ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
Menschen

»Schneller als erwartet«

Gasturbine – Der Weg in eine Wasserstoffgesellschaft wird kommen, so Geschäftsführer Masahiro Ogata und Director Thomas Himmighofen von Kawasaki Gas Turbine Europe.

30. August 2018

Mister Ogata, im Juni feierte Kawasaki das 20-jährige Jubiläum in Deutschland. Damals sah der deutsche Energiemarkt völlig anders aus als heute. Ist die Energiewende eine gute Nachricht oder eine schlechte Nachricht für Ihr Unternehmen?

Die Energiewende ist der größte Einschnitt in der 20-jährigen Geschichte von Kawasaki in Deutschland. Dadurch sind wir seit 2014 mit einer großen Herausforderung konfrontiert. Zugleich ist es eine gute Chance für uns, um andere Lösungen zu entwickeln und sich als Anbieter weiterzuentwickeln. Ich bin optimistisch, dass wir diese Herausforderung meistern.

Gesetzliche Rahmenbedingungen wie KWK-Gesetz oder EEG ändern sich immer wieder und sind mitunter selbst für Experten schwer zu verstehen. Wie sehr erschwert das Ihr Geschäft?

Ogata: Es ist bei den Kunden Unsicherheit entstanden.

Himmighofen: Ein industrieller KWK-Kunde hat meist einen kontinuierlichen Wärmebedarf. Für eine Papierfabrik, ein Spezialchemieunternehmen oder Betriebe der Lebensmittelindustrie, die Hochtemperaturwärme in Form von Dampf für ihre Prozesse benötigen, ist eine gasturbinenbasierte KWK die technisch und ökologisch beste Lösung. Diese kontinuierlich arbeitenden Betriebe müssen jetzt mit 100 Prozent EEG-Umlage für den Eigenverbrauch rechnen. Dadurch hat sich die Wirtschaftlichkeit dieses Spektrums an KWK-Anlagen, in dem wir tätig sind, dramatisch verschlechtert. Die industrielle KWK hat es im Moment schwer.

Das steht aber im Widerspruch zum erklärten Ziel der Bundesregierung, den Klimaschutz voranzutreiben.

Himmighofen: Der Gesetzgeber sieht die Energiewende momentan aus meiner Sicht nur aus der Stromperspektive. Die Wärme ist außen vor. Die industrielle KWK gilt als hoch profitabel, auch ohne Förderung im Rahmen des KWK-Gesetzes. Dies mag für große Anlagen zutreffen, für Anlagen im Bereich von 1 bis 10MW sicherlich nicht. Als Folge der dramatischen Verschlechterungen für die industrielle KWK in Deutschland haben wir den Schwerpunkt unserer Vertriebsaktivitäten ins europäische Ausland verlegt.

MAN Diesel und Turbo heißt seit Kurzem MAN Digital Solutions. Mister Ogata, ist das Ausdruck der Marktentwicklung, die Lösungen statt Produkte favorisiert?

Sie haben recht: Kunden wollen eine Lösung, kein Produkt. Zurzeit denken wir auch über einen neuen Firmen- oder Markennamen nach. Um den Kunden einen Mehrwert zu bieten, müssen wir betrachten, wie wir diese Lösung bieten können, statt nur unser Produkt zu verkaufen. Das sehen alle unsere Wettbewerber ähnlich.

Viele Energieexperten in Deutschland setzen auf Wasserstoff, um den Verkehr und die Wärmeerzeugung zu dekarbonisieren. In Japan entwickelt Kawasaki unter anderem eine Turbine für die Wasserstoffverbrennung. Wie weit sind Sie in Sachen Wasserstoff-Zeitalter?

Ogata: Kawasaki ist eines der führenden Unternehmen im Wasserstofftransport. Seit mehr als zehn Jahren engagiert sich das Unternehmen in der Entwicklung der Wasserstoff-Lieferkette. So gesehen ist Kawasaki Gas Turbine Europe in einer sehr guten Position. Denn wir haben Kenntnisse aus Japan und Deutschland. Bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wollen wir die Entwicklung der H2-Transport-Technologien finalisieren. Für uns ist der Verkehrssektor einer der größten Märkte für Wasserstoff.

Ähnlich wie in Deutschland und Europa fördert auch die japanische Regierung Verbesserungen im Verkehrswesen. Auf dem deutsch-japanischen Forum im Rahmen der diesjährigen Hannover Messe war der Wasserstoff im Mobilitätssektor eines der Hauptthemen. Wir haben dort unsere Aktivitäten rund um Wasserstoff vorgestellt. Kawasaki Industries hat eine ganze Reihe von Lösungen für die Wasserstoff-Lieferkette. Zum Beispiel unsere Turbine, die mit 100 Prozent Wasserstoff betrieben wird. Zum anderen Infrastruktur für den H2-Transport. Beides wird den Weg in das H2-Zeitalter beschleunigen. Das gilt für den Verkehrssektor wie für die Energieerzeugung.

Himmighofen: Tokio wird bis 2020 Hydrogen-City. Dann soll auch das erste Kawasaki-Transportschiff für Flüssigwasserstoff vom Stapel gehen. Die Technik, um reinen Wasserstoff zu verflüssigen, zu transportieren und zu lagern, ist von Kawasaki auf der Basis der vorhandenen Technologie für LNG entwickelt worden. Statt mit minus 170 oder 180 Grad Celsius arbeitet die H2-Technik mit minus 253 Grad Celsius.

Experten rechnen damit, dass in Europa Industriebranchen wie die Eisen- und Stahlindustrie oder die Glasherstellung noch mindestens zehn bis zwanzig Jahre auf fossile Energieträger für die Wärmeerzeugung angewiesen sind. Danach wird es einen Umschwung geben müssen. Ist dieser Zeitraum für Sie hilfreich, um neue Produkte weiter zu optimieren?

Ogata: Vor rund zehn Jahren hatte Kawasaki die Absicht, die H2-Wirtschaft möglichst schnell zu realisieren. Die Energiewende hat das Interesse an Wasserstoff zeitweise verringert. Jetzt allmählich kehrt es zurück. Vor rund fünf Jahren hatte man in Deutschland und Europa kaum Interesse an Wasserstoff. Ich persönlich glaube, dass die H2-Gesellschaft schneller kommt, als wir alle es erwarten. Genaue Vorhersagen sind sehr schwierig. Aber der Umschwung wird kommen, davon bin ich überzeugt. Nicht weltweit, aber in manchen Teilen der Welt. Darauf werden wir uns vorbereiten.

Himmighofen: Ich war vor einem halben Jahr in Frankreich bei einem H2-Workshop eines großen französischen Energiekonzerns. Dieses Unternehmen steigt in großem Stil in den Wasserstoffmarkt ein, das ist beschlossene Sache. Wasserstoff ist ein bedeutender Teil der fossilfreien Zukunft, hieß es. Unter anderem nahmen drei Vorstände des Unternehmens an dem Workshop teil, was aus meiner Sicht ein Indiz für die große Bedeutung dieser Technologie für das Unternehmen ist. Es ging dort nicht mehr nur um Ideen, sondern um die konkrete Umsetzung einer Wasserstoff-Lieferkette. Das hat mich tief beeindruckt. hd

Vita

Masahiro Ogata

Bei der Kawasaki Gas Turbine Europe ist Ogata seit Juli 2016 in der Funktion des Managing Directors. Davor hatte er verschiedene Funktionen bei Kawasaki Heavy Industries in der Division Gas Turbine inne.

Thomas Himmighofen

Er ist bei Kawasaki Gas Turbine Europe seit 2011, seit April 2018 Director des Unternehmens.

Erschienen in Ausgabe: Nr. 07 /2018