicht es die Zusammenführung der Teilaufgaben in einem Leuchtturmprojekt, integrierte und aufeinander abgestimmte Lösungen zu entwickeln, die durch das Reallabor-Konzept auch auf ihre Praxistauglichkeit hin geprüft werden.

 

In einer digitalen Quartiersplattform werden die Daten aus allen Sektoren zusammengeführt und unter anderem für ein intelligentes Energiemanagement genutzt.

 

Es werden neue digitale Dienstleistungen entwickelt und auf ihre Praxistauglichkeit und ihren Mehrwert für die verschiedenen Zielgruppen hin geprüft.

 

‚EnStadt:Pfaff‘ ist dabei auch verknüpft mit der Initiative Digitale Stadt in Kaiserslautern.

 

Strom und Wärme aus dem intelligenten Netz

 

Die Energieversorgung des Pfaff-Quartiers erfolgt mit einem Smart Grid, in dem alle Erzeuger, Wandler, Speicher und Verbraucher mit Sensoren und Smart Metern ausgestattet werden, heißt es.

 

Die Daten werden zur intelligenten und effizienten Steuerung der Strom- und Wärmenetze genutzt.

 

Durch die Installation eines zentralen beziehungsweise dezentralen elektrischen Speichers werden der Stromeigenverbrauch im Quartier maximiert und Energiedienstleistungen für das Pfaff-Quartier und für andere Quartiere bereitgestellt.

 

„Ziel ist es, im Pfaff-Quartier einen möglichst hohen Anteil an selbst erzeugter erneuerbarer Energie zu erreichen, weshalb Konzepte zur optimalen Nutzung der vorhandenen Solarflächen auf den Gebäuden erarbeitet werden“, heißt es.

 

Das Wärmenetz ist den Angaben zufolge als Niedertemperaturnetz geplant, das einen Austausch von Energiemengen zwischen Netz und Gebäuden ermöglicht.

 

Dies wird auch erreicht durch ein agentenbasiertes Energiemanagementsystem, das die Gebäude und deren Leittechnik in die Steuerung der Strom- und Wärmeversorgung im Quartier aktiv einbezieht.

 

Blockchain mit dem Nachbarn

 

Durch den Einsatz von Blockchain-Technologien werden zusätzlich die Möglichkeiten des Energiehandels zwischen Gebäuden und Prosumern im Quartier untersucht.

 

In und an den Gebäuden werden unter anderem innovative Solarfassaden, elektrochrom schaltbare Fenster und neue Lüftungskonzepte erprobt und demonstriert und die Verknüpfung von Smart Home-Technologien mit dem Quartiers-Energiemanagementsystem untersucht.

 

Mobilität

 

Eine optimale Integration von Elektrofahrzeugen und deren Ladeinfrastruktur in das Energiesystem ist ein wichtiges Projektziel, wobei insbesondere das bidirektionale Laden weiterentwickelt wird, bei der die Batterien der E-Fahrzeuge als zusätzliche Stromspeicher dem Stromnetz zur Verfügung gestellt werden.

 

Das Finanzvolumen des Projekts beträgt den Angaben zufolge rund 27 Mio. Euro, der Bund beteiligt sich mit zirka 23 Mio. Euro.

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