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Kommune

Wärme direkt aus der Quelle

Prozesswärme entsteht in Industriegebieten meist mehr als genug. Ein neues Konzept sieht vor, mit der überschüssigen Energie umliegende Stadtteile zu versorgen.

12. November 2018
(Bild: ©pict rider – stock.adobe.com)

Fernwärme als Nebenprodukt konventioneller Stromerzeugung aus Kohle, Öl und Gas: Diese Rechnung geht in der Energiewende immer weniger auf. Denn mittelfristig werden fossile Brennstoffe durch Strom aus erneuerbaren Quellen ersetzt. Der Industriedienstleister Bilfinger hat sich deshalb mit zwei Partnern zusammengetan, um die Fernwärmeversorgung mit dem Projekt Scale Grid fit für die Zukunft zu machen.

Abwärme nutzen

Wer an eine nachhaltige Energieversorgung denkt, hat meist Windräder und Photovoltaikanlagen vor Augen. Schon heute decken erneuerbare Energien knapp 40 Prozent der Stromnachfrage in Deutschland. Dabei wird schnell vergessen, dass Deutschland auch nachhaltig heizen muss, wenn es seine Klimaziele erreichen will. Um die Wärmewende 4.0 voranzutreiben, hat der Industriedienstleister mit spezialisierten Partnern Scale Grid entwickelt. Das Ziel: Fernwärmenetze durch die Einbindung industrieller Abwärme und ein intelligentes Temperaturmanagement im Gesamtnetz wieder attraktiv zu machen.

Christian Strondl, Geschäftsführer der Bilfinger Bohr- und Rohrtechnik: »Scale Grid nützt allen Beteiligten: Stadtwerke können aus Fernwärmenetzen mehr Geld schöpfen, Kommunen senken ihren CO2-Ausstoß, Industrieunternehmen verkaufen ungenutzte Energie und Verbraucher profitieren von einer störungsfreien und stabilen Wärmeversorgung zu attraktiven Preisen.«

Bilfinger kooperiert dazu mit zwei Partnern: Der IT-Spezialist Procom aus Aachen liefert umfangreiche Analysen des Energiemarktes und der Preisentwicklung; die Wiener Beratungsgesellschaft Nusser & Partner übernimmt die Kommunikation mit allen Anspruchsgruppen. Bilfinger bringt seine Erfahrung für eine optimale Energienutzung in Industrieunternehmen ein und sorgt für die komplette technische Entwicklung und Projektumsetzung. Scale Grid verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz: Eine intelligente Software von Procom bildet dazu das Fernwärmenetz inklusive aller Rahmenbedingungen ab und prognostiziert Nachfrage, Wetter und Marktpreise.

Prognosen

Auf dieser Basis können die Stadtwerke und die Industrieunternehmen entscheiden, welche Form der Energieerzeugung gerade wirtschaftlicher ist. Sind die Strompreise etwa sehr niedrig, lohnt es sich für kommunale Versorger kaum, die selbst produzierte Energie zu verkaufen.

Stattdessen wird der Strom in Wärme umgewandelt und in speziellen Speichern gelagert, bis sie benötigt wird. Unternehmen profitieren parallel davon, ihre industrielle Abwärme dezentral ins Netz einzuspeisen.

Bilfinger optimiert dazu die Wärmeströme im Betrieb, identifiziert mögliche Einsparungen und bewertet, ob und in welchem Ausmaß sich die industrielle Abwärme weiter nutzen lässt. Das Potenzial ist hier aus Sicht von Christian Strondl noch lange nicht ausgeschöpft »Bislang wurde der Abwärme als einem Nebenprodukt nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Mit Scale Grid helfen wir Unternehmen, diese Effizienzlücke zu schließen«, so Strondl.

»Abwärme wurde bislang wenig beachtet.«

— Christian Strondl, Bilfinger

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei das Zusammenspiel aller relevanten Akteure. Vom ersten Kontakt mit der Stadt über Gespräche mit der ansässigen Industrie bis hin zu einer transparenten Öffentlichkeitsarbeit bei größeren Baumaßnahmen folgt die Einführung von Scale Grid deshalb einem definierten Prozess, der nicht die technische Lösung im Fokus hat, sondern von Beginn an auf den Nutzen der beteiligten Parteien abzielt. »Dadurch erreichen wir eine breite Akzeptanz und bieten eine zukunftsweisende und nachhaltige Lösung für die kommunale Wärmeversorgung aus einer Hand an«, sagt Strondl.

Wissen kompakt

Prozesswärme

Prozesswärme macht laut Umweltbundesamt mit rund 455 Terrawattstunden mehr als 60 Prozent des industriellen Endenergieverbrauchs aus. »Energie, die zu einem großen Teil verloren geht und dennoch bezahlt werden muss«, so das Bundesamt in einer Mitteilung. Und auch die Umwelt würde profitieren, denn zwischen 50 und 60 Millionen Tonnen CO2 seien jährlich vermeidbar, heißt es. Insbesondere die Metallverarbeitung, die chemische Industrie oder die Zementindustrie haben demnach großes Potenzial für das Einsparen von Wärme. (hd)

Erschienen in Ausgabe: Nr. 09 /2018